Armand Lepek während einer TPS-Behandlung. Kurt Peter
11.08.2022 07:00
«Ich fühle mich wieder fit»
Neue Behandlungsmethode für Alzheimer-Patienten gibt es in Bottighofen
Es gibt grosse Hoffnung für Patienten mit Alzheimer-Demenz: Das bei Storz Medical entwickelte und produzierte Neurolith®-System zeigt erfreulich gute Resultate bei der Behandlung mit der Transkraniellen Pulsstimulation – kurz TPS®. In der Region bietet einzig die Praxis von Dr. Thomas Gropp in Bottighofen die Behandlung an.
Bottighofen/Tägerwilen «Ich fühle mich wieder fit, die Beschwerden sind deutlich zurückgegangen», sagte der 89-jährige Armand Lepek. Er ist Patient in der Gemeinschaftspraxis Dr. Gropp. Armand Lepek ist begeistert: Er schlafe wieder deutlich besser, er finde sich im Alltag zurecht, könne wieder normal kommunizieren und sei wesentlich mobiler. Thomas Gropp kann sich gut an die Zeit vor der TPS®-Behandlung erinnern: «Armand Lepek kam zuerst mit Stöcken, später mit dem Rollator in die Praxis. Heute braucht er nichts mehr davon».
Zu wenige Daten
Seit Anfang 2022 hat der Arzt sein Gerät im Einsatz und kann sieben Patientinnen und Patienten monatlich behandeln. Sechs Sitzungen innerhalb von zwei Wochen zu je etwa 45 Minuten werden absolviert. «Nach einem Monat frischen wir die Behandlung wieder auf, eine weitere Beobachtung findet, individuell, ein halbes Jahr später statt», erklärt Thomas Gropp. Für ihn ist klar: «Die Demenzerkrankungen nehmen sehr stark zu», laut der Organisation Alzheimer Schweiz leben aktuell etwa 146'000 Menschen mit Alzheimer oder anderer Demenz im Land.
Dass mehr Demenzerkrankungen festgestellt würden, läge wohl auch an den besseren Untersuchungsmethoden, meint der Mediziner. Das Leben mit Demenz belaste nicht nur die Patienten, auch die Angehörigen «müssen einiges durchmachen». Durch die TPS®-Behandlung mit dem Neurolith®-System sei das tägliche Leben rasch besser zu meistern. Die bisherige Behandlungsmethode: «Ständig Medikamente und Kliniken, beides sehr teuer». Dennoch bezahlen die Krankenkassen eine TPS®-Behandlung nicht. Unter anderem lägen noch zu wenige Daten vor, die Chance, dass über die Krankenkasse abgerechnet werde, könne sich noch einige Jahre hinziehen.
Auf Erfolgskurs
Mitte der 1990er Jahre erkannte die Tägerwiler Storz Medical AG die Wirksamkeit von Stosswellen bei peripheren neurologischen Erkrankungen wie spastischen Bewegungsstörungen. In enger Zusammenarbeit mit klinischen Partnern in Deutschland und Österreich erfolgten seit 2015 die ersten Behandlungen von Patienten mit Alzheimer-Demenz. 2018 erhielt die Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) mit dem Neurolith®-System als erstes und bisher einziges Verfahren seiner Art die Zulassung für die Behandlung des Zentralnervensystems von Patienten mit Alzheimer-Erkrankung. Die Schlüsselfunktion nimmt dabei die sogenannte Mechanotransduktion (die Umwandlung der physikalischen Signale in intrazelluläre molekulare Prozesse) ein. Durch die Stimulation von Wachstumsfaktoren kommt es zu einer Verbesserung der Gehirndurchblutung, zur Bildung von neuen Blutgefässen und zur Nervenregeneration. Weiterhin kommt es auch zur Freisetzung von Stickoxid. Das Stickoxid bewirkt eine direkte Erweiterung der Blutgefässe und führt damit zu einer Erhöhung der Durchblutung.
Das Neurolith®-System befindet sich auf Erfolgskurs: Anfang Juni 2022 wurde bereits das 100. System installiert. Nur knapp drei Jahre nach der Markteinführung wird die Transkranielle Pulsstimulation in 100 Kliniken und 24 Ländern angeboten. Mehr als 2500 Behandlungen – das sind 15'000 Therapiesitzungen – wurden bereits durchgeführt. In der Schweiz ist das Neurolith®-System aber noch «Mangelware»: Neben der Praxis von Thomas Gropp in Bottighofen gibt es nur noch sechs Praxen, welche die TPS®-Behandlung anbieten.
Von Kurt Peter