In Kreuzlingen wird seit 14 Jahren islamischer Religionsunterricht angeboten.
Bild: zVg
07.03.2024 16:22
Islamunterricht in der Schule
Ab Sommer wird an Thurgauer Schulen islamischer Religionsunterricht angeboten
Die Bekanntgabe, dass ab Sommer kantonsweit an den Primarschulen ein Islamischer Religionsunterricht für muslimische Kinder angeboten wird, erweckte Aufmerksamkeit. Leiter des Amts für Volksschule, Beat Brüllmann ist nicht erfreut über die Berichterstattung im SRF Schweizer Fernsehen und dem Blick. Es kamen Missverständnisse auf.
Region «In den Beiträgen über den Islamunterricht an den Schulen wurde nicht unterschieden zwischen dem Kanton Thurgau als Gebiet und dem Kanton Thurgau als Institution.»
Der Religionsunterricht sei nämlich keine staatliche Aufgabe und liege in der Hand der Religionsgemeinschaften. «Dabei spielen die beiden Landeskirchen eine spezielle Rolle», so Brüllmann. Die Leser- und Zuschauerschaft könnte so annehmen, dass der Islamische Religionsunterricht aus einer Initiative des Kantons Thurgau entstanden ist. Dem sei aber gewiss nicht so: «Die Schulträger stellen unentgeltlich die Räumlichkeiten zur Verfügung. Dazu können maximal zwei Lektionen pro Woche am Vormittag vor oder innerhalb der Blockzeit oder am Nachmittag in die ordentliche Unterrichtszeit integriert werden», so der Amtsleiter. Finde der Religionsunterricht während der Blockzeit statt, müsse die Betreuung von Kindern, die diesen nicht besuchen, durch die Schule sichergestellt werden. Auch fallen für den Kanton keine Kosten an. «Die Kosten gehen zu Lasten der Landeskirchen», klärt Brüllmann auf. Wichtig sei auch zu erwähnen, dass der Kanton keine Rolle im Zusammenhang mit dem Lehrplan des Religionsunterrichtes wahrnimmt. «Federführend ist der interreligiöse Arbeitskreis, in welchem die Landeskirchen vertreten sind.
Lehrplan erarbeiten
Martin Loretan ist Präsident des Interreligiöser Arbeitskreis im Kanton Thurgau. «Parallel zum christlichen Religionsunterricht an der öffentlichen Schule entwickelten sich verschiedene Projekte konfessionellen Religionsunterrichts für muslimische Kinder an der öffentlichen Schule», so Loretan. Seit Mai letzten Jahres arbeitet eine Fachgruppe im Auftrag des Interreligiösen Arbeitskreises an einem eigenen Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht im Kanton Thurau. Diese setzt sich aus Daniel Ritter, Leiter der kath. Fachstelle für Religionspädagogik Thurgau, Nadire Mustafi, Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen sowie Juniorforscherin am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Fribourg, Rehan Neziri, Imam und Lehrperson IRU Kreuzlingen, Mark Keller, emeritierter Professor an der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Loretan zusammen.
In Kreuzlingen findet der Unterricht für muslimische Schülerinnen und Schüler seit 2010, in Sulgen seit 2019 und in Romanshorn seit 2022 statt. Projekte an anderen Orten sind geplant in Bürglen, Weinfelden, Frauenfeld, Amriswil, Arbon. «All diese Projekte finden in Schulgemeinden mit einem ansehnlichen Anteil muslimischer Kinder (10-30%) statt. Wie ihre christlichen Mitschülerinnen und Mitschüler haben die muslimischen Kinder einen Anspruch auf religiöse Bildung», so der Präsident. «Die Kinder lernen dabei einen Islam kennen, wie er in der Schweiz gelebt wird. Sie verstehen, dass die Ansprüche des Korans und jene der Schweizer Verfassung sich nicht widersprechen müssen.» Der Unterricht wird von Lehrpersonen, welche theologische und didaktische Kompetenzen vorweisen können. Die Unterrichtssprache sei zudem Deutsch.
Schule Kreuzlingen befürwortet Unterricht
Für Seraina Perini, Schulpräsidentin der Schulen Kreuzlingen, hat sich der Religionsunterricht für muslimische Kinder, welcher seit bald 14 Jahren angeboten wird bewährt . «Es findet ein regelmässiger Austausch mit dem Imam Rehab Neziri statt. Wir verstehen ihn auch als Kulturvermittler, was im Alltag und in Konfliktsituationen hilfreich ist», so Perini. Die Erarbeitung eines allgemeinen Lehrplanes findet sie sinnvoll: «Wenn der Unterricht nach einem Lehrplan erfolgt, können radikale Ansichten ausgeschlossen werden», so die Einschätzung der Schulpräsidentin
Feedbacks aus der Bevölkerung
Was denkt die Thurgauer Bevölkerung über die geplante Einführung des islamischen Religionsunterrichtes? Wir haben eine Facebookumfrage gestartet und erkennen deutlich zwei «Lager». «Es ist gut, wenn die Kinder von ausgebildeten Religionslehrern in den Schulen unterrichtet werden. In den privaten Koranschulen ist der Unterricht leider häufig von Fundamentalismus geprägt“, so ein Facebook-User. „Wir sind nicht direkt betroffen, also sollten wir uns nicht einmischen“, so ein Kommentar. Ein Grossteil hingegen findet das Angebot nicht nötig, Geldverschwendung und „unfair gegenüber anderen Religionen.“ Bei vielen Aussagen merkt man, dass die Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung noch nicht „gefruchtet“ hat. Dass grundsätzlich alle Religionen – nach Ausarbeitung eines Lehrplans - die Freiheit haben, ihren Glaubenssatz in Schulen zu unterrichten, ist nicht bekannt. muss die Kommunikation noch einiges richtigstellen.
von Desirée Müller