Musical Zeppelin hebt ab
Am Mittwoch feierte das Musical Zeppelin Uraufführung im Kreuzlinger Dreispitzsaal. Die Geschichte um die gehörlose Emma, welche die Zeppelinstadt auf den Kopf stellt, berührt dabei auf musikalischer und menschlicher Ebenen.
Am Mittwoch feierte das Musical Zeppelin Uraufführung im Kreuzlinger Dreispitzsaal. Die Geschichte um die gehörlose Emma, welche die Zeppelinstadt auf den Kopf stellt, berührt dabei auf musikalischer und menschlicher Ebenen.
Kreuzlingen «Wo sind dini Träum dehei?», singt der Chor Amazonas gegen Ende der Aufführung aus einem Munde. In der Zeppelinstadt natürlich, dort wo jede und jeder seine Wünsche und Neigungen frei entfalten kann. Doch zu Beginn des Musicals Zeppelin zeigt sich die Gemeinde noch in einem ganz anderen Bild. Die beiden Brüder Walo Rütsche (Christoph Wettstein) und Ruedi Rütsche (Chasper Curo Mani) liefern sich einen herrlich passiv aggressiven Streit auf der Bühne. Ersterer ist der derzeitige Stadtpräsident und fest davon überzeugt, bei der anstehenden Wahl im Sattel zu bleiben. Zweiterer macht ihm als OK-Präsident des Zeppelinfestes die Position des Stadtoberhaupts streitig. Zwischen den beiden Freundinnen Emma und Lily Rütsche (Valentina Russo) kriselt es ebenfalls. Grund ist der neue, charmante Stadtschreiber Tobias Gnehm (Philipp Nicklaus), welcher mit seinem beruflichen Ehrgeiz und schönen Augen die Köpfe der Mädchen verdreht. Und zu allem Überfluss geistert auch noch Graf Zeppelin über die Bühne im Dreispitz. Von seinem Innovationsgeist und Tatendrang ist im Vorfeld des grossen Zeppelinfestes jedoch wenig zu spüren. Vielmehr prägen Regeln und Verbote das Stadtbild. In der Inszenierung hängen dann auch übergrosse Tafeln von der Dreispitzdecke. Allgemein ist der Kreuzlinger Veranstaltungssaal nicht wiederzuerkennen: Eine angebaute Bühne führt in die Zuschauermenge hinein, Seilwinden lassen Elemente fliegen und Nebelmaschinen sorgen in Kombination mit der Beleuchtung für die gewünschte Stimmung.
Eindrücklich inszeniert ist ebenfalls die Hauptrolle der gehörlosen Emma Rütsche. Sie wird gleich von drei Darstellerinnen und Darstellern gespielt. Den Part des Schauspiels übernimmt die hörbeeinträchtigte Brigitte Schökle Staerkle, welche als Freigeist den Ordnungsdrang ihres Vaters über den Haufen wirft. Den musikalischen Part stemmt Nina Amon mit ihrer tragenden Stimme und solistischen Einlagen. Der ebenfalls gehörbeeinträchtigte Stefan Freiberger gebärdet die vielen Briefe, welche Emma an ihren Schwarm Tobias sendet. Seine emotionale und sinnbildliche Ausdrucksweise berührt, auch wenn man zuvor noch nie Gebärdensprache erlebt hat.
Begleitet wird die Aufführung des Musicals mit Kompositionen, welche gekonnt die Möglichkeiten eines Blasorchesters ausloten. Dirigent Stefan Roth muss dabei nicht nur sein Symphonisches Blasorchester Kreuzlingen beisammenhalten, sondern die Musik mit den Vorgängen auf der Bühne koordinieren. Eine gewaltige Live-Übertragung auf der gegenüberliegenden Seite der Bühne dient den Darstellenden dabei als Orientierungshilfe. Zwischendurch verschwimmt die strikte Trennung zwischen Begleitmusik und Aufführung und das Orchester findet sich plötzlich als Dorfmusik der Zeppelinstadt wieder. Autor und Komponist David Lang versteht es dabei gekonnt, nicht nur die jeweils passende Musik zu unterlegen, sondern die Szenen abwechslungsreich und mit der nötigen Menge an Witz und Schalk zu garnieren.
Eine Herkulesaufgabe hatte schlussendlich Regisseurin Barbara Tacchini zu meistern. Rund 100 Mitwirkende galt es zu einem ineinandergreifenden Gesamtbild zu formen. Dies gelang bei der Premiere vom Musical Zeppelin vom vergangenen Mittwoch mit natürlich anmutender Leichtigkeit. Wenn die Gymnastikgruppe Kreuzlingen die Verbotstafeln zum Leben erweckt, der Chor Amazonas Fähnchen schwenkend ihren Schutzpatron Zeppelin besingt und das Blasorchester aus allen Rohren klingt, ist das Musicalfeeling perfekt.
«Zeppelin-Ein Musical» ist noch bis zum 31. Dezember zu sehen und zu hören. Im Vorfeld zu den Aufführungen gibt es eine begrenzte Anzahl an 3-Gang-Menüs. Tickets gibt es unter www.zeppelin-musical.ch
Emil Keller
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