Überfall Burger King Frauenfeld: Der Täter ergriff mit Bargeld die Flucht. Bild: kapo
20.12.2022 17:38
Maskiert und bewaffnet
Mit welchen Folgen die Opfer nach einem Überfall zu kämpfen haben
59 Raubüberfälle hat die Kantonspolizei Thurgau im laufenden Jahr (Stand Dienstag) registriert. Mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Und es scheint, als sei das noch nicht alles gewesen.
Region Fast wöchentlich berichten wir im Newsportal der «Nachrichten» über Raubüberfälle auf Tankstellenshops, Geschäfte oder Personen. Überfallen wurde unter anderem die Coop-Tankstelle in Weinfelden, der BP-Tankstellenshop in Märstetten, der Migrol-Tankstellenshop in Kreuzlingen, der Burger King in Frauenfeld und am Sonntag eine Tankstelle in Arbon. Die genauen Zahlen kennt Dani Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau: «Überfallen wurden 36 Personen, elf Tankstellen, eine Postfiliale, ein Restaurant, sieben Verkaufsgeschäfte, zwei Banken und ein Kiosk.» Im Ganzen mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr, in dem 25 Raubüberfälle gezählt wurden. 2021 waren es 19 Überfälle. Immerhin konnte im laufende Jahr bereits 50 Prozent der Täter gefasst werden. Die Täterschaft suche sich oftmals Geschäfte mit längeren Öffnungszeiten aus, wo sie gegen Ladenschluss vermutlich von einer tiefen Kundenfrequenz ausgeht. Die Betreiber sind für die Sicherheit selbst verantwortlich und es besteht auch keine Kamerapflicht. «Aber die Aufnahmen können der Abschreckung dienen und sicherlich bei der Aufklärung des Deliktes von Hilfe sein», weiss der Kapo-Mediensprecher. Verhindert werden die Raubüberfälle damit letztlich jedoch nicht. «Trotzdem ist es schon gelungen, die Täter im Rahmen der sofort eingeleiteten Fahndung noch in der Umgebung des Tatorts festzunehmen», betont Dani Meili. Kaum vorstellbar, wie sich eine Person fühlt, die von einem Menschen mit Maske und vorgehaltener Waffe bedroht wird. Ist die Polizei nach dem Überfall vor Ort, wird sie während der Tatbestandsaufnahme von der Kantonspolizei betreut. «Dabei werden sie auf die Möglichkeit hingewiesen, den Dienst einer externen Opferhilfe-Fachstelle in Anspruch zu nehmen. Auf Wunsch leiten wir die Kontaktdaten der Betroffenen direkt an die Fachstelle weiter», erklärt Dani Meili das Vorgehen.
«Angst, dass sich ein Vorfall wiederholen könnte»
Wie sehr manche Opfer eines Raubüberfalls noch nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren unter dem Erlebten leiden, weiss Elisabeth Rietmann, Geschäftsleiterin der Fachstelle Opferhilfe Thurgau Benefo mit Sitz in Frauenfeld: «Opfer werden in der Regel von der Polizei übermittelt. Nach einem Raubüberfall muss einerseits die Angst anlässlich des Überfalls verarbeitet werden, weiter wird einem bewusst, was auch noch hätte passieren können ausser dem, was wirklich war.» Dazu komme die Angst, dass sich ein Vorfall wiederholen könnte. «In der Beratung erklären wir Betroffenen, wie die Psyche auf solch ein Ereignis reagieren kann, wir besprechen allfällige Schutzmöglichkeiten, abhängig vom jeweiligen Arbeitsplatz. Auch die Haltung und Möglichkeiten der Arbeitgeber sind hier wesentliche Faktoren», erklärt Elisabeth Rietmann. Je nach Vorfall und persönlicher Situation der Betroffenen könne der Überfall eine kurze oder auch eine lange Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. «Unsere Stelle kann informieren, zum Beispiel betreffend Gesundheit und Strafverfahren, und bei Bedarf auch anwaltliche und therapeutische Hilfe vermitteln.»
Von Angelina Rabener