15.03.2024 00:00
Kids für das Feuerwehrhandwerk begeistern
Gemeinsam haben die Verantwortlichen der Feuerwehren Amlikon-Bissegg, Berg, Lauchetal und Märstetten-Wigoltingen die «Jugendfüürwehr Füürleuä» aus der Taufe gehoben. Am zweiten März-Samstag sammelten 43 Jugendliche ab dem 10. Altersjahr im und rund um das Feuerwehrdepot Affeltrangen ihre ersten praktischen und handwerklichen Erfahrungen im Feuerwehrbereich
Affeltrangen Gespannt und erwartungsvoll sitzen die Mädchen und Knaben in den frühen Morgenstunden dieses Samstagmorgens an den langen Tischreihen im Feuerwehrdepot von Affeltrangen. Die 13-jährige Patrizia hat sich fest vorgenommen, auch nach der Zeit in der Jugendfeuerwehr bei der Feuerwehr zu bleiben. «Mein Papi ist in der Feuerwehr und hat mich motiviert, hier mitzumachen», sagt die 10-jährige Alessia. Der Opi des 11-jährigen Dejan war als Feuerwehrangehöriger schon bei Ernstfällen dabei und der Vater des 11-jährigen Gianrinos hat hautnah miterlebt, wie sein Papi anlässlich eines Brandes in der Nachbarschaft ausrücken musste und er findet die Feuerwehr cool.
Die ersten Grundlagen
Pünktlich um acht Uhr fordert Martin Stocker, Vizepräsident des Trägervereins, die Jugendlichen auf, sich ins Freie zu begeben. Gleichzeitig mit dem Appell erfolgt das Einteilen in verschiedene Gruppen. «Ihr seid den ganzen Morgen in diesen Gruppen unterwegs», erklärt er und dann beginnt die praktische Tätigkeit. Im Theorieraum erhalten die Jugendlichen, entsprechend ihrer Grösse, Stiefel und Bekleidung. Auf dem Platz vor dem Depot lernen die Jugendlichen das Legen der Zuleitung vom Hydranten zum Tanklöschfahrzeug, von dort zum Teilstück und über die Druckleitung zum Strahlrohr. Auf dem Programm stehen an diesem Morgen auch das Knüpfen von Knoten und die Handhabung einer einfachen Leiter. Viel Spass und Teamgeist erfordert das Zusammenfügen von Harassen zu einem Turm.
Die sechste Jugendfeuerwehr
Mit grossem Interesse verfolgt Manfred Dörsing, Jugendfeuerwehrverantwortlicher beim Thurgauer Feuerwehrverband das Geschehen am Samstag. «Ich bin seit der Gründung der ersten thurgauischen Jugendfeuerwehr am 1. Januar 2009 in Kreuzlingen dabei», erinnert er sich. Ende vergangenen Jahres zählte man im Kanton 137 Mädchen und Knaben, welche der Jugendfeuerwehr angehören. «Die «Jugendfüürwehr Füürleuä» ist die sechste Jugendfeuerwehr im Thurgau und dabei wollen wir es vorläufig belassen», erklärt Dörsing. Für ihn ist die Jugendfeuerwehr eine weitere Möglichkeit der Freizeitgestaltung, verbunden mit einer wichtigen Nachwuchsförderung, Spiel und Spass. Rafael Caula, Präsident des Trägervereins doppelt nach: «Wir möchten die jungen Menschen schon früh für den Feuerwehrdienst motivieren und unser Ziel ist es, Jugendlichen ab dem 10. Altersjahr und bis zum 18. Altersjahr eine Grundausbildung im Feuerwehrbereich anzubieten».
Die Jugendlichen lernen praktische und handwerkliche Fähigkeiten, aber auch die Verantwortung zu übernehmen gegenüber ihren Kameradinnen und Kameraden, der Umwelt und dem Material. «Teamgeist und Gemeinschaft sind ebenso wichtig wie die Freude an der körperlichen Betätigung», davon zeigt sich Caula überzeugt. Die Jugendfeuerwehr betrachten er und seine Kameraden als Bestandteil der beteiligten Feuerwehren. Es ist geplant, dass diese als Mitglied der Jugendfeuerwehr an allen Übungen teilnehmen, aber auch an Wettbewerben, an welchen sich Jugendfeuerwehren aus der Region oder aus der ganzen Schweiz beteiligen. «Diese Anlässe bieten die Gelegenheit, das Erlernte in die Praxis umzusetzen und die Kameradschaft unter Gleichaltrigen zu pflegen», davon ist die Kommission überzeugt. Nicht zum Einsatz kommen Angehörige der Jugendfeuerwehr bei Ernstfällen.
Wenn die oberste Altersgrenze von 18 Jahren erreicht ist, soll allerdings für die Jugendlichen nicht Schluss sein. Dann steht ihnen der Übertritt in die «richtige» Feuerwehr offen. Dies soll allfällige Nachwuchsprobleme lösen und die gut ausgebildeten Jugendlichen garantieren bestimmt das Erhalten des Sollbestandes.
Werner Lenzin