Mädchenstützpunkt in Bürglen.
05.05.2023 08:10
Mädchen an die Spitze
Seit Herbst 2022 führt der Verband einen Stützpunkt für talentierte Mädchen aus dem ganzen Kanton
Die Fussball Mädchenförderung ist seit je her ein Anliegen des Thurgauer Fussballverbandes (TFV), schon im Jahr 2008 konnten die ersten beiden Mädchen die Thurgauer Sport-Tagesschule Bürglen (TST-Bürglen) besuchen, doch bisher fehlte ein Konzept dahinter. Präsident Patrick Küng im Interview.
Weinfelden/Bürglen «Über die Jahre hat sich der Mädchen- und Frauenfussball in Sachen Professionalität und auch Breite entwickelt», so Präsident des Thurgauer Fussballverbandes Patrick Küng. Als er 2018 das Amt übernahm war für Küng klar, dass er im Vorstand ein Mitglied haben möchte, das den Fokus des Verbandes stärker auf den Mädchenfussball richtet. Gestartet wurde mit dem TKB-GirlsDay, an dem zweimal im Jahr ein Training mit Profispielerinnen stattfand. Heute nehmen bis zu 200 junge Fussballerinnen daran teil. Dabei kommen Trainer- und Trainerinnen sowie Funktionäre zusammen. «2020 gab es noch 9 Mädchen Junioren Teams im Kanton, diesen Frühling sind es bereits 17», sagt Küng. Mitunter ein Resultat für die engere Zusammenarbeit unter den Vereinen und des Verbandes.
Auf Stufe der vier regionalen E-11 Stützpunkte trainieren die talentierten Mädchen mit den Knaben. Beim anschliessenden FE-12 Team wird dann von etwa 60 Kindern aus den Stützpunkten auf ca. 30 Spielerinnen und Spieler runter selektioniert. Die talentiertesten Mädchen bleiben weiterhin in den Knabenteams und können auch, wenn das Talent vorhanden ist, die TST-Bürglen besuchen. In diesem Schuljahr sind vier Mädchen an der TST-Bürglen. Ab Stufe FE-12 Team verlassen die talentierten Nachwuchsfussballerinnen und Fussballer den Breitensport und treten gegen Mannschaften wie den FC St. Gallen oder Zürcher Mannschaften an. Für den Verband ist es aber wichtig, die talentierten Mädchen nicht zu verlieren, bei denen es zwar nicht reicht, um mit den Jungs Schritt zu halten, jedoch zu gut für den Breitensport sind. «So entstand die Idee des Mädchenstützpunktes Thurgau bei dem die Spielerinnen einmal die Woche ein zusätzliches professionelles Training erhalten.» So können die drei Jahre überbrückt werden, bis die Mädchen bei genügender Qualifikation in die Frauen U15 Mannschaft des St. Gallen eintreten können.
Doch wer entscheidet, wer gut genug ist, um im Spitzensport Fuss zu fassen? «Die Kinder können selbst gut einschätzen, ob es reicht oder nicht. Wenn, dann sind es eher die Eltern, welche einen Entscheid nicht verstehen können», so Küng. Auf Stufe E-11 finden z.B. alle fünf bis sechs Wochen an der Sportschule Tests der Stützpunkte aus Frauenfeld, Kreuzlingen, Romanshorn und Bürglen statt. Daran beteiligt sind vier bis acht Ausbildner, welche die Leistung beurteilen. «Vom Schnelligkeits- bis zum Koordinationstest. Von der Einschätzung der Athletik bis zur Technik», zählt der Präsident auf. Dabei wird ein Augenmerk vor allem auch auf das Biologische Alter der Kids gelegt. «Es macht einen grossen Unterschied aus, ob ein 12-jähriges Kind im Januar oder im Dezember des gleichen Jahres geboren wurde. Wir rechnen mittels wissenschaftlicher Methoden den effektiven Entwicklungsstand aus und können so das Potenzial erkennen.» Durch die transparenten Arbeiten könnten die Eltern laut Patrick Küng sehen, dass sauber gearbeitet und nicht nur anhand der Leistung im Training über ein Übertreten in die nächste höhere Stufe entschieden wird. Doch auch dann steht die Chance, es in den Profisport zu schaffen bei 1 zu 200. Aber Erfolge zeigen, dass es regelmässig Abgänger der Sportschule Bürglen und des Thurgauer Fussballverbandes in die höheren Ligen schaffen – auch im Frauenfussball. Küng nennt als Beispiel Karin Bernet, welche aktuell beim FC St. Gallen spielt und davor mehrmals mit dem FC Zürich den Schweizermeistertitel holte und in der Championsleaque im Einsatz stand. Bei den Männern gehören Spieler wie Julian von Moos, FC St. Gallen oder Armir Abrashi, Captain GC, wie auch Dennis Iapichino, FC Sion zu Paradebeispielen. Küng erhofft sich, dass die Frauen-Europameisterschaft 2025 einen Hype auslösen könnte. «Die Medien begleiten den Frauenfussball vermehrt und sorgen so für Aufmerksamkeit.»
Von Desirée Müller