Kritik von allen Seiten
104. GV des AGV
Die SRF-Chefin hielt an der Generalversammlung des AGV Kreuzlingen und Umgebung ein spannendes Referat
Die SRF-Chefin hielt an der Generalversammlung des AGV Kreuzlingen und Umgebung ein spannendes Referat
Ermatingen Der Arbeitgeberverband Kreuzlingen und Umgebung (AGV) lud zur Generalversammlung ein. Das Highlight war das Referat von SRF-Direktorin Nathalie Wappler. Ermatingen «Sind wir froh, dass es so grusiges Wetter ist, sonst wären nicht so viele da», eröffnete Attila Wohlrab die 104. GV des AGV. Er blickt auf die voll besetzten Stuhlreihen im grossen Saal des Seminar und Konferenzzentrums Wolfsbergs. Über die Börse oder die Energie- Knappheit wolle er an dem Abend nicht sprechen. «Da wissen Sie besser Bescheid als ich.» Vielmehr liege ihm ein anderes Thema auf dem Herzen: Das schlechte Gewissen. Wer spendet für die betroffenen Menschen in der Ukraine, wer ist mit dem grossen SUV hergefahren und wer wirft eine PET-Flasche in den Kübel. «Wer hat schon mal ‚Aus‘ gerufen bei einem Tennisspiel, obwohl der Ball klar noch im Feld war? Wenn Sie nichts davon schon mal getan haben, gratuliere ich Ihnen. Dann sind Sie ein Gutmensch oder eben nicht ganz ehrlich. » 16 Mitglieder gaben den Austritt Nach seinen nachdenklichen Worten zum Einstieg übernahm Sekretär Rolf Bickel das Zepter und stellte den Jahresbericht vor. Covid stellte auch die Kreuzlinger Wirtschaft vor grosse Herausforderungen.
Die Pandemie in Kombination mit der Angebotsknappheit trieb die Wirtschaft in die tiefste Krise seit den 1970er-Jahren. «Der ewige Marathon zerrte an unseren Kräften und Nerven», so Bickel. Dazu komme der Fachkräftemangel, der Unternehmen bremse. Hotels und Campingplätze verzeichneten hingegen letzten Sommer Rekordzahlen. Beim AGV Kreuzlingen sehen die Zahlen ebenfalls ordentlich aus. Der Personalaufwand wurde um 5000 Franken reduziert. Weniger Veranstaltungen, weniger Personal. Beim Betriebs- und Verwaltungsaufwand sieht es ähnlich aus. Die restlichen Aufwände bewegen sich laut Bickel im selben Rahmen. 16 Mitglieder traten aus dem AGV aus, andere kamen dazu. In manchen Fällen verzichtete der AGV auf Gesuch auf den Mitgliederbeitrag. Die Krise betraf somit auch die «AGV-Familie». Digital Campus stellt sich vor Jérôme Müggler, Direktor IHK Thurgau und Campus Projektleiter, nutzte die Möglichkeit, den Digital Campus vorzustellen, der von den TKBMillionen profitierte. Seit Sommer 2020 wurde intensiv an dem Projekt gearbeitet und der Fortschritt ist sichtbar. Mit dem Campus sollen Start Ups in der Region gefördert und eine Erlebniswelt geschaffen werden, in der Technologie mit Menschen verbunden werden sollen. Der Thurgau soll für die Wirtschaft interessant werden, Kompetenz und Raum werde künftig Technologiepartnern angeboten. Auch Jugendliche sollen im Campus mit dem Thema in Kontakt kommen, Roboter steuern oder Webseiten programmieren können. Thomas Niederberger ergriff als Vertreter der Stadt das Wort und lobte das Projekt. «Nach so einem Bildungsangebot kann man in der Region lange suchen», ist er überzeugt. Kreuzlingen sei ein gut ausgewählter Standort für das Vorhaben. «Ich gratuliere und danke der IHK für die bemerkenswerte Arbeit», so der Stadtpräsident. Bodenständige Kreuzlingerin Auch Gastrednerin Nathalie Wappler zeigt sich beeindruckt vom geplanten Digital Campus. «Viele wissen nicht, dass ich eine Kreuzlingerin bin und in Konstanz studiert habe. » Seit März 2019 ist sie Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen und seit 2020 stellvertretende Generaldirektorin SRG. Ihre Eltern seien selbstständig gewesen und daher wisse sie, mit welchen Herausforderungen Arbeitgeber konfrontiert seien. «Ich habe die doppelte Buchführung von meiner Mutter gelernt und schon früh als Kind im Betrieb mitgearbeitet.» Einem Grabsteingeschäft, das mit Natursteinen handelte. «Ich kenne mich also mit schweren Brocken aus», sagt sie. Sie arbeitete als Redaktorin bei Sendern wie 3 Sat oder dem ZDF und wechselte 2005 zum Schweizer Fernsehen. Die SRG gehöre allen und so dürfe auch jeder eine Meinung dazu haben. Stetig Kritik von allen Seiten zu erfahren, mit dem könne sie gut umgehen. Die Digitale Transformation sei ein grosses Thema bei der SRG. «Ein Medienhaus wie unseres muss sich verändern, das digitale Zeitalter ist relevant.» Dass es neben den Streamingdiensten keine öffentlichen Sender mehr brauche, habe sich am 4. März 2018 bei der Abstimmung für die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren, nicht bestätigt. 57 Prozent der Deutschschweizer nutzen aktuell täglich eines der Angebote der SRF, sprich TV, Radio oder Online. Erfreuliche Zahlen. Doch das Medienunternehmen müsse dringend «dran bleiben».
Von Desirée Müller
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