Kleine Schätze und grosse Geschichten in der Brocki
Das Blaue Kreuz Schaffhausen-Thurgau führt die Brocki Pfyn - Ein Augenschein
Diesen Samstag feiert die Brocki Pfyn ihr 25-Jahr-Jubiläum. Ein Blick hinter die Kulissen des emsigen Betriebs.
Die Brocki Pfyn feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum.
Diesen Samstag feiert die Brocki Pfyn ihr 25-Jahr-Jubiläum. Ein Blick hinter die Kulissen des emsigen Betriebs.
Pfyn Wie in einer noblen Boutique sind die Kleidungsstücke liebevoll nach Schnitt, Farbe und Grösse sortiert. Eine grosse Auswahl an Badehosen und Bikinis fallen einem gleich ins Auge. «Die Saisonalität ist uns wichtig», sagt Adrian Kuhn. Er zeigt auf einen Tisch auf dem aktuell Dekoartikel angepriesen werden. Hier herrschte bis vor kurzem das Thema 1. August, erzählt er. Je nach Jahreszeit wird die über 1000 Quadratmeter grosse Ausstellungsfläche neu angeordnet. Ich liebe es, durch Brockis zu flanieren und Ausschau nach alten Bilderrahmen oder kleine Schätze mit einer Geschichte zu halten. So etwas wie die Brocki in Pfyn habe aber auch nicht noch nicht gesehen. Es erinnert nichts an das etwas verstaubte Image von Brockenhäusern. Es gibt eine Möbel-, eine Gartenabteilung, eine mit Spielsachen und Kinderkleidern, Elektrogeräten, Büchern oder Küchengeräten. Alles fein säuberlich sortiert. Jeden Morgen ist aufräumen angesagt in der Brocki, geführt vom Blauen Kreuz Schaffhausen-Thurgau. Geöffnet wird erst nachmittags, denn die Angestellten benötigen die Zeit vormittags, um die riesige Fläche in Schuss zu halten. Doch der Verkauf und die Auslage der Waren ist längst nicht alles, war das Team macht. Hausräumungen, die Begutachtung und Annahme von Spenden, das Testen von elektronischen Waren, Velos oder sonstige Fortbewegungsmittel sowie das Bewirtschaften des Lagers. Thomas ist seit 20 Jahren mit an Bord, also schon fast seit der Eröffnung der Brocki in Pfyn. Die Einnahmen werden für die Beratung und Begleitung von Erwachsenen mit einem Alkoholproblem eingesetzt. Alleine durch die Brocki kann sich die Institution nicht finanzieren, doch mit bis zu 200 zahlenden Besuchern pro Tag kommt einiges an Mitteln zusammen. Thomas Rickli, Betriebsleiter des Brocki Pfyn, freut es besonders, dass in den letzten Jahren ein Wandel spürbar ist. «Der Besuch von Brockis ist auch bei Jungen im Trend.» Er berichtet vom «Upcycling» Hype, bei dem ältere, gebrauchte Gegenstände wie Möbel oder Kleider individuell aufgewertet werden. «Auch der Wunsch nach Nachhaltigkeit ist deutlich zu spüren», ergänzt Helmut Wiegisser, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes Schaffhausen-Thurgau. Etwas aus der Brocki zu erwerben ist längst nicht mehr nur Menschen mit knappem Budget vorbehalten. Vom Bankdirektor, zur Lehrerin bis zum Piloten: «Auch anhand der parkierten Autos könne man erkennen, dass sich jegliche Gesellschaftsschichten nach Pfyn in die Brocki begeben. Der Mix gefällt dem Brocki-Team. «Wir haben Kunden, die kommen fast täglich vorbei und schauen, was es Neues hat, andere kommen von weiter her für einen einmaligen Besuch», so Thomas. Ein Gast sei zum Beispiel sehr angetan von Körben und kaufe meistens gleich alle auf. «Wir haben ihn gefragt, was er denn immer mit all den geflochtenen Körben macht», erzählt Thomas. So handele es sich um einen Leiter einer Vogelaufzuchtstation. Die Vögel nutzen die Körbchen als Nester. Solche Geschichten geben es viele zu erzählen. Viele nähmen sich Zeit, und verweilen mehrere Stunden in der Brocki. In der Tat weiss man gar nicht recht wohin man schauen soll bei dem riesigen Angebot. Ladenhüter gibt es keine zu finden. Wenn Gegenstände wie zum Beispiel Kleider mehrere Monate nicht verkauft werden, werden sie weitergespendet an andere Organisationen.
Grosse Waren wie Möbel nach einer gewissen Zeit sachgerecht entsorgt. In ihrem Job brauche es auch Feingefühl. Was für die Besitzer von grossem emotionalem Wert ist, findet manchmal keine Abnehmer. So wie zur Zeit Antiquitäten. «So müssen wir auch manchmal Waren ablehnen, da wir mittlerweile einschätzen können, was gefragt ist und was wir ziemlich sicher nicht verkaufen werden», erklärt Adrian. Wenn man sich als Spender nicht sicher sei, könne man vorab ein Foti per Whatsapp an das Team senden, welches eine erste Einschätzung vornimmt. Das Allgemeinwissen der Crew ist erstaunlich. Sie kennen sich in so vielen Fachbereichen aus, können Schmuck, Elektronik, Kunst oder Kleider nach ihrem Wert einstufen und haben ein Auge dafür entwickelt, was «funktioniert» im Verkauf. Auch schon fand das Team Bargeld in Schubladen oder stiessen bei Hausräumungen auf wertvolle Stücke. «In solchen Fällen machen wir die Spender darauf aufmerksam. Immer dann, wenn wir sicher sind, dass die Abgabe so nicht im Interesse des Spenders ist.»
Seit 25 Jahren ist die Brocki Pfyn nun also aktiv und entwickelt sich immer weiter. Dies will gefeiert werden und zwar diesen Samstag, 19. August an der Fabrikstrasse 23.
Von Desirée Müller
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