28.04.2022 08:15
In Napoleons Garten wandeln
Baustart im Schlosspark
Die Stiftung Napoleon III nimmt nach 14 Jahren die zweite Etappe der Wiederherstellung des Schlossparks Arenenberg in Angriff. Dass zwei Hunde der eigentliche Grund für die einstige Entdeckung des floralen Zeitzeugen sind, überraschte die interessierten Gäste am Spatenstich.
Salenstein Heier Lang schaut dem Bagger zu, wie er die erste Schaufel Erde aushebt und wendet seinen Blick dann versonnen Richtung Parkanlage. Sich vorzustellen, wie der kleine Prinz Louis Napoleon Bonaparte über die Wiese ritt, gefällt dem Stiftungsratsmitglied. «Ich weiss aber nicht, ob er ein guter Reiter war», sagt der 73-jährige aus Mammern und lächelt. Bei seiner Rede vor Stiftungskollegen und Interessierten scheint ihm vieles durch den Kopf zu gehen. Die pure Freude ist dem ehemaligen Generalsekretär vom Departement für Erziehung und Kultur anzusehen. Der Schlosspark Arenenberg und Heier Lang - diese zwei Namen werden oft im selben Satz genannt. Denn er war es, der vor fast zwei Jahrzehnten den Anstoss gab, die Anlage zu neuem Leben zu erwecken. «Also eigentlich waren es meine zwei Hunde», erzählt der Liebhaber von schönen, historischen Gärten.
Überraschungsfund
Bei einem Spaziergang mit seinen vierbeinigen Freunden entlang der heutigen Parkanlage versank er damals ärgerlicherweise im Matsch. Rückblickend war es jedoch Fügung, dass seine tierischen Begleiter ihn genau dorthin führten, denn so blieb ihm nichts anderes übrig, als stehen zu bleiben und sich aus dem Schlamm zu «befreien». Zeit genug, um sich zu fragen, was sich wohl hinter den verwilderten Hecken verbirgt. In Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums im Schloss Arenenberg, fand er einen Verbündeten mit der gleichen Neugier. Die beiden nahmen sich dem Projekt an, versuchten weitere Interessierte für die Rekonstruktion des Gartens zu finden und Geld für die erste Umgestaltung des einstigen Schlossparks zusammenzutragen. Anfangs belächelt über ihr Mammutprojekt entwickelte sich das Vorhaben anders als erwartet – zur Freude der beiden Initianten.
Zurück in die Vergangenheit
Die Stiftung Napoleon III wurde gegründet und konnte schnell an Mitgliedern gewinnen. Aktuell zählt sie fast hundert aktive Mitglieder bestehend aus Geschichtsinteressierten, Gartenfreunden und Anwohnern. Heute ziehen der märchenhafte Park und das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Geschichte im Schloss jährlich rund 20'000 Besucherinnen und Besucher an. Dort, wo Tauben einst in Rosenwasser gebadet und in der prunkvollen Villa herumflatterten, um eine frische Note ins Schloss zu bringen. Dort, wo die zu der Zeit gern getragenen Perücken in der Vogelvoliere deponiert wurden, um sie von Spinnen und sonstigen Getier zu befreien und dort, wo man nach getanem Geschäft nicht zum WC-Papier, sondern zur Schafswolle griff. So geht mit dem Spatenstich am letzten Freitag die Zeitreise weiter. Zwar durch eine Einsprache mit einem Jahr Verzögerung aber mit doppelt so grosser Vorfreude. Stiftungsratspräsident und Architekt aus Kreuzlingen, Christof Baumann, gab beim anschliessenden Apéro Entwarnung. So sei alles mit den Beteiligten geklärt und es sollte keine Zwischenfälle während den Arbeiten mehr geben.
Wie im 18. Jahrhundert
Die Initianten haben sich für die zweite Etappe der Umgestaltung vieles vorgenommen. Die von einer Allee begleitete Serpentine, ein schlangenförmiger Weg von der Kantonsstrasse zum Arenenberg, wird in den nächsten Monaten chaussiert. Um die Sicht auf den See zu garantieren, sind Zierobstsorten als Bepflanzung vorgesehen. Die historische Brücke, welche über den Dürrmühlibach führte, wird wiederhergestellt und das Gewässer gleichzeitig renaturiert. Mit dieser Umgestaltung soll der Arenenberg-Park dem ursprünglichen Areal möglichst nahekommen. Dafür liess Architektin Hannah Bächi den Pavillon für die Restauration versetzen. Dieser wurde 1957 bereits rekonstruiert und nun, 65 Jahre später, wieder aufgefrischt. Der Weg von der Serpentine zum Pavillon wird ebenfalls rekonstruiert und führt künftig entlang einer Säulenpappel-Allee.
Hoffnung auf Zeitzeugen
Eine Sache bleibt spannend: So werden bald archäologische Untersuchungen auf dem Parkgelände stattfinden, in der Hoffnung, das damalige Fundament des Gebäudes zu entdecken. In einem Jahr ist es dann so weit – Heier Lang und seine kaiserlichen Kolleginnen und Kollegen laden zum Flanieren durch Louis Napoleon Bonapartes Garten ein. Und wer selbst ein Teil dieses historischen, floralen Paradieses werden möchte, kann sein eigenes Fleckchen Geschichte in Form eines Quadratmeter Landes erwerben. Den geselligen Louis Napoleon und seine Frau Eugenie, die das ganze Anwesen 1906 dem Kanton Thurgau schenkte, hätten bestimmt Freude dran gehabt, ihren Garten Eden zu teilen. Heier Lang und Christof Baumann freuen sich auf den Baubeginn.
Desirée Müller