Kunst kann eine Qual sein
Ausstellung an der Wasenstrasse 22 in Kreuzlingen
Am 6. und 7. Mai von 14 bis 18 Uhr stellt die junge Künstlerin Xenia Balli ihre Werke im ehemaligen Tour de Suisse Gebäude an der Wasenstrasse 22 in Kreuzlingen aus.
Xenia Balli
Am 6. und 7. Mai von 14 bis 18 Uhr stellt die junge Künstlerin Xenia Balli ihre Werke im ehemaligen Tour de Suisse Gebäude an der Wasenstrasse 22 in Kreuzlingen aus.
Kreuzlingen «Die Zeichenlehrerin drückte mir ein Stück Kohle in die Hand und animierte mich zum Zeichnen. Doch so funktioniere ich eben nicht.» Es macht Spass, Xenia Balli zuzuhören. Sie sei keineswegs extrovertiert und meide Anlässe mit vielen Menschen, an denen sie sogar noch eine Rede halten müsse. Doch in ihr steckt, auch wenn sie es sich nicht bewusst ist, das Talent, Menschen nicht nur mit ihrer Kunst, sondern auch wie sie darüber spricht, zu unterhalten. Sie ist grundehrlich, weiss was sie kann und was nicht. Ist sich bewusst, dass ihre Werke für viele zu düster, zu persönlich sind, um sie an die eigenen vier Wände zu hängen. Doch verbieten will sich die junge Künstlerin nicht. Auch Kundenaufträge kommen für sie nicht in Frage. Und genau diese Authentizität machen ihre Bilder aus. Meist entstanden in düsteren Momenten ihres Lebens. Sie malt, wenn sie etwas beschäftigt, wenn sie hässig oder genervt ist. Die Werke zeigen meist Menschen, abstraktes Malen würde sie gerne, doch schleichen sich immer wieder die realistischen Feinheiten der Gesichter in ihr Werken.
Schon als Kind war sie begeistert von Stift und Papier. Bei der Berufsberatung war die Kunstschule ein Thema. «Mein Papi ist heute noch wütend auf die damalige Beraterin. Sie meinte, dass Kunst als Beruf keine Zukunft biete. Doch heute bin ich froh, entschied ich mich für die Coiffeur-Lehre und die anschliessende Ausbildung zur Visagistin. Denn nach Richtlinien zu zeichnen, liegt mir nicht.» Wohl hätte sie alles «doof» gefunden, was ihr die Lehrer hätten beibringen wollen. Während den Ausbildungen fehlte die Zeit für die Kunst. Erst als sie bei einer 50 Prozentstelle nach der Lehre mehr Kapazität hatte, nahm sie wieder den Pinsel in die Hand. «Ich kaufte mir die erste Leinwand, bisher zeichnete ich nur auf Papier. Meine Eltern finden das Werk schön, ist schrecklich», so die selbstreflektierte Tägerwilerin. «Ich dachte nur, Mann, ich habs verlernt!» Ihre Bilder wurden immer grösser, immer Mächtiger. «Ich will, dass man in meinen Bildern drinsteht. Sie sollen unübersehbar sein. Nicht in einer Ecke hängen mit einer Vase davor.» Bei ihrer Arbeit sei sie besessen vom entstehenden Bild. Schliesst sich acht Stunden in einem Zimmer ein, für essen oder trinken bleibt keine Zeit. «Ich muss es zu Ende bringen. Der Prozess ist eine seelische Qual und kommt mit x Ausrastern einher. Jedes meiner Bilder hab ich sicher zwei, dreimal übermalt.» Sie fände es herrlich, wenn sie wie andere Künstler ganz entspannt bei klassischer Musik ganz in ihre Welt eintauchen könnte und das Malen geniessen könnte. Alleine die Passion und die Grundehrlichkeit von Xenia Balli macht Lust auf ihre Werke. Diese gibt es an diesem Wochenende in ihrem Atelier, dass gleichzeitig der Vorraum ihres Coiffeursalons ist, zu sehen. «Die Bilder zu verkaufen, ist nicht einfach. Doch wenn ein Werk nur einem anderen Menschen auf der Welt gefällt und dieser es in seinem Leben haben will, macht mich das unendlich glücklich und stolz. Aber auch wehmütig, da ich nicht weiss, ob ich das Bild je wieder sehen würde. Ein Teil meines Lebens steckt in den Werken.»
Von Desirée Müller
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