15.08.2024 10:26
Nächtliche SBB-Arbeiten werden jahrelang geplant
Bei Gleisarbeiten wird es laut, die Bevölkerung zeigt zwar Verständnis, doch an der Kommunikation mangle es
Es rattert, knirscht, quietscht und hämmert – nächtliche Arbeiten auf den Schienen können Anwohnern den Schlaf rauben. Das Verständnis der Befragten ist gross, an der Kommunikation hapere es aber. Martin Meier, Mediensprecher der SBB, erzählt, was an den Gleisen gemacht wird, was die Herausforderungen sind und warum die Arbeiten in der Nacht stattfinden müssen.
Region Bei Unterhaltsarbeiten erneuert oder ersetzt die SBB Schienen, Weichen, Schotter und Fahrleitungen, unterhält Sicherungsanlagen und Kabeldienste. «Sie baut und unterhält zudem Tunnel, Brücken oder Bahnübergänge – für einen sicheren und pünktlichen Bahnbetrieb », erklärt SBB Mediensprecher Martin Meier auf Anfrage unserer Zeitung. Um den Zugverkehr tagsüber aufrecht zu erhalten und die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewährleisten, sei die SBB gezwungen, einige der Arbeiten im Gleisbereich in der Nacht, bei gesperrtem Gleis und ausgeschalteter Fahrleitung auszuführen. «In der Nacht werden nur Arbeiten ausgeführt, die am Tag nicht realisiert werden können, weil sie zu nahe an den fahrenden Zügen oder der Fahrleitung sind oder die Sperrzeiten der Gleise zu kurz sind», so Meier weiter.
Schlaflose Nächte
Anwohnerin Nadine Fischli dröhnt es immer noch in den Ohren. Drei Nächte lang lag sie wach im Bett, vom Lärm der Gleisarbeiten geplagt. Denn die SBB informiert Anwohner an den Gleisen erst schriftlich, wenn die Arbeiten länger als vier Nächte dauern. Doch auch schon drei schlaflose Nächte können an die Substanz gehen. «Hätte ich von den Gleisarbeiten gewusst, hätte ich zum Beispiel meine Ferien anders planen können.» Dass die Unterhaltsarbeiten gemacht werden müssen, sei klar. Es mangle jedoch an der Information seitens SBB. Begrenzte Kommunikation SBB Mediensprecher Martin Meier hat vollstes Verständnis. Lärm mache keiner gern, so auch die SBB nicht. Er macht darauf aufmerksam, dass auf der Webseite laufend die aktuellen und geplanten Nachtarbeiten zu finden sind. Dazu könne man auch einen Newsletter abonnieren. Jedoch werden kurzfristige oder eben nur kurze Einsätze nicht publiziert. Wir fragen uns, ob eine Zusammenarbeit mit den Gemeinden sinnvoll wäre. Zum Beispiel eine Meldung in den lokalen Medien oder ein Vermerk auf dem jährlich erscheinenden «Grünabfuhrkalender ». Vielleicht ein Denkanstoss für die SBB? Eine Zusammenarbeit mit den Gemeinden gebe es durchaus bei grösseren Projekten, so Martin Meiers Antwort. Da stünden sie regelmässig in Kontakt mit den Betroffenen. Dass auch eine Nacht ohne Schlaf sehr unangenehm ist, versteht er, respektive kennt es selbst. Doch jede Arbeit zu kommunizieren sprenge leider den Rahmen an Ressourcen. Warum die längeren Arbeiten nicht im Winter stattfinden, fragen wir: «Im Sommer sind die Wetterbedingungen in der Regel stabiler und besser vorhersehbar.» Die Tage seien im Sommer länger, was bedeute, dass mehr Stunden Tageslicht zur Verfügung stehen. Dies ermöglicht längere Arbeitszeiten und somit schnelleren Fortschritt bei Bauprojekten. Einige Baumaterialien und Techniken seien dazu bei wärmeren Temperaturen einfacher und besser zu handhaben. Jahrelange Planung Der Zeitdruck sei gross und die Zeitfenster nachts sehr eng. «Und es ist natürlich immer das Ziel, die Baustelle am Morgen wieder rechtzeitig freigeben zu können, damit die Züge wieder gemäss Fahrplan verkehren können.» Solche Arbeiten müssen teilweise Jahre im Voraus geplant werden, damit die Intervallfenster reserviert werden können. «Nachts zu arbeiten ist für unsere Mitarbeitenden anstrengender, aufgrund der veränderten Licht- und je nachdem auch Temperaturverhältnisse. » Je nach Jahreszeit oder Ausrichtung der Schlafzimmer stören demnach nicht alle Anlieger den nächtlichen Lärm. Dazu sei es nachts ruhiger, die Geräusche der Baustellen stören dann mehr als tagsüber, so Meier.
Verständnis aus der Bevölkerung
Die Kreuzlinger Nachrichten haben auf Facebook eine Umfrage gestartet und gefragt, wie Anwohner die nächtlichen Gleisarbeiten empfinden: «Was sein muss, muss sein und gewisse Arbeiten können nun mal nur nachts durchgeführt werden», äussert sich Annelie Gähler, welche sich gut informiert fühlt. Valérie Bock wache ab und zu wegen dem Lärm auf, doch: «Es ist mir lieber so, als wenn tagsüber Ersatzbusse fahren.» Susanne Mäder aus Frauenfeld sagt: «Ich bin jeweils gedanklich bei den Mitarbeitenden, welche grossen Einsatz zeigen, trotz später Stunde. Sie findet dass man dankbar sein solle, dass das Schienennetz instand gehalten wird. In Nachbarländern sieht es anders aus.» Informationen zu Nachtarbeiten: www.sbb.ch/unterhalt
Von Desirée Müller