Mit Herz und Manieren
Bisher nur ein Kandidat für Stadtratwahl
Martin Brenner möchte Thomas Bornhauser im Weinfelder Stadtrat ersetzen. Ein spannendes Treffen einen Monat vor der Wahl.
Martin Brenner will in den Stadtrat. Desirée Müller
Martin Brenner möchte Thomas Bornhauser im Weinfelder Stadtrat ersetzen. Ein spannendes Treffen einen Monat vor der Wahl.
Weinfelden Er ist der Diplomat in der Familie, ein Vermittler, einer, der gerne mal hinten ansteht für das Wohl der Gemeinschaft. «In der Politik ist das sicherlich positiv, doch im Privatleben würd ich gerne öfters mal den Pfadfinder in mir abstellen », sagt Martin Brenner und lacht. Im Gespräch kommt das Thema Pfadi immer wieder auf, eine Zeit, die ihn vom Bueb bis zum Mann begleitete und auch beruflich seinen Weg mitbestimmte. Davon später. Wir düsen vom Kindergarten ins Heute, zurück zum ersten Job des gelernten Geomatikers und blicken dann in die Zukunft. Ein wilder, höchst spannender zweistündiger Ritt mit dem Stadtratskandidaten der FDP - dem bisher noch einzigen für die Ersatzwahl von Thomas Bornhauser am 15. Mai. Vor zwölf Jahren versuchte es der Weinfelder bereits, damals ging der Sieg knapp an den SVP'ler Hans Eschenmoser. Und das war laut Brenner auch irgendwie gut so. Seither war er zehn Jahre in der Weinfelder Schulbehörde aktiv, machte sich beruflich selbstständig und hat die grosse Liebe in der Pflegefachfrau Susanne gefunden. Nun sei der Weinfelder Bürger beruflich wie auch privat bereit für die Aufgaben als Stadtrat. Für die Ersatzwahl Mitte Mai werde sich vermutlich niemand mehr stellen, im Herbst bei den Erneuerungswahlen sähe die Sache dann wahrscheinlich wieder anders aus.
Eine gewisse Aufmerksamkeit in der Stadt zu bekommen, ist er sich von seiner Schulbehördenzeit gewohnt. «Ich wurde immer wieder darum gebeten, ein gutes Wort beim Schulleiter einzubringen, dass Kinder in dieses oder jenes Schulhaus eingeteilt werden», erinnert er sich zurück. Doch bei solchen Themen lässt sich Martin Brenner nicht beirren und versucht, beide Seiten aufzuzeigen. Denn diese gebe es nun mal bei unterschiedlichen Meinungen und Interessen. Mit Kritik an seiner Arbeit oder Entscheidungen kommt er klar. «Solange es nicht auf persönlicher Ebene passiert.»
Sich mit Martin Brenner zu streiten, ist nicht ganz einfach. Das bestätige auch seine Frau, sagt er und schmunzelt. Es passierte erst ganz wenige Male, dass der eigentlich besonnene Brenner «explodierte». Einmal beim Kartenspielen: «Meine Frau gewann sechsmal in Folge, wenn auch ohne zu Schummeln. Das stinkte mir dermassen, dass ich die Karten auf den Tisch warf und richtig hässig wurde», erzählt er lachend. Die Beispiele sind schnell erzählt, er ist und bleibt mit seiner ruhigen Art ein hilfsbereiter Vermittler. Als ältestes von vier Geschwistern übernahm er schnell Verantwortung. «In den Skiferien war ich zum Beispiel jeweils für meine Geschwister verantwortlich auf der Piste. Heute unvorstellbar, wir hatten damals nicht mal ein Handy, falls was passiert wäre», denkt er schmunzelnd daran zurück. Die Rolle des Beschützers hat er beibehalten, kann heute aber besser Verantwortung innerhalb der Familie abgeben als früher. Der Sohn eines ehemaligen Weinfelder Hausarztes genoss eine gute Erziehung, bei der die eigenen Interessen vielleicht etwas im Hintergrund standen. Doch heute profitiert er von der Manier und auch den Werten, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gaben.
Wir driften wieder ins Pfadizeitalter ab, für ihn damals die beste Lebensschule. Der Vermessungszeichner liebte «seine» Pfadi und stieg schnell bis zum kantonalen Leiter auf - und später sogar noch weiter. Der gelernte Beruf sollte aber nicht die Endstation werden für ihn. So begab er sich zu einer beruflichen Standortbestimmung und erfuhr, dass er sich als Organisator eignen würde. Er schloss den Eidgenössischen Fachausweis ab und nutzte den «Flow», um sich beruflich neu zu orientieren. Die Stelle des Bundesleiter der Pfadibewegung Schweiz wurde frei und Brenner suchte bei seinem Kollegen und Berufscoach nach Rat. «Wenn du eine dicke Haut haben kannst, dann bewirb dich für den Job», so sein Kollege. «Ich war etwas überrascht und fragte, was er damit meine. Er sagte, dass ich es in dieser Führungsfunktion niemals allen recht machen könne. Wenn ich damit umgehen kann, dann wärs der richtige Job und ich soll mich zur Wahl stellen.» Und zwei Jahre lang war er das auch. Dies sei der ehrlichste und wichtigste Ratschlag seines Lebens gewesen. «Dass ich es nicht allen recht machen kann, verinnerliche ich mir auch heute immer wieder. Speziell als Politiker. Doch ich bin überzeugt, dass jede Meinung zählt und die Kritiker stets auch einen Grund dafür haben.» Sich gemeinsam hinsetzen, Lösungen finden und diese in die Wege zu leiten, das ist das Credo des Teamplayers. Und diese Philosophie möchte Martin Brenner auch in Weinfelden (vor)leben.
Desirée Müller
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