Esenmble-Mitlieder aus der Region: Livia Wüest (Landschlacht) und Jonas Fässler (Tägerwiler). Kurt Peter
05.07.2023 00:00
Katastrophe in Nebensätzen
Ferenc Molnàrs Erfolgsstück «Liliom» auf der Seebühne - Première ist am 13. Juli
Nur noch eine Woche bis zur Première: Das See-Burgtheater bringt mit Molnàrs «Liliom - Eine Vorstadtlegende» ein Stück auf die Bühne, das vor über 100 Jahren geschrieben noch immer sehr aktuell ist. Gewalt, Liebe, Gut und Böse aber auch Sehnsucht sind die Zutaten.
Kreuzlingen Unter der Regie von Astrid Keller gibt es dieses Jahr ein starkes Stück Theater auf der Seebühne zu sehen. «Liliom - Eine Vorstadtlegende» ist eine mit berührenden, von humorvollen und tragischen Elementen durchzogene Produktion des See-Burgtheaters. «Ich liebe starke Stücke, die auch ein bisschen weh tun», sagt Regisseurin Astrid Keller. Bei «Liliom» werde das Publikum mit vielen Fragen nach Hause gehen, «das ist gut, denn Fragen öffnen Türen, Antworten machen sie zu», begründet Astrid Keller unter anderem die Auswahl des Stückes.
Mitten ins Herz
Ausserdem setzt die Regisseurin auf die Zeitlosigkeit des Stückes. Das mit Abstand erfolgreichste Werk des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnàr treffe auch heute noch mitten ins Herz. Auf der von Bühnenbildner Damian Hitz entworfenen Drehscheibe am Bodenseeufer verlieben sich Karussellausrufer Liliom und Julie ineinander und geraten in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, sowohl emotional wie auch finanziell. Hier lieben sich zwei Menschen trotz aller Widrigkeiten. Doch ihre Schwierigkeiten wiegen irgendwann bleischwer. Sie machen Liliom respektlos, wütend, hilflos und Julie ratlos. André Rohde, der Liliom spielt, äussert sich respektvoll über eine Rolle, die «ich schon sehr lange spielen wollte. Ich habe keine Angst vor diesen Abgründen, aber ein unangenehmes Gefühl».
Denn Gut und Böse sind bei Molnàr keine moralischen Kategorien, sondern Naturkräfte. Wie die Liebe in ihrem Zauber auch in ihrer Gewalt. Ann Mayer spielt Julie, «eine Heldin, weil sie aus dieser abgründigen Spirale herauskommt, eine Frau, die zu Beginn und am Ende des Stückes stark ist». Für sie ist es «aufregend und faszinierend, diese Rolle zu spielen». Der Tägerwiler Jonas Fässler bezeichnet seine Rolle als zweiter Detektiv als grosse Challenge, denn «ich muss mit wenig Text dem Charakter Leben geben. Schön ist es, dass ich damit die Hauptgeschichte unterstützen kann». Für Schauspieler Tomasz Robak «lauert die Katastrophe in den Nebensätzen».
Bastion der Menschlichkeit
Produktionsleiter Leopold Huber spricht die Tradition des See-Burgtheaters an, denn «es ist unsere Stärke, dass wir immer wieder verschiedene Themen behandeln». Molnàr habe bei Liliom sein eigenes Leben beschrieben, durch den Filter des Jahrmarktes und dessen Charaktere. «Die Sprache, die er benutzt ist mitreissend und von Poesie durchzogen». Fragen zu gesellschaftlicher Ausgrenzung, sowie zu physischer und psychischer Gewalt, nehme das Publikum mit nach Hause. Liliom schlägt Julie, sie leben in einer Bruchbude und in grosser finanzieller Not. Als Julie ihm erzählt, dass sie schwanger ist, lässt Liliom sich von seinem windigen Freund Ficsur zu einem Raubmord überreden, der allerdings misslingt. Um nicht verhaftet zu werden, nimmt sich Liliom das Leben und kommt ins Jenseits. 18 Jahre später darf er für einen Tag zu seiner Tochter, gespielt von der Landschlachterin Livia Wüest, auf die Erde.
Das Ensemble und der Stab versprechen dem Publikum einen Theaterabend, «an den sie sich wohl noch lange erinnern.» Für Leopold Huber ist das richtig, denn das Theater sei die letzte Bastion der Menschlichkeit und Liliom zeige alles auf, was menschlich sei.
Von Kurt Peter
20 Vorstellungen auf der Seebühne
Das See-Burgtheater spielt «Liliom» 20 mal auf der Bühne beim Seemuseum. Première ist am 13. Juli. Gespielt wird jeweils von Dienstag bis Freitag, Vorstellungsbeginn 20.30 Uhr, die Kasse öffnet um 18 Uhr. Die Zuschauertribüne ist überdacht. Tickets gibt es online unter www.see-burgtheater.ch/tickets oder telefonisch 071 670 14 00, Montag bis Samstag von 10 bis 14 Uhr.
Ticketverlosung
Für «Liliom» verlosen wir zwei mal zwei Tickets. Senden Sie bis morgen, Freitag, 7. Juli.12 Uhr, eine Mail an redaktion@kreuzlinger-nachrichten.ch. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.