Kulturagentin Bettina Eberhard vor dem Container auf dem Schulareal des Remisbergs. Desirée Müller
24.02.2022 00:00
In (keiner) geheimen Mission unterwegs
Kulturagentin Bettina Eberhard erzählt von ihrem Einsatz in Kreuzlinger Schulen
Kultur den Schülerinnen und Schülern nachhaltig näher bringen - das ist die Aufgabe der Filmemacherin, die 2019 zur Kulturagentin «ernannt» wurde. Seither konnte sie diverse Projekte ins Rollen bringen. Aktuell wird ein Überseecontainer im Sekundarschulzentrum Remisberg zu einem kreativen Raum ausgebaut.
Kreuzlingen Eine Kulturagentin ist neu Teil der Remisberg-Familie. «Das hört sich spannend und mysteriös an», dachten sich die Schülerinnen und Schüler des Sekundarschulzentrums nach den Sommerferien «Einige waren etwas enttäuscht, als sie erfuhren, das Kulturagenten nichts mit dem FBI zu tun haben», sagt Bettina Eberhard und lacht herzlich. Die Filmemacherin hat seither vieles bewegt in der Kreuzlinger Kulturlandschaft und die Kreativität bei Schülerinnen und Schülern geweckt. Sie ist eine von schweizweit neun sogenannten Kulturagentinnen, die in 17 Schulen, in Kreuzlingen und in sieben Kantonen Projekte vorantreiben. In Kreuzlingen beteiligt sich nebst dem Remisberg das Schulhaus Bernegg.
Nachhaltig ist besser
Eberhard war bisher freischaffend, ihre Projekte aufregend, doch bald wieder abgehakt. Doch nachhaltige Kultur liegt der Künstlerin mit dezentem Zürcher Dialekt am Herzen. Als sie die Stellenanzeige, ausgeschrieben von der Kulturvermittlung entdeckte, war sie gleich Feuer und Flamme: Kulturagentinnen und Agenten in der Ostschweiz gesucht. «Die Chemie passte auf Anhieb, ich hatte ein gutes Gefühl nach dem Vorstellungsgespräch», erinnert sie sich zurück. Das Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit und so reiste Eberhard vor den Sommerferien 2019 das erste Mal nach Kreuzlingen. Sie studierte in London, arbeitete in Madrid, die weite Welt ist ihr zu Hause. Doch Kreuzlingen hat es der Weltenbummlerin angetan. Während vier Jahren soll sie Kunst und Kultur nachhaltig im Remisberg etablieren, so die Mission der frischgebackenen «Agentin». Ein Jahr später kam das Bernegg dazu. Gefördert wird das Projekt von der Mercado Stiftung, mitfinanziert vom Kanton Thurgau.
Leute miteinbeziehen
Zu Beginn betrieb Eberhard Feldforschung: In welche Richtung sollen die künftigen Projekte gehen, wie sollen die Schülerinnen und Schüler involviert werden, auf was wird der Fokus gelegt. Umfragen folgten, Gespräche mit Lehrpersonen, Kulturbeauftragten und regionalen Künstlerinnen und Künstlern. «Ich wollte eruieren, wo ich die kulturelle Bildung im Schulalltag unterstützen kann». Die Remi-Agenten sind seit längerem sehr aktiv, treffen sich regelmässig und reissen gemeinsam mit der «Chef-Agentin» Projekte «Wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander, ein reger Austausch, bei dem diskutiert wird». Wie der «Remi-Talk», bei dem Gäste eingeladen werden, welche mit interessierten Schülern einen Workshop durchführen. Das Treffen mit einem Rapper kam bisher am besten bei den Jugendlichen an. Die «Remisbergler» können Wünsche einbringen und aus dem Pool der Vorschläge werden die Gäste eingeladen.
Kultur als fester Bestandteil
Das Kultur-Container-Projekt steht noch ganz am Anfang und verweilte seit der Lieferung vor den Sportferien im Dornröschenschlaf, wie die Kulturagentin sagt. Aktuell wird der Überseecontainer mit Strom versorgt. Ein Töggeli-Turnier jeweils in der 10ni-Pause ist bereits geplant. Dafür wird der Raum mit Papier ausgekleidet auf dem die teilnehmenden Schülern während des Turniers Ideen für die künftige Nutzung aufschreiben können. Auch sollen die Leute aus dem Quartier integriert werden, zum Beispiel für Kaffee und Kuchen im Container. Zudem wünscht sich Eberhard eine Zusammenarbeit mit lokalen Kunstinstitutionen wie dem Kreuzlinger Kunstraum. «Vielleicht könnte eine kleine Ausstellung im Kultur-Container veranstaltet werden.» Sie wolle Wirksamkeit erzeugen, auch ausserhalb der Schule. An Ideen mangelt es sichtlich nicht. «Es würde mich freuen, wenn der Container längerfristig ein fester Bestandteil des Schulalltags wird.»
Von Schule zu Schule verschieden
Im Schulhaus Bernegg brauchen die Projekte intensivere Begleitung. Die jungen Schülerinnen und Schüler sowie Kindergärtner sind natürlich noch nicht gleich selbstständig wie die Sekundarstüfler. Eberhard lancierte ein Projekt, bei dem es rund ums Theaterspielen ging. Sie gab kurze, kleine Inputs, welche von den Lehrpersonen im Alltag integriert werden konnten. Vor allem die nonverbale Kommunikation kam Schülerinnen und Schülern zu gute, die laut der Kulturagentin «der Deutschen Sprache nicht mächtig» waren. Ein Projekt bleibt ihr dazu gerne in Erinnerung: «Die Kinder hatten die Aufgabe, ihre Eltern, Grosseltern oder Gottis und Göttis nach ihren schönsten Schulerlebnissen zu befragen. Die Geschichten, die die Schüler zusammentrugen, waren wirklich toll.»
Desirée Müller