Kris Naef im Einsatz.
26.01.2023 09:27
Lernen von anderen Kulturen
Handwerk lernen im Ausland
Vom 16. bis 27. Januar reisten acht Lernende des Bildungszentrums Polybau zusammen mit Lehrer und Organisator Marc Ammann an das Berufliche Schulzentrum nach Waldkirchen (D). Der Märstetter Kris Naef, der bereits bei einem Austauschprogramm in Rumänien teilnahm, ist mit dabei.
Märstetten «Ich war beide Mal der erste, der sich angemeldet hat», erzählt Kris am Telefon. Der motivierte Märstetter mit amerikanischen Wurzeln erzählt, wie sein Lehrer Marc Ammann die Anmeldezettel für das Austauschprojekt im Deutschen Waldkirchen im Klassenzimmer verteilte, er keine Sekunde überlegte und das ausgefüllte Formular gleich wieder zurückgab. «Ich sagte, dass ich keine Nacht drüber schlafen muss», erzählt Kris. Seine guten Schulleistungen und die Einsatzbereitschaft sicherten ihm ein «Ticket » für die Reise nach Waldkirchen.
Raus aus der Komfortzone
Gemeinsam mit Dachdeckern und Zimmermännern in anderen Ländern bei einem Projekt anzupacken, das gefällt dem jungen Handwerker. Nach der Dachdecker-Lehre spezialisiert sich Kris bei der einjährigen Zusatzlehre zum Abdichter– und mit Lernen ist noch lange nicht Schluss sein. Zum Gruppen-, Kran-, und Objektleiter wolle er sich in den nächsten Jahren weiterbilden. Und irgendwann selbst Lernende ausbilden. «Ich merke diese Tage wieder, wie gerne ich anderen etwas beibringe. » Doch am meisten lernen Kris und seine sieben Kollegen in diesen Tagen. Ob digitale Pläne zu erstellen, einen eigenen Dachstuhl im Miniformat zu bauen oder für einmal Spenglerarbeiten auszuführen. Der Dachstock ist das Highlight für den Märstetter. Eine Arbeit, die sonst Zimmermänner erledigen. Im Format 1 zu 50 wird dieser angefertigt und als Andenken mit in den Thurgau genommen. «Dabei ist präzises Arbeiten gefragt.» Eines fiel Kris besonders auf «Es gibt doch einige Unterschiede in der Arbeitsweise», stellte der Dachdecker bei einem Besuch der deutschen Schule fest. «Zum Beispiel praktizieren sie andere Rechnungswege als in der Schweiz. Auch haben sie länger Schule als wir.» Es sei spannend zu sehen, wie die Dachdecker und Zimmermänner in anderen Ländern die «Sachen angehen».
Eine ganz andere Welt eröffnete ihm der Einsatz in Rumänien letztes Jahr. «Ich arbeitete mit Menschen zusammen, die ich noch nie sah und schon am zweiten Tag hatte ich das Gefühl, sie schon ewig zu kennen.» Gemeinsam wurde das Dach einer alten Kirche renoviert. Auch bauten sie ein aufwändig hergestelltes Vogelhaus. «Für das Dach haben wir winzige Ziegelsteine zugeschnitten. «Wir arbeiteten oft bis acht Uhr abends, so viel Spass machte die Zusammenarbeit », schwärmt Kris. Kulturell erkannte er auch dort einige Unterschiede: «Sie sind nicht die Schnellsten», sagt er über seine neuen Kollegen im Osten. Doch in Sachen Qualität und Arbeitswille machen die Rumänen keinem was vor. Kris, der bei der A. Kuster AG in Weinfelden arbeitet, kann sich gut vorstellen, einmal für einige Zeit in den USA zu arbeiten. «Meine Mutter ist Amerikanerin und demnach habe ich dort viele Verwandte.» Doch aktuell konzentriert er sich auf den Einsatz in Deutschland, wo er möglichst viel neues Wissen mit nach Hause nehmen möchte.
Kultur und Arbeiten
Morgen geht es wieder zurück in die Schweiz. Nebst dem Arbeiten bleibt dem Märstetter auch der Ausflug nach Tschechien in ein Tschechisches Steinwerk-Museum oder der Besuch eines Meisterfests in bester Erinnerung.
Von Desirée Müller