Das Schiesser-Areal wurde zum Kulturzentrum. Nach der Aufbauphase wollen Vorstand und Geschäftsleitung den Verein Kult-X auflösen. Kurt Peter
14.04.2022 06:30
Kult-X: Antrag auf Vereinsauflösung
Vorstand schlägt statt Trägerverein ein städtisches Kulturbüro vor – Entscheidung an einer Mitgliederversammlung im Mai
Vorstand und Geschäftsleitung des Vereins Kult-X schlagen die Auflösung des Vereins vor. Am 27. April soll die Mitgliederversammlung dazu befragt werden. Der Stadtrat hingegen möchte an der vom Volk bewilligten Lösung mit Trägerverein festhalten.
Kreuzlingen Gemäss den der Redaktion vorliegenden Unterlagen möchten Geschäftsleitung und Vorstand des Vereins Kult-X den Verein auflösen und an der Mitgliederversammlung vom 27. April darüber konsultativ abstimmen lassen. Falls diesem Antrag zugestimmt wird, will der Vorstand der Versammlung einen Termin zur Abstimmung mit der Empfehlung zur Installation eines städtischen Kulturbüros im Kult-X vorlegen. Stadtpräsident Thomas Niederberger bestätigt dies: «Sollte die Konsultativabstimmung die Auflösung ergeben, wird am 16. Mai eine ausserordentliche Mitgliederversammlung stattfinden».
«Erhobener Zeigefinger»
«Erfahrungen anderer Städte belegen, dass der gemeinschaftliche Aufbau eines Betriebes dieser Grösse und Komplexität mit vielen Beteiligten unterschiedlicher Herkunft und Interessen sehr schwierig ist und in den wenigsten Fällen funktioniert», begründen Vorstand und Geschäftsleitung unter anderem ihre Entscheidung. Zudem führe die Problematik von ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit unter einem Dach immer wieder zu Unmut. «Es ist unmöglich, mit 20 Vereinen Kompromisse auszuhandeln, die für alle gleich stimmig sind. In den Arbeitsgruppen zeigt es sich, dass wiederholt unterschiedliche Vorstellungen aufeinanderprallen». Der Stadtrat sei bis jetzt nicht in der Lage gewesen, das Zepter aus der Hand zu geben und den verantwortlichen Personen ihr Vertrauen auszusprechen, das Kult-X in der Übergangsphase bis zum definitiv gesicherten Betrieb weiterzuführen, schreiben Vorstand und Geschäftsführung.
Die städtische Projektleitung gebe es zwar nicht mehr, doch «eine Befreiung aus den städtischen Fängen konnte bislang nicht stattfinden, weil sich der Stadtrat seit Monaten mit erhobenem Zeigefinger in die Weiterentwicklung des Betriebs einmischt». Und «seit der gewonnenen Volksabstimmung werden die sorgfältig geplanten Veränderungen des Kult-X nicht akzeptiert und von verschiedenen Personen verunglimpft» heisst es in der Begründung weiter.
Stadtrat will Trägerverein
Für den Stadtrat aber steht der Volkswille im Vordergrund. «Am 26. September 2021 stimmte der Souverän der Überführung des Schiesser-Areals in das Verwaltungsvermögen sowie einem auf drei Jahre beschränkten Betriebsbeitrag von jährlich 250'000 Franken deutlich zu», erklärt Stadtpräsident Thomas Niederberger. Diesem Resultat fühle sich der Stadtrat verpflichtet. Dass der Vorstand mit Jean Grädel, Stephan Militz und Martina Reichert sowie Co-Geschäftsleiterin Christine Forster auf Ende April zurücktritt, sei ihm mitgeteilt worden. Dass am 27. April die Auflösung des Vereins zur Konsultativabstimmung komme, habe er einen Tag vor der Mitteilung an die Mitglieder erfahren.
«Eine Delegation des Stadtrates wird an der Mitgliederversammlung teilnehmen, ebenso der Präsident der Kommission Gesellschaft, Kultur und Sport». Das Ansinnen habe der Stadtrat zur Kenntnis genommen und werde dieses nach den Ferien diskutieren. Die Auflösung des Vereins könne nur eine Mitgliederversammlung beschliessen, diese Entscheidung werde am 16. Mai fallen. «Wir sind der Meinung, dass das Kult-X mit einem Trägerverein weiterbetrieben werden soll».
Zerwürfnisse zwischen Stadtrat, Vorstand und Geschäftsleitung bestehen länger. So machte im Januar der Stadtrat die Unterschrift unter die Leistungsvereinbarung und den Mietvertrag mit dem Kult-X unter anderem davon abhängig, dass der Trägerverein «das weitere Vorgehen in der Betriebsführung, Betriebsstruktur, Kompetenzregelung und die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern geregelt hat». Ebenso müsse für die Beantwortung der schriftlichen Anfrage des Gemeinderates die revidierte Jahresrechnung 2021 des Trägervereins und des Vereins work-X beigelegt werden. Die Beantwortung wurde inzwischen auf die Juni-Gemeinderatssitzung verschoben.
Ende März wollte der Stadtrat weitere Informationen von Geschäftsleitung und Vorstand. Die Antworten auf die Fragen, ob der Vorstand bei der Einstellung von Co-Leitung Geschäftsführung und Technischem Leiter überhaupt beschlussfähig waren, welche Rechtsform diese Anstellungsverträge hätten und ob sie befristet seien sowie wie die Kompetenzregelung aussehe, betrachtete der Kreuzlinger Stadtrat als nicht ausreichend und nicht dokumentiert.
Kulturbüro installieren
Im Fall, dass die Mitgliederversammlung am 27. April der Auflösung des Vereins Kult-X zustimmt, stellen Vorstand und Geschäftsleitung den Antrag zur Installation eines städtischen Kulturbüros im Kult-X. Die Errichtung soll «per sofort als Übergangslösung und nach einer angemessenen Evaluationsphase als dauerhafte Lösung» geprüft werden. Die Stadt sei in der Verantwortung, die öffentlichen Veranstaltungen und die im Kult-X beheimateten Institutionen im öffentlichen Dienst zu verwalten. Jean Grädel als Vereinspräsident und Co-Geschäftsführerin Christine Forster wollten zu den Anträgen keine weitere Stellung nehmen.
Kurt Peter