Andrea Loser aus Tägerwilen wurde in den Kirchengemeinderat gewählt. Bild: Desirée Müller
07.12.2022 15:13
Instagram statt Kirchenbank
An der Kirchgemeinderatsversammlung der Katholischen Kirche fanden sich gerade mal 0,65 Prozent der eingeladenen Stimmberechtigten ein
Das Budget ist stabil sagte Simon Tobler, das Image der Katholischen Kirche hingegen weniger entgegnet Redner an der Kirchgemeindeversammlung im Stefanshaus Sergej Pulnikov. Ein angeregter Abend, der Diskussionsstoff in den Reihen der 45 Anwesenden sorgte.
Kreuzlingen Soweit so gut, klang es aus den Reihen der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen. Trotz einem veranschlagten Minus von 13'775 Franken sprach Simon Tobler, Leiter Verwaltung der Katholischen Kirchgemeinde, von einem ausgeglichenen Budget 2023. Hinsichtlich der neu geschaffenen Stellen, unvorhergesehenen Mehrinvestitionen bei der Renovation der Basilika und den steigenden Energiekosten ist Toblers Einschätzung nachvollziehbar.
Klima und Umwelt grosses Thema
Was bei den 45 Stimmberechtigten für Diskussionsstoff sorgte, war die geplante Steuerfusssenkung von 16 auf 15 Prozent. Für den Einzelnen mache die Senkung verhältnismässig wenig aus. Die Kirche soll das Geld lieber als Reserve in diesen unsicheren Zeiten behalten, so der Ton einiger Anwesenden. Immerhin verzichtet die Kirchgemeinde so auf eine Viertelmillion Franken. Doch Tobler versicherte: «Die höheren Energiekosten sind bereits anderweitig im Budget kalkuliert.» So wurde der Antrag auf die Senkung mit Ausnahme einiger Gegenstimmen und Enthaltungen angenommen. Das Thema Klima- und Umweltschutz war stark gewichtet in der Versammlung. So zählte Simon Tobler die bisherigen und geplanten Massnahmen auf. Viele davon seien nicht erst seit der Energiekrise aktiviert worden. «Seit Jahren setzen wir auf Energiesparmassnahmen», verdeutlichte er. Er sprach von der Solaranlage und der Dachsanierung des Stefanshauses und dieser auf der Ostseite des Ulrichhauses. Dazu sei ein gemeinsames Heizsystem von Stefanshaus und Kirche angedacht. Die aktuelle Ölheizung hat bereits 33 Jahre auf dem Buckel und werde trotz Wartung irgendwann den Geist aufgeben. Auch steht der Wechsel aus LED-Oblichter in der Basilika Ulrich und der Stefanskirche an. Dazu sei der Ausbau der Biodiversität auf den Friedhöfen im Gespräch.
Image der Kirche nicht gut
Und dann steht Sergey Pulnikov auf und spricht ein aktuelles Thema an: «Das Image der katholischen Kirche ist nicht gut. Vor allem Kinder und Jugendliche verlieren den Bezug zur Kirche. Und ich bin mitunter dafür verantwortlich», so der Informatiker einleitend. Er setze sich als IT-Spezialist automatisch dafür ein, dass Kinder immer mehr Zeit am Handy oder dem PC verbringen. «Ich möchte aber, dass sie sich künftig mehr mit der Realität auseinandersetzen.» Dazu will er als erster Schritt evaluieren, wie die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger über die Kirche denken. So gestaltet er gemeinsam mit Pfarrer Edwin Stier eine elektronische Umfrage, welche Aufschluss darüber soll, wie es um die Zukunft der Kirche steht. «Wenn Sie sich im Raum umschauen, sehen wir kaum einen jüngeren Menschen», so der Redner direkt. Ihn nehme es wunder, wie man die Kirche interessanter für eben diese jungen Menschen machen könnte. «Die Enkel sollen wieder gerne und freiwillig mit den Grosseltern am Sonntag den Gottesdienst besuchen und auch mit Überzeugung die Kirchensteuer bezahlen. Sonst ist das Budget in den nächsten zehn Jahren gefährdet», so Pulnikov ohne Umschweife. Der Fakt, dass die Kirchgemeinde 6924 Einladungen verschicke und dieser nur 45 folgten, zeige das bescheidene Interesse der Kreuzlinger Bevölkerung. Das Thema sorgte für nachdenkliches Schweigen im Raum.
Neue Mitglieder begrüsst
Antonia Loser brach dieses mit ihrer Vorstellung. Die zweifache Mutter aus Tägerwilen wollte dem Kirchengemeinderat beitreten und stellte sich zur Wahl. Sie wolle der Gemeinschaft etwas zurückgeben mit ihrem künftigen Engagement und die «Stimme aus Tägerwilen» werden. Mit Applaus wurde sie im Rat willkommen geheissen.» Weitere neue «Familienmitglieder» wurden begrüsst. Mit David Perez als Sozial- und Pfarreimitarbeiter bringen sie neuen Wind in die Institution.
Mit dem «Fiirobig-Bier» jeweils montags begeistert der Mitarbeiter bereits viele Gemeindemitglieder. Aktuell wird eine Jugendarbeiterin oder ein Jugendarbeiter gesucht. Das Stelleninserat sei zu «schwammig» meinte ein Anwesender. Sich mit dem katholischen Glauben zu identifizieren reiche seiner Meinung nach nicht aus für das Engagement für die Kreuzlinger Kirchgemeinde. Simon Tobler versicherte ihm, dass bei den Vorstellungsgesprächen intensiv auf das Thema Glaube eingegangen werde. Generell möchte die Kirche einen Impuls in der Sozial- und Jugendarbeit legen und sich noch stärker um die Anliegen der Gemeinde kümmern. Ein Ansatz, der gut bei den Anwesenden ankam.
Desirée Müller