Nebst Bikern kamen beim Workshop im Rathaus auch Umweltschützer, Jäger oder Waldbesitzer zu Wort. zVg
14.12.2022 08:45
Mountainbiker im Fokus
Aktuell wird ein vom Regierungsrat beauftragtes Mountainbike Konzept erstellt. Im Rathaus Weinfelden trafen sich kürzlich 220 Interessenvertreter zu dem Thema. Bei einem Workshop wurden die verschiedenen Bedürfnisse diskutiert - und diese sind in der Tat grundverschieden.
Weinfelden «Da sind die Jäger, die sich um das Wild sorgen. Kritische Umweltorganisationen und die Vertreter von Forst und Wald, welche den Wald schützen wollen und die Regierung, die die Forderungen aus dem kommenden Veloweggesetz umsetzen und die rechtlichen Grundsätze regeln muss», zählt Peter Imbach vom kantonalen Tiefbauamt auf. Und auf der anderen Seite stünden die Mountainbikerinnen und Mountainbiker, welche sich attraktive und legale Trails wünschen. «Es sorgt immer für Diskussionen, wenn Akteure mit verschiedenen Interessen und Meinungen aufeinanderstossen.» Und das Thema Mountainbiken im Thurgau gehört zu den Angelegenheiten, die Klärung für alle Seiten benötigt. Dies zeigte der Workshop am 30. November deutlich. Zu Beginn bekamen Redner aus den verschiedenen «Gruppierungen» die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge aufzuzeigen.
Nationales Veloweggesetz kommt im 2023
Der Regierungsrat beauftragte Mitte Juni das Tiefbauamt, ein Mountainbikekonzept zu erarbeiten, um auf die Bedürfnisse und Konflikte zu reagieren. Eine zügige Umsetzung eines Konzeptes ist hinsichtlich des im nächsten Jahr veranlassten nationalen Veloweggesetz gegeben. Dabei erhalten die Kantone eine Planungsfrist von fünf Jahren und eine Umsetzungsfrist von zwanzig Jahren. «Für die Planungen wird nebst den Inputs der Workshop-Teilnehmenden die spezialisierte Firma Allegra Trails GmbH, Pontresina beigezogen», so Peter Imbach.
In dem Konzept soll die Zukunft des beliebten Outdoorsports verbindlich festgehalten werden. Als erster Schritt kamen Interessenvertreter im Rathaus in Weinfelden zusammen, um ihre Wünsche und Befürchtungen miteinander zu teilen. An verschiedenen Posten wurden diese Themen in Gruppenarbeiten angegangen. «Es wurde sachlich miteinander geredet und Lösungen gesucht. Der Gemeinschaftsgedanke war laut Peter Imbach deutlich zu spüren und die Meinungen der anderen wurden respektiert», so der Mitorganisator des Events. Etwas lauter wurde die Diskussion dann aber schon, denn für Betroffene wie Waldbesitzer oder eben Sportler tauchen mit dem geplanten Konzept neue Fragen auf. «Wie ist es rechtlich geregelt, wenn sich ein Biker auf meinem Land verletzt?». Oder seitens der Biker: «Stimmt es, dass Förster nach der Revision des Waldgesetzes Bussen verteilen können, wenn wir nicht befestigte Wege befahren?» Gesprächsbedarf war eindeutig da. Alle Fragen konnten noch nicht beantwortet, dafür in den «Bedürfnis-Katalog» aufgenommen werden.
Weniger Vereinsmitglieder
Andreas Zuber vom Velo und Mountainbike Club Märstetten war Teilnehmer des Workshops. «Respekt gegenüber anderen Nutzern zu haben, war ein grosses Thema», so der Biker. Doch für die Sportler im Bezirk Weinfelden sind die Möglichkeiten aktuell bescheiden. «Es ist nicht das Ziel, dass man mit dem Auto fahren muss, um auf einem Trail fahren zu können», findet Zuber. Daher würde er sich über offizielle, «legale» Trails zum Beispiel auf der Südflanke es Ottenbergs freuen. «Doch ich mache mir keine Illusionen. Übermorgen wird es dort noch keinen Trail geben.» Den Workshop sieht er aber als einen ersten guten Schritt in die richtige Richtung an. 7,9 Prozent der Schweizer bezeichneten sich laut einer Umfrage des Bundes 2020 als Mountainbiker. Eine überraschend hohe Quote, welche sogar die Fussballer übersteigt. Die Mitgliederzahlen beim VMC Märstetten sind jedoch stagnierend bis rückläufig. 25 Mitglieder zählt der Verein noch.
«Die Verkäufe von Velos und Mountainbikes schossen vor allem während dem Lockdown in die Höhe. Doch nicht alle Biker schliessen sich einem Verein an. Das Vereinsleben als solches hat es in allen Bereichen schwer», so Zuber. Man wolle sich nicht mehr binden. Dies sei seiner Meinung nach die grundlegende Problematik von Vereinen. Doch der Bedarf von Bike-Strecken in der Region sei nicht weniger da. «Vielmehr sind Biker alleine unterwegs oder bilden kleine Gruppen», weiss Andreas Zuber.
Das Tiefbauamt des Kantons Thurgau ist nun daran, die Ergebnisse des Workshops auszuwerten, und wird nach Abschluss über die Resultate berichten. Eines ist aber sicher: Der Thurgau wird attraktiver werden für Mountainbiker.
Desirée Müller