Jacqueline ist die Leiterin der neu geschaffenen Fachstelle für Gesellschaft und Gesundheit der Stadt Weinfelden. Desirée Müller
03.09.2021 12:17
Mit einem tiefen Atemzug in den neuen Job starten
Jacqueline Baumann ist die Leiterin der Fachstelle für Gesellschaft und Gesundheit
Es sei alles noch ganz frisch, sagt Jacqueline Baumann und lächelt glücklich. Die 35-jährige aus Lengwil haucht der neugeschaffenen Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit seit dem 1. Juli Leben ein. Und das nicht nur mit ihrer Kompetenz dank ihrer langjährigen Erfahrung in der Verwaltung, sondern auch mit ihrer Lebenseinstellung. Die neue Leiterin arbeitet neben ihrer Tätigkeit bei der Stadt Weinfelden als Yogalehrerin und weiss, wie wichtig Achtsamkeit in der Gesellschaft wie auch in der Gesundheitsprävention ist.
Weinfelden Sie trägt ihre schwarzen Hosen hochgekrempelt und hat die weissen Sneakers lässig über die Beine geschlagen. Jacqueline Baumann sitzt im Besprechungszimmer der Stadt Weinfelden und strahlt. Eine junge Frau mit viel Power, das merkt man schnell. Der grau-weisse Blazer verleiht ihrem Aussehen die nötige Professionalität und wirkt trotzdem nicht zu «steif». Dank ihrer einladenden Art geht man gerne auf sie zu, wenn man Probleme oder Fragen hat. Und genau das möchte die Stadt mit der neuen Fachstelle schaffen: Ein niederschwelliges Angebot für die Weinfelderinnen und Weinfelder. Was dies genau für Anliegen sein werden, ist schwierig zu sagen. Vielleicht kommt eine Mutter, die bei ihrem kranken Kind zu Hause bleiben muss aber nicht von der Arbeit weg kann. Oder Angehörige von Seniorinnen und Senioren, welche sich über ambulante Pflegedienstleitstungen informieren möchten. Bishin zum Teenager, der sich nicht wohl in seiner Haut fühl oder Probleme in der Schule hat. Die Weinfelder sollen nach dem Posten oder einem Verwandtenbesuch ohne Anmeldung in ihr Büro laufen und mit ihren Anliegen auf Jacqueline Baumann zukommen. Die Zielgruppe umfasst von der Kinder, zu Eltern bis zu Senioren oder deren Angehörigen.
Ganz individuell
Eine grosse Herausforderung. So wirkt die Fachstelle als Anlauf- und Koordination- und weniger als klassische Beratungsstelle. Jacqueline Baumann befasst sich mit den Anliegen und vermittelt die Hilfesuchenden zur richtigen Ansprechperson. Seien dies Institutionen oder auch interne Fachpersonen wie der Sozialdienst. Doch nebst der Drehscheibenfunktion hat sie noch eine andere, fast genauso wichtige «Mission» zu erfüllen: «Was heisst Gesundheit auf verschiedenen Ebenen? Wie können wir die Menschen einander näher bringen und die Verbundenheit zur Gesellschaft stärken?» Fragen, auf die sie Antworten hat und den Besucherinnen und Besuchern ihrer Fachstelle vermitteln möchte. «Es ist nicht so, dass wir gemeinsam Yoga machen», sagt sie und lacht. Etwas weg von der Arbeit nach festem Fahrplan, so wie es in der öffentlichen Hand vielfach unumgänglich ist, möchte sie jedoch und ganz individuell auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen.
Netzwerk aufbauen
In den letzten Wochen besuchte sie viele Institutionen und Vereine, die sich in ihrem Tätigkeitsfeld bewegen. Die Resonanz ist bisher sehr erfreulich. «Ich wurde stets herzlich empfangen und man merkt, dass ein Bedürfnis da ist.» So sind zum Beispiel Alterszentren sehr gefordert während der Pandemie. Viele Angehörige kamen mit Altersfragen auf sie zu, welche sie gar nicht direkt tangierten. Seien das Fragen zur Covid-Impfung, die Pflege zu Hause, wenn Tochter oder Sohn in Quarantäne sind oder Dienstleistungen wie Einkaufsservice. Diese möchte Jacqueline Baumann künftig abfangen und die Hilfesuchenden an die richtigen Stellen vermitteln. Aktuell steht viel konzeptionelle Arbeit an. «Informationen kanalisieren und diese integrieren, Strategieworkshops und das Netzwerk aufbauen», beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Unterstützt wird sie dabei von Stadträtin Ursi Senn und Roger Häfner, Leiter Einwohnerdienste, welche bisher einen Teil der heutigen Aufgaben von Jacqueline Baumann übernahmen –mit weniger Ressourcen. Als Legislaturziel hatte sich Senn vorgenommen, Aufgaben wie die Quartierarbeit in Weinfelden zu stärken. Somit wurde bisher gute Aufbauarbeit geleitet. Jacqueline Baumann freut sich auf das Kommende. «Die Stellenausschreibung sprach mich darum gleich an, da in der neuen Fachstelle genau das gelebt wird, was mir wichtig ist. Einfach für die Menschen da zu sein und Lösungen zu finden.»
Von Desirée Müller