Mit toller Moral und viel Kampf zum Überraschungscoup
Erstmaliger Erfolg gegen Zug
Erstmals punktet der HSC Kreuzlingen gegen den amtierenden Meister und Cupsieger LK Zug. Er schafft in der Schlussviertelstunde die Wende vom 16:22 zum 26:25.
Siegtorschützin Katerina Novotna. Felix Walker
Erstmals punktet der HSC Kreuzlingen gegen den amtierenden Meister und Cupsieger LK Zug. Er schafft in der Schlussviertelstunde die Wende vom 16:22 zum 26:25.
Handball Was für ein Auftritt der Kreuzlingerinnen in der Zuger Sporthalle! Nach der 22:23-Startniederlage gegen Thun vor Wochenfrist als klarer Aussenseiter angereist, lag sich das Team von Cheftrainerin Kristina Ertl-Hug nach Spielschluss in den Armen und bejubelte den Überraschungscoup gegen den Doublegewinner. Die bisherigen elf Duelle hatte Zug allesamt gewonnen. Und auch im zwölften Aufeinandertreffen sahen die Innerschweizerinnen bis rund eine Viertelstunde vor Schluss wiederum wie die souveränen Siegerinnen aus. Beim Stand von 22:16 hätten nicht einmal mehr die grössten Optimisten auf einen Erfolg der Ostschweizerinnerinnen gewettet. Zu stilsicher trat der Meister auf, zu viele Fehler unterliefen bis dahin dem HSC Kreuzlingen. Die drei verschossenen Penalties konnte Zug deshalb verschmerzen.
Zwei Treffer in Überzahl waren dann aber eine Art Weckruf für die Thurgauerinnen. Mit drei weiteren erfolgreichen Abschlüssen innerhalb von nur 78 Sekunden zum 22:22-Gleichstand bestraften sie das Nachlassen des Meisters und witterte plötzlich wieder ihre Chance auf einen Überraschungscoup. Der HSCK liess sich nun trotz erneuter Rückstände nicht mehr distanzieren. Rückraumspielerin Kira Klein, ansonsten eigentlich eine Abwehrspezialistin, bewies ihr Durchsetzungsvermögen und glich das Skore jeweils wieder aus. Die letzten drei Spielminuten waren dann definitiv nichts mehr für schwache Nerven. Beim Stand von 25:25 gab es Chancen und Torhüterparaden hüben wie drüben, aber keine weiteren Treffer mehr. Zugs Cheftrainer Christoph Sahli nahm dann sein Time-out gut eine Minute vor Schluss, musste danach aber mitansehen, wie ausgerechnet seine Teamleaderin mit ihrem Wurf an HSCK-Keeperin Nathalie Wörner scheiterte. Somit kamen die Thurgauerinnen nochmals in Ballbesitz. 29 Sekunden vor der Sirene nahm dann auch die HSCK-Trainerin ihr Time-out. Zumindest mit einem Punkt wollte man zurück an den Bodensee reisen. Fünf Sekunden vor Schluss ahndeten die Unparteiischen eine Abwehraktion der Zugerinnen mit einer direkten Roten Karte und einem Penalty. Katerina Novotna verwertete auch ihren sechsten Siebenmeter in dieser Partie und schoss so die Kreuzlingerinnen ins späte, aber aufgrund der kämpferischen Leistung verdiente Glück.
Mit dem 26:25-Erfolg beim amtierenden Meister schreiben die Kreuzlingerinnen Geschichte. Erstmals überhaupt können sie gegen eines der drei nationalen Topteams LK Zug, Brühl St. Gallen und Spono Eagles Nottwil punkten. HSCK-Trainerin Kristina Ertl-Hug meint zum Überraschungscoup: «Wir haben die Basis zu diesem wichtigen Sieg sicher in der Abwehr gelegt. Dort trat Vanda Gulyas nach ihrer Einwechslung in der 45. Minute als Aggressivleaderin auf. Und vorne sorgte Selina Weidmann für den nötigen Druck. Ich kann meiner Mannschaft nur ein dickes Kompliment machen, wie sie nach dem scheinbar aussichtslosen 16:22-Rückstand solidarisch gekämpft hat und so noch die Wende schaffte. Das gibt uns viel Moral für die kommenden Aufgaben.»
Am nächsten Samstag empfängt der HSCK um 19 Uhr den HV Herzogenbuchsee. Die Bernerinnen sind zwar mit zwei Niederlagen gegen Zug und Thun in die Saison gestartet, hinterliessen dabei aber jeweils einen guten Eindruck. Die Kreuzlingerinnen wollen natürlich den Schwung aus dem Zuger Spiel mitnehmen. Zudem sind Siege gegen Teams wie der HVH Pflicht, will man auch in der Spielzeit 2021/22 ein ernsthaftes Wort im Kampf um ein Finalrunden-Ticket mitreden.
red
LK Zug – HSC Kreuzlingen 25:26 (16:10)
Sporthalle. – 230 Zuschauer. – Sr. Häner/Maurer.
Strafen: 4-mal 2 Minuten plus Rote Karte (60. Riner) gegen Zug, 3-mal 2 Minuten gegen Kreuzlingen.
Zug: Abt (14 Paraden), Booijink (1 Parade); Tschamper (1), Scherer (1), Berchtold, Stutz (3), Heinzer (8/3), Goldmann (2), Taivan (3), Eugster (1), Litscher, Riner (2), Gwerder (2), Spieler (2), Bächtiger, Jónsdóttir.
Kreuzlingen: Siggaard (1.-30./2 Paraden), Wörner (31.-60./6 Paraden); Kampelmühler-Rink (2), Skoricova (3), K. Novotna (6/6), Klein (4), Weidmann (4), Rothacker, Marku (6), Gulyas, P. Novotna (1), Heinstadt.
Penaltystatistik: Zug 3 von 6 (7./2:2 Heinzer scheitert an Siggaard, 37./19:13 Spieler scheitert an Wörner, 39./20:15 Lutz scheitert an Wörner).
Bemerkungen: Kreuzlingen u.a. ohne Olsovska (rekonvaleszent) und Plüss (verletzt).
Lade Fotos..