23.05.2022 10:35
Kreuzlinger schlagen zurück
Ausgleich in der Serie nach Auswärtssieg
Nach zwei hart umkämpften Partien steht es in der NLB-Playoff-Finalserie (best of 5) um den NLA-Aufstieg zwischen dem HSC Kreuzlingen und der SG Wädenswil/Horgen 1:1 nach Siegen. Zweimal setzte sich das Auswärtsteam durch.
Handball Am Freitagabend gewannen die Zürcher vor 850 Zuschauern in der Sporthalle Egelsee dank eines Treffers elf Sekunden vor Schluss mit 29:28. Aber die Kreuzlinger schlugen zwei Tage später umgehend zurück. Sie gewannen am Sonntag in Horgen ihrerseits mit 28:25. Das dritte Finalduell findet am Auffahrts-Donnerstag, 18 Uhr, in der Kreuzlinger Egelseehalle statt.
Nach der 28:29-Heimniederlage in einem gerade in der Schlussviertelstunde dramatischen ersten Playoff-Finalspiel am Freitagabend vor 850 Zuschauern mussten die favorisierten Kreuzlinger über die Bücher. Cheftrainer Werner Bösch blieben allerdings nur knapp 45 Stunden, um seine Mannschaft neu zu fokussieren. Keine einfache Aufgabe, wenn man die masslos enttäuschten Kreuzlinger Gesichter unmittelbar nach dem Startmatch sah. Was von der Startpartie aber auch blieb war die Erkenntnis, dass man zwar mehr Potenzial besitzt, die SG Wädenswil/Horgen dieses Manko aber mit beeindruckendem Kampfgeist und der Finalerfahrung aus dem letzten Jahr wettzumachen im Stande ist, wenn man sie denn dazu einlädt, was der HSCK im Startspiel definitiv tat.
Wieder auf Augenhöhe
Den Schwung des überraschenden Startsiegs nahmen die Zürcher Linksufrigen in die mit 500 Zuschauern vollbesetzte Horgemer Waldegghalle mit. Entgegen kam ihnen dabei auch, dass beim HSCK dessen Spielmacher Valon Dedaj, am Freitag mit acht Toren der erfolgreichste Schütze, wegen einer Verletzung geschont werden musste. Die SG Wädenswil/Horgen gab zu Beginn in einer von den beiden Defensiven geprägten Begegnung mit ihrem Tempohandball den Takt an. Nach einer Viertelstunde führten die Zürcher mit 9:6, auch weil der HSCK im Abschluss mehrfach am starken Zürcher Torhüter Ives Imhof scheiterte. In dieser Phase wechselte Trainer Bösch bereits seine Goalieposition: Für den jungen Haris Berisha kam Routinier Nikola Marinovic. Der österreichische Ex-Internationale fand wie eigentlich immer sofort ins Spiel und zeichnete mitverantwortlich dafür, dass die Kreuzlinger die Partie mit vier Treffern in Serie zum 10:12 kehrten. Die Gastgeber versuchten sich meist mit langatmigen Angriffen, um die körperlich überlegene Thurgauer 6:0-Verteidigung müdezulaufen. Doch Abwehrchef Bujar Ramosaj und Kollegen standen ausgezeichnet und liessen wenig zu. In einer intensiven ersten Halbzeit hätte der HSC Kreuzlingen zwingend mit einer Führung in die Pause gehen müssen. Doch im letzten Angriff unterlief ihm ein technischer Fehler zur Unzeit und statt 12:14 hiess es dank eines Zürcher Treffers in der allerletzten Sekunde dann eben 13:13.
Wegweisende Unterzahl
Weil die Kreuzlinger Rückraumspielern auch in der zweiten Finalpartie weniger als gewohnt zur Geltung kamen – die Ausnahme bildete Paul Kaletsch, der sich gegenüber dem Startmatch deutlich steigerte und im Angriff der Chef war – marschierten die beiden Teams im Gleichschritt zum 18:18 (37. Minute). Dann kassierten die Thurgauer innerhalb von nur 15 Sekunden zwei Strafen. Die Chance für die Gastgeber, mit sechs Angreifern gegen nur vier Verteidiger wieder wegzuziehen. Aber das Gegenteil passierte: Dank Zürcher Fehlern, eines Treffers von Attila Kun und zwei Paraden von Marinovic kam der HSCK mit einer Plus-1-Bilanz durch diese heikle Phase. Und weil Kun wenig später zum 20:18 für Kreuzlingen nachdoppelte, begann die Partie zu kippen. Adrian Blättler, Paul Kaletsch und Nikola Marinovic warfen nun ihre ganze Routinie in die Waagschale. So blieb Kaletsch dieses Mal vom Penaltystrich aus äusserst souverän und stellte mit dem 19:23 rund zwölf Minuten vor Schluss schon einmal die Weichen.
