KI und Massensterben
Parlamentssitzung
Claudio Votta meisterte seine erste Parlamentssitzung als Präsident souverän. Die Mitglieder grossen hatten Redebedarf. Im Fokus stand der Thurgauer Hof.
Claudio Votta meisterte seine erste Parlamentssitzung als Präsident souverän. Die Mitglieder grossen hatten Redebedarf. Im Fokus stand der Thurgauer Hof.
Weinfelden Aus einem kleinen Bergdorf südlich von Napoli kamen Claudio Vottas Eltern vor 60 Jahren in die Schweiz. Sie nahm sich der Fliessbandarbeit an, sein Vater arbeitete hart als Maurer auf dem Bau. «Ich bin ein klassischer Secondo», sagt Claudio Votta und erzählt weiter von seiner Kindheit und seiner Frau, deren «spanisches Feuer» er so liebt. Von seinen Kindern und davon, dass Marianne Scherrer die Messlatte im letzten Jahr ordentlich hoch gelegt hatte. Diese übergab ihr Amt als Parlamentspräsidentin am letzten Donnerstagabend an ihren Vize Votta. Für ein Jahr gebührt dem Architekten nun der Titel des höchsten Weinfelders. Scherrer legte ein Präsidentenamt ab und übernahm ein anderes. So wurde sie zur Präsidentin des Einbürgerungsamtes gewählt.
Zu den Traktanden zählten weitere Ersatzwahlen verschiedenster Kommissionsmitglieder. Die «spannendste Wahl» war gewiss diese von René Ramseier zum Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Er trat gegen Matthias Riggenbach, SVP, an und holte sich den Wahlsieg. Gerüchte anderer Medien, dass ihm die fristlose Kündigung Stimmen kosten würden, bewahrheitete sich nicht. Mit 18 zu 11 Stimmen entschieden sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier für Ramseier.
Die Rechnung und der Geschäftsbericht 2023 wurde genehmigt und auch der Projektierungskredit zur Revitalisierung des Giessens im östlichen Teil Weinfelden an eine vorberatende 7-köpfige Spezialkommission überwiesen. So soll das Projekt den Lebensraum in der Stadtmitten aufwerten und für die Bevölkerung als Naherholungsgebiet zugänglich gemacht werden. Ein weiteres Thema war die Finanzierung der bisher angelaufenen Kosten zur Aufwertung des Bahnhofes. Die rund 426'000 Franken wurden voll umfänglich der Erfolgsrechnung zugeführt.
Stefan Wolfer, hatte als letzte Amtshandlung als Präsident der GPK einige Anmerkungen zu machen. Zum einen empfiehlt die Geschäftsprüfungskommission, die reduzierten Betriebszeigen der öffentlichen Beleuchtung rückgängig zu machen. Stimmen aus der Bevölkerung sprachen von einem «fehlenden Sicherheitsgefühl» auf den Strassen.
Für Diskussionsstoff sorgte der Thurgauer Hof, welcher sich je länger je mehr als Klotz am Bein der Stadt auszeichnet. Oder «Fluch und Segen», wie Stadtpräsident Simon Wolfer es nannte. Stefan Wolfer merkte an, dass die Nettoaufwände mit 651'000 Franken deutlich über dem Budget liegen und somit erheblich höher als im Vorjahr. «Somit wurde Weinfelden in den letzten zwei Jahren mit 1.2 Millionen Franken belastet. Dies kam durch die im Juli 2022 umgesetzte Neustrukturierung zu Stande. Seither ist die Stadt für den Betrieb und somit auch für das Führen des Personals zuständig. Sie investierte in die in die Jahre gekommene Infrastruktur - Alles hohe, aber kalkulierbare Kosten. Die GPK habe ein gewisses Verständnis für vorübergehend höheren Kosten, doch legt sie dem Stadtrat nahe, nach dem Auslaufen des Vertrags mit Messen Weinfelden, welche für die Vermarktung der Räumlichkeiten verantwortlich ist, die Zusammenarbeit zu überdenken. Von einer «sorgfältigen Auslegeordnung», spricht Stefan Wolfer. Elsi Bärlocher meldete sich zu Wort, erzählte von der Eröffnung des Thurgauer Hofs im Jahr 1972, einem damals mutigen Projekt. Die Parlamentarierin verdeutlichte, was für eine Strahlkraft der Thurgauer Hof als Veranstaltungsort habe, weit über die Kantonsgrenze heraus. Simon Wolfer bestätigte Bärlocher in der Wichtigkeit des Thurgauer Hofs. Die Stadt werde die Situation beobachten und gegebenenfalls handeln. Messen Weinfelden Geschäftsleiter Gregor Wegmüller auf Anfrage:" Die Anzahl Veranstaltungen (oder Veranstaltungstage) ist in etwa gleich wie vor Corona", so Wegmüller "In den beiden Hauptsaisons im Frühling und Herbst sind die Räume im Thurgauerhof sehr stark (teilweise täglich) mit Veranstaltungen belegt. Der Aufwand für die Koordination der Räumlichkeiten im Kongresszentrum Thurgauerhof übersteigt auch unsere damaligen Schätzungen." Der Arbeitsaufwand werde aber im Gegensatz zu früher, als die Grenzen zwischen Hotel- und Saalbetrieb fliessend waren, klar ausgewiesen und dokumentiert. "In diesem Sinne verfügt man nun erstmals auch über genaue Informationen zum effektiven Koordinationsaufwand", zeigt er die Vorteile auf.
In den ersten beiden Jahren mussten laut Gregor Wegmüller zahlreiche Initialisierungen aufgegleist werden. "Gleichzeitig wurden sehr effiziente Lösungen implementiert, so dass der normale Koordinationsaufwand zukünftig geringer ausfallen sollte. Die diversen kleineren und grösseren Ertüchtigungsarbeiten ziehen derzeit aber auch einen zusätzlichen Koordinationsaufwand nach sich. Nach den Ertüchtigungsarbeiten, die momentan im Gange oder geplant sind, könnten die Vermarktungsanstrengungen gesteigert werden.
Rafael Tanner rügte den Stadtrat in ihrem Energiehaushalt. Diese Kosten sollten im Rahmen der Möglichkeiten gesenkt werden. Er bezieht sich dabei auf das: «mit e gekennzeichneten Konto», so Engeli. «E wie Energie oder E wie egal wie viel?», stellte er in den Raum und erntete trotz ernstem Hintergrund einige Lacher. Simon Engeli bat darum, das Thema Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu überdenken. Ob er seine Gesprächsnotizen – wie üblich - schriftlich abgeben könne, wurde er gefragt. Ganz seinem Motto treu zeigte er seine leeren Hände und verwies erneut an die Digitalisierung. Marcel Preiss ist deprimiert: Sein Anliegen findet einfach kein Gehör beim Stadtrat. So verhindert ein 30 Zentimeter breiten Granitstreifen Kleintieren wie Igel oder Frösche das sichere Überqueren der unteren Brühlstrasse. Er spricht von einem «Massensterben», das keine Aufmerksamkeit bekommt. Stadtrat Daniel Engeli ergriff das Wort und sprach davon, dass eine immer noch an einer Lösung gearbeitet wird und das Thema im Werkhof platziert sei. So werde die «Lösungsfindung weitergeführt mit dem Ziel, die richtige, zeitnahe Massnahme zu finden.» Somit bekam Preiss erneut eine Antwort, welche nicht auf ein schnelles Handeln hindeutet.
Von Desirée Müller
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