Kantonale Notrufzentrale. Symboldbild: Kapo TG
28.03.2022 00:00
Kriminalstatistik: Corona-Pause ist vorbei
Die am Montag veröffentlichte Kriminalstatistik der Kantonspolizei bilanziert mehr Straftaten als im 2020 – Cyberkriminalität nimmt zu
Die Zahl der Straftaten im Kanton Thurgau hat 2021 um elf Prozent zugenommen und ist damit wieder auf dem Stand vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Einbrüche ist auf einem historischen Tiefstand. Mehr Delikte gab es bei der «digitalen Kriminalität».
Frauenfeld Gemäss Polizeilicher Kriminalstatistik 2021 wurden im Thurgau 9435 Straftaten gemäss Strafgesetzbuch registriert, das ist gegenüber dem Tiefststand von 2020 eine Zunahme um 908 Delikte oder 11 Prozent. Damit bewegt sich die Zahl der Straftaten wieder im Bereich wie vor Corona: 2019 waren es 9419 Delikte gewesen. Im langjährigen Vergleich sind diese Zahlen tief: Noch im Jahr 2013 mussten fast 12'000 Delikte registriert werden. Bei der Häufigkeitszahl, die Anzahl Straftaten pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt der Thurgau mit 33,3 deutlich unter dem Schweizer Mittel von 47,9.
Hohe Aufklärungsquote
Bei den Gewaltstraftaten wurden vergangenes Jahr 1019 Delikte registriert, 2,5 Prozent mehr als 2020. Dabei nahm die schwere Gewalt um 31 Prozent auf 42 Straftaten zu; das vollendete und die drei versuchten Tötungsdelikte wurden aufgeklärt. Der schweren Gewalt zugerechnet werden auch 17 (2020: 16) Fälle schwerer Körperverletzung.
Leicht abgenommen auf 209 (2020: 214) hat vergangenes Jahr die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Stark angestiegen ist dabei die Zahl der Vergewaltigungen, von 9 auf 21 Delikte. 13 Fälle ereigneten sich im privaten und fünf im öffentlichen Bereich; in drei Fällen fehlt eine solche Zuordnung.
Historischer Tiefstand bei Einbrüchen
Es wurden 6191 (5493) Straftaten gegen das Vermögen registriert. Die Zahl der Einbrüche ging nochmals um drei Prozent auf den historischen Tiefststand von 470 Delikten zurück; im Jahr 2013 waren noch fast 1200 Fälle registriert worden. Hingegen hat die Zahl der Einschleichdiebstähle um 50 Prozent zugenommen, es wurden 396 solche Delikte registriert (2020: 265). Auch die Zahl der Ladendiebstähle ist um 26 Prozent auf 423 gestiegen.
Die Zahlen beim Einbruchdiebstahl sind zwar seit mehreren Jahren rückläufig, doch wie schon 2020 dürfte auch im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie die Entwicklung verstärkt haben. Wegen Covid blieb die Bevölkerung mehr zu Hause, wodurch Einbrecher abgeschreckt wurden. Zudem dürften die wegen den vielen Einreisebeschränkungen weniger durchlässigen Grenzen spezialisierten Tätergruppen die Einreise erschwert haben. Der Anstieg bei den Einschleichdiebstählen lässt sich am besten mit dem Spruch «Gelegenheit macht Diebe» erklären, das heisst die Täter nutzen die «günstige Gelegenheit», die beispielsweise sorg- und arglose Mieterinnen und Mieter von Mehrfamilienhäusern bieten, wenn sie Haus- und Wohnungstüren nicht abschliessen.
Deutlich angestiegen, um 17 Prozent auf 503 Fälle, ist die Zahl der Betrugsdelikte. Vor zehn Jahren waren noch 135 solche Delikte registriert worden. Die Zahlen widerspiegeln die rasante Entwicklung bei den Online-Shopping- oder Verkaufsplattformen, auf denen sich auch viele gut organisierte Betrüger tummeln. 455 Betrugsfälle werden denn auch der digitalen Kriminalität («Cybercrime») zugeordnet. Die wachsende Bedeutung dieser Form der Kriminalität schlägt sich in der Struktur der Polizeilichen Kriminalstatistik nieder: Erstmals werden die Straftaten mit einem Modus operandi der digitalen Kriminalität separat abgebildet und die Zahl der Delikte mit dem Vorjahr verglichen. Dabei wurde im Vergleich zum Jahr 2020 ein Anstieg um 25 Prozent registriert. Nebst dem Betrug (von 342 auf 455), haben auch der betrügerische Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage und Erpressung zugenommen.
Vergangenes Jahr musste die Kantonspolizei Thurgau 665 Mal (2020: 634) wegen Häuslicher Gewalt (HG) ausrücken. Bei 463 dieser Interventionen handelte es sich um HG mit mindestens einem Straftatbestand. Die anderen Polizeieinsätze betrafen familiäre Vorfälle, bei denen kein Straftatbestand erfüllt war (z.B. verbale Streitigkeiten). Die Zahl der Straftaten bei Häuslicher Gewalt bewegte sich damit auf dem Niveau des Jahres 2020 (469), während im Jahr 2019 noch 539 solche Straftaten registriert worden waren. Ein pandemiebedingter Anstieg der Fallzahlen, wie er in anderen Kantonen oder Ländern beobachtet wurde, konnte also im Thurgau nicht festgestellt werden.
red