In der hektischen Schlussphase mit vielen Strafen behielten die Kreuzlinger kühlen Kopf und liessen sich nicht mehr überraschen. Marinovic nahm den Zürchern in der 56. Minute beim Stand von 23:26 (56.) mit seinem dritten gehaltenen Penalty den Wind endgültig aus den Segeln. Den 24:26-Anschlusstreffer knapp dreieinhalb Minuten vor Schluss konterte der HSCK postwendend mit zwei Treffern. Die gerade in der zweiten Halbzeit nicht mehr so frisch wirkenden Zürcher konnten nicht mehr reagieren. Grund genug für die fast 100 mitgereisten Kreuzlingen Anhänger, ihre Mannschaft nach dem Schlusspfiff frenetisch zu feiern.
Offene Ausgangslage
Beide Mannschaften dürften froh sein, dass das dritten Finalduell erst für den Auffahrts-Donnerstag, 18.00 Uhr, in Kreuzlingen angesetzt worden ist. Zwei derart intensiv geführte Partien innerhalb von knapp 45 Stunden kosten enorm viel Kraft. Sowohl Horgens Trainer Petrag Milicic als auch Kreuzlingens Werner Bösch haben nun drei Tage Zeit, ihre Spieler neu einzustellen und Blessuren auszukurieren. Alles andere als ein erneut hart umkämpftes drittes Playoff-Finalspiel am Donnerstag in der Sporthalle Egelsee wäre eine Überraschung, obschon der HSC Kreuzlingen mit diesem überaus wichtigen Erfolgserlebnis in Horgen ganz sicher viel Moral und neues Selbstvertrauen getankt hat. «Das war ein ganz wichtiger Schritt. Ich denke, wir konnten damit unsere Playoff-Nervosität endlich ablegen», freute sich auch der durchgeschwitzte HSCK-Präsident Patrick Müller. «Und trotz dieses verdienten Sieges glaube ich, dass wir immer noch Luft nach oben haben. Ich bin überzeugt, dass sich jeder einzelne Spieler im dritten Spiel, getragen vor einer hoffentlich wiederum grossartigen Kulisse, noch einmal steigern wird können.» Die Zuversicht ist offensichtlich zurück beim HSC Kreuzlingen.
red
SG Wädenswil/Horgen – HSC Kreuzlingen 25:28 (13:13)
Waldegg, Horgen. – 500 Zuschauer. – Sr. Keist/Winkler.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Wädenswil/Horgen, 8-mal 2 Minuten plus Disqualifikation (48. Heim/3. Strafe) gegen Kreuzlingen.
Wädenswil/Horgen: Imhof (1.-43./12 Paraden), Steiner (43.-60./3 Paraden), Kasalo (für 3 Penalties/0 Paraden); Si. Gantner (4/1), Pospisil (3), Ch. Gantner, Sa. Gantner (4), Lechner (4), D. Gantner (1), P. Gantner (4), Kälin (1), Schuler, Zuber (1), Hitz, Wolfer, Karlen (3).
Kreuzlingen: Berisha (1.-15./6 Paraden), Marinovic (15.-60./10 Paraden, davon 3 Penalties); O. Wipf, Lutz (3), Dedaj, Bär, Heim, Kaletsch (6/3), Portmann (2), Kun (3), Ramosaj (4), Blättler (4), Schneider, L. Lioi, Zeller (3), Tahirukaj (3).
Bemerkungen: Wipf, Lioi und Dedaj nicht eingesetzt; Färber und R. Wipf (beide verletzt). – Penaltystatistik: Wädenswil/Horgen 1/4, Kreuzlingen 3/3. – Best-player-Auszeichnung an Imhof (W/H) und Marinovic (K). – Nächstes Spiel: Donnerstag, 26. Mai, 18 Uhr, Sporthalle Egelsee.