26.11.2022 14:37
Mister Sportamt in Action
Benni Aggeler ist seit April Amtsleiter des Ressorts Sport
Der junge Stelleninhaber war nach seiner Verkaufslehre mit 25 bereits Bereichsleiter im Militär, studierte anschliessend Sportmanagement und ist leidenschaftlicher Fussball-Schiri. Ein spannendes Treffen mit Benni in der Gütti.
Weinfelden «Sollen wir zuerst die Anlagen besichtigen?», fragt der 34- jährige Amtsleiter und steuert nach meinem «Klar, gerne», an der Sporthalle vorbei zur Tribüne. Ein älterer Herr dreht seine Runden auf der Laufbahn, sonst ist es erwartungs gemäss still auf den sieben Fussballplätzen, der Finnenbahn, dem Skatepark und dem Fit 21. Das Angebot für die Bevölkerung sei gross, findet Aggeler mit Blick über sein zweites Zuhause. Und es wird jedenfalls nicht kleiner: «Es ist spannend, bei der Weiterentwicklung mitzuarbeiten. Bis zu 15 Jahre im Voraus zu planen ist fordernd.» Die Ansprüche der verschiedenen Zielgruppen wie Vereine, Schulen oder Hobbysportlern haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Dies wird im aktuellsten Gütti-Konzept festgehalten. «Unsere Aufgabe ist es, den roten Faden im Blick zu behalten und die verschiedenen Puzzleteile zusammenzuführen. » Für den Job müsse mal kognitiv fit sein, erzählt er. «Oftmals bin ich in mehreren Arbeitsgruppen gleichzeitig engagiert. Immer in verschiedenen Rollen und mit anderen Aufgaben.» Er sei froh, dass er sich während seiner Zeit bei der Schweizer Armee eine strukturierte Arbeitsweise angeeignet habe. «Ohne die sorgfältige Dokumentation hätte man schnell ein ‘Gnusch’», ist der gebürtige Rheintaler sicher.
Aber mal von vorne: Bernhard Aggeler absolvierte die Verkaufslehre in einer Sport X Filiale und lernte dort etwas für ihn massgeblich wichtiges: «Mit Menschen zu kommunizieren und ein Gespür zu entwickeln, den Leuten das Produkt zu empfehlen, das wirklich zu ihren Ansprüchen passt. Der Umsatz stand nicht an erster Stelle.» Diese Werte begleiten Aggeler seither auf seinem Berufsweg. Nach der Lehre besuchte er die Rekrutenschule in Dübendorf, einen Arbeitsvertrag nach seiner Rückkehr bereits in der Tasche. «Aber ich habe weitergemacht. » Von 2008 bis 2015 war er beim Militär angestellt, anfangs als befristeter Zeitsoldat, der bei verschiedenen Prozessen der Rekrutenschule Unterstützung leistete. Danach entschied er sich für die zweijährige Ausbildung an der Berufsunteroffiziersschule in Herisau, wo er «das ganze militärische Handwerk lernte.» Und dann stand er als Fachbereichsleiter und Ausbildner vor jungen Männern und Frauen, selbst nur ein paar Jahre älter als diese. «Mein junges Alter brachte mir viele Vorteile. Mein Führungsstil war stets fair, ich bin kein autoritärer Typ. Wenn sich die Rekruten wohl fühlen und das Umfeld stimmt, leisten sie meines Erachtens mehr», wurde dem damals 25-Jährigen schnell klar. «Es klingt despektierlich, aber im Militär konnte ich in einem geschützten Rahmen wertvolle Erfahrungen im Führungsbereich sammeln, bevor ich nach sieben Jahren ins ‘zivile Berufsleben’ wechselte.»
Der Klassensenior
Ein Jobangebot beim Ostschweizer Fussballverband reizte Aggeler, der damals bereits seit mehr als 10 Jahren als Fussballschiedsrichter, -instruktor und -coach im Einsatz stand. Neben dem 100 Prozent Job besuchte er die Matura in Weinfelden als Klassensenior, wie er lachend erzählt. «Meine Klassenkameraden waren gerade mal volljährig und ich bereits 28.» Doch für das Sportmanagement Studium an der Fachhochschule Graubünden brauchte es nun mal die Matura. «Es war immer mein Ziel, mich während des Studiums selbst zu finanzieren und so habe ich begonnen, viel bewusster zu leben.» Eine Angewohnheit, die er bis heute auslebt. «Lieber einmal im Monat fein Essen gehen anstatt jedes Wochenende in den Ausgang. » Bei aktuell bis zu 70 Schiedsrichter- Einsätzen im Jahr liegt sowieso nicht viel mehr drin. Gekommen um zu bleiben Seine Freundin, die er während dem Studium kennenlernte, entdeckte im Sommer 2021 das Inserat der Stadt Weinfelden. «Die Stelle für einen Sportamtsleiter sei ausgeschrieben. » Doch das Paar merkte schnell, dass der Job wohl eher etwas für den erfahrenen und älteren Bernhard war. So bewarb er sich auf die Amtsstelle und nach drei Vorstellungsrunden und einem Schnuppertag bekam er Ende Januar 2022 den positiven Bescheid: Er wird das Gesicht des Weinfelder Sports. Und das will er längerfristig bleiben. Denn: Auf den städtischen Sportanlagen gibt es so einiges zu tun.
Von Desirée Müller