26.01.2023 09:17
«Keine schöne Unterkunft»
Flüchtlingsunterkunft auf Klein Venedig
Etwas absurd ist es schon. Die Wände der Oktoberfesthalle am Klein Venedig sind noch mit urchigen Holzlatten verkleidet, Blachen mit stimmungsvollen Bildern zieren den Raum. Ein Besuch der Flüchtlingsunterkunft auf Klein Venedig.
Kreuzlingen «Es ist keine schöne Unterkunft», sagt Monika Brumm. Sie ist die Leiterin des Amts für Migration und Integration im Landratsamt Konstanz und lud die Presse zur Besichtigung der Flüchtlingsunterkunft direkt an der Grenze ein. Mehr als 400 Menschen aus verschiedenen Nationen werden in den nächsten Tagen hier einziehen. Die Reaktionen werden verschieden sein, vermutet Brumm. Zum einen ist da die Dankbarkeit, zum anderen der grausige Gedanke daran, die nächsten Monate in einer der Boxen zu leben und diese mit elf anderen Menschen zu teilen. Privatsphäre gleich Null, vielmehr ist auch nicht zu erwarten.
Schulen wollen Hallen zurück
Bisher wurden Turnhallen im Landkreis Konstanz zu temporären Unterkünften umgenutzt. Im Verhältnis sei das Wohnen in den kleinen Hallen familiärer, ruhiger und etwas heimeliger als in der Leichtbauhalle. Daher erwartet Monika Brumm nicht nur Jubel der Geflüchteten. Doch dann sind Ganna Hölle und Kevin Paulisch zur Stelle, die sich den Gästen annehmen, erklären, reden, vermitteln. Ganna Hölle stammt ursprünglich aus der Ukraine und hat zumindest zu den Geflüchteten aus ihrer Heimat einen einfacheren Zugang. Die Sozialarbeiterin und der Heimleiter stehen vor einer grossen Herausforderung, sehen dieser aber gelassen entgegen. Anders würde es gar nicht gehen, ein «Nervenbündel» würde hier wohl schnell den Überblick verlieren. Die Dimensionen sind gewaltig. Vierzig Kochstationen reihen sich aneinander. Spartanisch eingerichtet, doch die Geräte sind neu und erfüllen ihren Zweck. So auch die WC- und Duschanlagen. Pro 12 Personen gibt es eine Anlage. Ob Küche, WC oder Schlafraum - geputzt wird von den Flüchtlingen und Asylsuchenden selbst. Monika Brumm erzählt, dass es für einige Bewohner des Lagers die Möglichkeit gibt, etwas Geld mit der unterstützenden Reinigung zu verdienen. Mit rund 500 Euro pro Person und Monat lässt es sich verhältnismässig gut leben für die Gäste aus aller Welt. Versicherung, Krankenkasse, Unterkunft - alles ist bereits vom Betrag abgezogen und somit müssen mit dem Geld «nur» noch Lebensmittel und Produkte des täglichen Gebrauchs gekauft werden.
Konfliktpotenzial oder nicht?
Die Unterkunft ist nicht ausschliesslich für ukrainische Flüchtige gedacht. Asylbewerber und Flüchtlinge aus der ganzen Welt werden die Halle bis Mai ihr zu Hause nennen. Konfliktpotenzial, befürchtet die SVP-Fraktion in ihrer schriftlichen Anfrage Ende Jahr. Kein Problem, meint Monika Brumm. «Die Unterkunft ist den Bewohnern frei zugänglich. Sie sitzen demnach nicht den ganzen Tag zusammen sondern können einem sozialen Leben ausserhalb der Halle nachgehen.» Die Erfahrung zeigte, dass es beim Catering durchaus zu Streitigkeiten kommen kann. Flüchtlinge aus dem afrikanischen Kontinent ernähren sich gänzlich anders als Ukrainer oder Syrer. Dazu essen sie zu verschiedenen Zeiten. So machte Brumm bisher gute Erfahrungen mit den mobilen Kochstationen. «Dazu dient das Zubereiten der Speisen als Beschäftigung. » Die unmittelbare Nähe zur Schweizer Grenze sehen die Konstanzer nicht als Problem. So arbeiten sie verstärkt mit dem Grenzschutz zusammen und ein Securityteam sei vor Ort. Ukrainer dürfen wegen ihres Schutzstatus zum Beispiel anstandslos in die Schweiz einreisen, andres Asylsuchende jedoch nicht. Die genaue Kontrolle über den Aufenthaltsstandort der Bewohner wird weder der Grenzschutz noch die Heimleitung haben. Monika Brumm macht sich auch hier keine Sorgen. «Unsere Erfahrungen zeigen, dass bei der Eröffnung von Flüchtlingsunterkünften immer Ängste bestehen. Doch meist unbegründet.»
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Von Desirée Müller