Rageth Clavadetscher (links) im Gespräch mit Martine Eggenberger und Thomas Niederberger. Kurt Peter
03.03.2022 06:30
Mehrwert durch Partnerschaft
Input-Referat mit Rageth Clavadetscher: «Erfolgreicher Detailhandel schafft Erlebnisse und Orte»
Für Rageth Clavadetscher, CEO des Glatt Zentrums müssen die Kreuzlinger Detailisten die Kunden nicht über den Preis, sondern über Sympathie und Nähe gewinnen und halten. Der stationäre Handel muss ein «Ort der Begegnung sein».
Kreuzlingen «Detailhandel im Wandel»: Unter diesem Motto lud die Stadt am Montagabend in den Saal des Trösch, um, wie Stadtpräsident Thomas Niederberger sagte, «Informationen aus erster Hand zu einem in die Zeit passenden Thema zu bekommen». Als Referenten konnte er den in Kreuzlingen aufgewachsene Rageth Clavadetscher, heute CEO des Glatt Zentrums, dem umsatzstärksten Shopping Centers der Schweiz, begrüssen. «Rageth Clavadetscher ist hier aufgewachsen, hat seine Lehre in einem hiesigen Kleidergeschäft gemacht, er kennt lokale Bedingungen und geografische Ausgangslagen bestens».
Herausforderungen meistern
«Es ist ein nach Hause kommen», sagte Clavadetscher zu Beginn seiner Ausführungen. Er sei mit Absicht früher in die Stadt gekommen, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen. «Erschreckend viele Immobiliengeschäfte, wenig Gastronomie und natürlich viele Banken», zog er Bilanz. Nur zwei innovative Formate habe er im Zentrum entdeckt. Sein Fazit: «Am Samstag von Zürich zum Shoppen nach Kreuzlingen zu kommen, das geht nicht». Auch der Kreuzlinger Detailhandel müsse die Herausforderungen der Zukunft meistern.
«Die Abwanderung ins Online-Geschäft ist eine Tatsache, doch dieses Einkaufen ist asozial. Der Kunde entscheidet, wo und wie er einkauft. Also heisst es, Orte zu schaffen, die ihm gefallen und ihm einen sehr guten Service bieten und Begegnungen ermöglichen». Den Einkaufstourismus sah Clavadetscher nicht in Konstanz: «Wenn das Reisen wieder richtig losgeht, wird in Europa, in Asien, in den USA eingekauft». Der Eurokurs sei für Detaillisten dann ein Problem, wenn «die Kundschaft über den Preis und nicht über Sympathie und Nähe gehalten werden will».
Schneise ins Paradies
Der Perspektivenwandel in der Gesellschaft sei eine Chance. «Neues Umweltbewusstsein ist vor allem bei der Jugend festzustellen». Es werde nicht mehr in Massen konsumiert und gekauft, teilen sei angesagt. Die Kundschaft von Morgen wolle keinen Parkplatz vor dem Geschäft, weil ein eigenes Auto keine Priorität habe. In diesem Zusammenhang sprach Clavadetscher davon, dass «die Strassen in Kreuzlingen eine Schneise ins Paradies, nach Konstanz, sind». Attraktive Einkaufserlebnisse auf dem Boulevard jedenfalls sah er keine.
Es gelte, Mehrwert durch Partnerschaften zu schaffen. «Greifen Sie Themen auf und verknüpfen Sie diese mit Erlebnissen, mit Geschichten». Der stationäre Handel müsse ein Ort der Inspiration sein. Geschichten seien mit Emotionen verbunden, Geschichten brächten Menschen zusammen. «Der Detailhandel muss auf den Sozialen Medien präsent sein, «spannend, einerseits die Jugend ansprechend aber auch über alle Generationen hinweg attraktiv».
Es muss sexy sein
Rageth Clavadetscher sprach auch das Problem des Leerstandsmanagements an. Aus eigener Erfahrung aus dem Glatt Zentrum wisse er, dass mit wenig Aufwand attraktive Belebung gelingen könne. «Aber was immer Sie tun», wandte er sich an Thomas Niederberger, «Produkte, Konzepte und Räume müssen sexy sein, trauen Sie sich etwas». Der Stadtpräsident hatte zuvor die Nutzungsstrategie «Zentrumsbelebung» ins Gespräch gebracht und von einem «Kreuzlinger Laden» gesprochen. «Ja, aber das funktioniert nur unter der Voraussetzung, dass die Kundschaft etwas erlebt, Emotionen spürt, neue Formate antrifft», entgegnete Clavadetscher
Von Kurt Peter