09.05.2022 09:00
Krieg wird grosse Auswirkungen auf die Holzbranche haben
Trotz allen widrigen Umständen blickt Holzbau Thurgau auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr
An der 60. Jubiläums-Generalversammlung des Sektion Thurgau von Holzbau Schweiz auf dem Kleinen Rigi in Kradolf-Schönenberg richtete Präsident Roman Vollenweider klar Worte an die 41 Stimmberechtigten und die zahlreichen Gäste.
Thurgau Mit Blick auf die Pandemie stellte er der Regierung ein gutes Zeugnis aus: «Sie hat immer das Beste versucht für uns als Privatperson wie auch für die Wirtschaft.» Der Ukraine-Krieg werde, so der Präsident, grosse Auswirkungen haben auf die Holzbranche. So habe ihm ein Sägerei-Inhaber bestätigt, dass, wenn der Krieg nicht bald zu Ende sei, im September keine Lärche und Eichen mehr erhältlich sein werden, zumal der grösste Teil aus Russland und aus der Ukraine stamme.
Faire und saubere Angebote
Vollenweider erinnerte, dass vor 60 Jahren, als der Verband gegründet wurde, Marilyn Monroe starb und mit der Kubakrise der Dritte Weltkrieg drohte. Sorge bereitet dem Präsidenten der Start in ein ungewisses Geschäftsjahr und seine Gedanken kreisen um die Materialbeschaffung und Teammeetings. «Was wäre, wenn ein Arbeitsverbot in der Baubranche kommt?», fragte sich Vollenweider. Trotz all den widrigen Umständen blickte er auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück und stellte fest, dass die Baubranche immer noch von den tiefen Zinsen profitierte. Der Marktanteil betrug 15 Prozent des gesamten Bauvolumens. «Umweltthemen bleiben aktuell und dort, wo die graue Energie zählt, liegt die Verwendung von Holz auf der Hand», erklärte der Verbandspräsident. Er rief seine Berufskollegen auf, faire und saubere Angebote abzugeben und Werbung zu betreiben für den Werkstoff Holz. Mit Blick auf die zu erwartende Material-Teuerung rechnet Vollenweider damit, dass die Gewerkschaft wieder mehr Lohn für die Mitarbeiter fordern wird.
Holz für kantonale Bauten
«Mir war es immer wichtig, dass der Kanton mit möglichst regionalem Holz baut», wandte sich scheidende Regierungsrätin Carmen Haag an die Versammelten. Es sei der Sektion Thurgau von Holzbau Schweiz sehr gut gelungen, die Interessen der Zimmerei und der Holzbaubranche gegenüber dem Staat, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit gemeinsam zu wahren. «Ab etwa 2025 werden auch 300 Kantonsangestellte des Departements für Inneres und Volkswirtschaft in einem neuen Holzbau hinter dem Regierungsgebäude tätig sein», stellte Haag in Aussicht. In den vergangenen Wintern sind im Staatswald auf dem Seerücken und im Hinterthurgau etwa 4500 Kubikmeter dafür geschlagen worden. Auch weitere geplante Bauten und bald wohl auch Brücken sollen mit regionalem Holz entstehen. Gemeinderat Dominik Bosshart wies darauf hin, dass ein Holzbaubetrieb der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde ist und bezeichnete den Austausch und die Begegnung als wichtigen Pfeiler im gesellschaftlichen Zusammenleben in der Gemeinde.
Neuer ÜK-Instruktor
ÜK-Obmann Peter Schwarz teilte mit, dass von den 49 zur Prüfung angetretenen EFZ-Kandidaten sieben den Anforderungen nicht genügen konnte. Alle zehn EBA-Kandidaten bestanden die Prüfung. Als neuen ÜK-Instruktor wurde Walter von Mühlenen gewählt. Er wird das jetzige Team mit seinem grossen Fachwissen unterstützen. Einstimmig wurden der Präsident und die fünf Vorstandsmitglieder für eine weitere Amtsdauer bestätigt. Neu übernimmt Marvin von Siebenthal das Vizepräsidium von Otto Schönholzer. Ebenfalls ohne Gegenstimme genehmigten die Stimmberechtigten den präsidialen Jahresbericht und die ausgeglichene von Kassier Ivan Brühwiler vorgelegte Jahresrechnung. Freude bereitete die Mitteilung, dass sich bisher 44 EFZ-Lernende und drei EBA-Lernende auf den Lehrbeginn in diesem Jahr gemeldet haben.
40-jährige Treue zum Holz
In seinem Jubiläumsjahr zählt die Sektion Thurgau Holzbau Schweiz insgesamt 79 Mitglieder. «Mit Emil Diem geht ein Zimmermann mit Herzblut in den verdienten Ruhestand», verabschiedete der Präsident den Weinfelder Zimmermann, der über ein halbes Jahrhundert im gleichen Betrieb und über 40 Jahre als Berufsschullehrer tätig war. Er durfte in Anerkennung seiner grossen Verdienste eine geschnitzte Holzuhr entgegennehmen. Zentralpräsident Hansjörg Steiner stellte fest: «Der Holzbau erlebt einen Boom und sie sind diejenigen, die entscheidend mithelfen können, dass dieser Boom anhält.» Kein Baustoff könne nur annähernd mit dieser Klimaleistung mithalten, sagte er und wies hin auf das Zusammenspiel von Sequestrierung, Speichern und Substitution. Abschliessend präsentierte der Präsident die Pläne und Ideen für einem Bildungscampus Ostschweiz neben der jetzigen Lehrhalle des Thurgauischen Baumeister-Verband in Sulgen auf einem Gelände von 10 000 Quadratmetern. Mit grosser Mehrheit stehen die Anwesenden hinter dem Projekt, welches voraussichtlich 2026 bezugsbereit sein dürfte.
Von Werner Lenzin