Eva Büchi lässt sich nicht einschüchtern und macht weiter mit ihrer Arbeit. Bild: zVg
10.11.2022 11:20
Lehrerin bedroht und angegriffen
Jagd auf Transmenschen – Bedrohung von LGBTIQ Aktivistin Eva Büchi
Ein Hassredner hat am vergangenen Samstag nach einer Podiumsveranstaltung in der PH Thurgau die Lehrerin und Co-Präsidentin von Queer Thurgau, Eva Büchi, bedroht. In den sozialen Medien ruft derselbe Mann zur Jagd nach Transmenschen auf.
Kreuzlingen Von sieben Männern umstellt und vom Wortführer der Gruppe bedroht wurde die Lehrerin nach der Podiumsveranstaltung, bei der es um das Thema «Diversität» ging, . Ihre LGBTIQ-Aufklärungsarbeit an Schulen bezeichnete dieser als ein Werk «Satans». Weiter beschuldigte er sie, Jugendliche zu Pädophilie zu verführen und über Pansexualität zu informieren, was klar ein Werk Satans sei. «Er zeigte mit dem Finger auf mich und kam mir bedrohlich nahe», berichtet die Lehrerin auf Anfrage. «Dabei forderte er mich auf, meine Aufklärungsarbeit an Schulen zu beenden.» «Ich warne Sie, hören Sie auf damit», sagte er. Auf Nachfrage von ihr, ob dies eine Drohung sei, bestätigte er dies. «Ich war im Gespräch ruhig, aber ich fühlte mich bedroht, die Äusserungen und das aggressive Auftreten gegen mich als Frau und geoutete Lesbe erschreckten mich.»
Eva Büchi war in der Einladung als Kantonsschullehrerin und Co-Präsidentin von Queer Thurgau angekündigt worden. Das Thema des Podiums «Feminisierung der Schule» interessierte die Gruppe scheinbar gar nicht. Für sie ist klar, dass die Männer wegen ihr da waren und sie einschüchtern wollten. Denn sie filmten die Veranstaltung mit einem Handy, ohne gefragt zu haben.
Eva Büchi will sich von dem Vorfall aber nicht einschüchtern lassen und mach weiter mit ihrer Arbeit, sagt sie im Gespräch. Trotzdem macht sich die Lehrerin Sorgen um ihre Sicherheit. Zumal ihr klar ist, dass es in den letzten Monaten schon mehrmals zu Gewalttaten gegen queere Menschen gekommen sie. «Ich mache weiter wie bisher, weil ich weiss, dass es eine wichtige Arbeit ist. Das Feedback, dass wir von den Schulen, Schulleiterinnen oder Schulleitern und auch von Schülerinnen und Schülern erhalten ist mehrheitlich positiv und darum bi ich mir sicher, dass unsere Aufklärungsarbeit der richtige Weg ist».
Hass-Video in sozialen Medien
Zu denken gibt Eva Büchi jedoch ein Video desselben Mannes in den sozialen Medien. In diesem bedauert er, diesen Sommer beim Angriff auf den Pride-Gottesdienst nicht dabei gewesen zu sein. Künftig will er bei der «Jagd auf Transmenschen» teilnehmen und diese «penetrieren». Das Gleiche gelte für Pfarrer, die Homosexuelle trauen. Der Videobeitrag erfüllt gemäss Eva Büchi ganz klar den Verstoss gegen Art. 261bis (Diskriminierung und Aufruf zu Hass).
Kantonspolizei ermittelt
Gegen den Vorfall und die Videos hat Eva Büchi zwei Anzeigen erstattet. Weil der Wortführer der Gruppe zuvor bei einer Kollegin von Büchi eine Anfrage gestellt hatte, konnte sie den Mann namentlich anzeigen. Die Kantonspolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. In einem Fernsehbeitrag von TV-Ostschweiz erklärt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, dass derzeit die Abklärungen der Kantonspolizei laufen. Wenn diese abgeschlossen seien, würden die Akten an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Weitere LGBTIQ-Organisationen planen ebenfalls Anzeige gegen das Hassvideo zu erstatten, das in den sozialen Medien kursiert.
Im Fokus von Rechtsextremen
Mit dem Vorfall, der sich in der Pädagogischen Hochschule Thurgau abgespielt hat, ist Eva Büchi nicht alleine. Erst vergangene Woche stürmte eine rechtsextreme Gruppierung in Zürich eine Märlistunde für Kinder, die von der LGBTIQ-Community durchgeführt wurde. Die Bewegung scheint immer mehr in den Fokus von Rechtsextremen zu geraten.
Von Angelina Rabener