Stadtrat Ernst Zülle: «Niemand muss sich anonym an die Presse wenden. Wir geben immer gerne Auskunft.» Angelina Rabener
19.10.2022 13:47
«Man könnte meinen, wir fällen Bäume aus Spass»
Immer wieder erhält die Redaktion Briefe oder Mails von Bewohnerinnen oder Bewohnern, die sich über geplante Bauvorhaben in Kreuzlingen beschweren. Dabei wollen sie meistens anonym bleiben. Aktuell geht es um die Baumfällung an der Brückenstrasse.
Kreuzlingen Seit Montag, 17. Oktober, läuft die Sanierung der Werkleitungen in der Brückenstrasse. Im Zuge dessen mussten Bäume gefällt werden. Es ist bekannt, dass das Thema «Baumfällung» ein sensibles ist und so hat sich auch bei dieser Strassensanierung ein besorgter Bürger anonym und verärgert an unsere Zeitung gewandt: «...als Erstes wurden die alten Bäume an der Brückenstrasse in einer Nacht- und Nebelaktion gefällt und danach werden bestimmt pilzanfällige Bonsaibäume gesetzt. Es lebe das Klima und die Stadt.»
Stadtrat Ernst Zülle mit der Anschuldigung konfrontiert zeigt sich genervt, wenn jemand anonym die Medien kontaktiert, bevor man die Faktenlage mit der Bauverwaltung geklärt hat. «Solche Anschuldigungen, wie die Unterstellung der Nacht- und Nebelaktion sind absolut inakzeptabel. Man könnte meinen, wir sanieren Strassen und fällen Bäume aus Spass. Für uns ist es sehr wichtig, dass das Strassenbegleitgrün, wie die Bäume, ersetzt werden und dass der Verkehr während der Bauphase möglichst reibungslos läuft.»
«Wir geben gerne Auskunft»
Auch Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, findet es «schade und nicht nachvollziehbar, wie und weshalb solche Gerüchte oder Vorwürfe entstehen.» Er betont, dass die Bauverwaltung gerne Auskunft über Bauvorhaben gibt. «Deshalb dürfen sich der oder die anonym Schreibenden in Zukunft direkt bei uns melden, so dass wir im Vorfeld solche Unklarheiten aus der Welt schaffen können», meint er und erklärt die Situation an der Brückenstrasse: «Aufgrund des baulichen Zustandes muss die Brückenstrasse saniert werden. Insbesondere der nördlich gelegene Fussweg mit der Betonpflästerung sowie der Kreuzungsbereich Brückenstrasse/Dufourstrasse ist in einen sehr schlechten Zustand.»
Aus Hochwasserschutzgründen müsse zudem der Bachdurchlass vergrössert werden, ausserdem werde beim Einlenker zur Konstanzerstrasse eine Fussgängerschutzinsel erstellt, da dieser Fussgängerstreifen viel zu lange sei und ein Gefahrenpotenzial für die Fussgänger darstelle. «Neben der Strassensanierung werden durch Energie Kreuzlingen auch die Werkleitungen in der Brückenstrasse saniert. Diesbezüglich wird auf der gesamten Länge eine neue Gasleitung erstellt. Die Lage dieser Gasleitung ist aufgrund von anderen Werkleitungen gegeben und kann nicht verschoben werden. Damit die Zugänglichkeit für die Anwohner sichergestellt ist und um ein Verkehrschaos bestmöglich zu verhindern, ist eine Sperrung der Brückenstrasse über die gesamte Bauzeit keine Option», erklärt Nöthiger. Die Sanierung der Brückenstrasse erfolge deshalb in einem Einbahnregime (Fahrtrichtung Hauptstrasse in Richtung Konstanzerstrasse möglich).
Keine Nacht- und Nebelaktion
Doch damit eine Einbahn überhaupt möglich sei und der Verkehr am Hauptgraben der Gasleitung vorbei geführt werden könne, müssen sämtliche Einengungen und seitliche Inseln mit den entsprechenden Bäumen entfernt werden. «Das Entfernen der Bäume erfolgte somit nicht in einer Nacht- und Nebelaktion, sondern als Vorarbeit für die Werkleitungssanierung», betont der Leiter Tiefbau.
Grössere Bäume werden gesetzt
«Selbstverständlich werden nach der Strassensanierung an der Brückenstrasse wieder neue Bäume gesetzt. Die Unterstellung, dass dann 'pilzanfällige Bonsaibäume' gesetzt werden, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen», so Nöthiger. Im Zuge von Strassensanierungen achte die Bauverwaltung darauf, dass bereits von Anfang an etwas grössere Bäume gesetzt werden. Zudem würden die Baumgruben mit entsprechend viel Baumsubstrat ausgestattet, so dass die Bäume auch ein Entwicklungspotenzial haben. Nöthiger verweist dabei als Beispiel auf die Baumpflanzung bei der Sanierung des westlichen Abschnittes der Schützenstrasse.
Angelina Rabener