19.12.2023 09:45
Neue Leuchten aus altem Holz
Am 1. Dezember präsentierte Santo Simon Gysi seine Arbeiten zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Der Lehrer aus Bottighofen fertigt in seiner Freizeit einzigartige Lampen an, aus Altholz, in denen vorher Würmer gewütet haben.
Bottighofen Es ist eine besondere Stimmung, die einen in der Werkstatt von Santo Simon Gysi am Schulweg 4 in Bottighofen empfängt. Ein kleiner Kachelofen wärmt den Raum, glitzernde Lampen sorgen für eine indirekte Beleuchtung, man kommt zur Ruhe. Die Idee, Lampen aus Altholz herzustellen sei nicht ihm selbst gekommen, die Idee kam vielmehr zu ihm, sagt Santo Gysi. «Meine Frau hat einen Seminarraum, in dem Sichtbalken verbaut wurden. Passend dazu, wollte ich ihr aus Altholz Sockelleisten fertigen.» Als Gysi den ersten Balken, der aus einem alten Hochbeet stammte, in die Säge schob, fiel ihm etwas auf. «Der Balken war von innen komplett von Würmern zerfressen. Das Projekt Sockelleisten war damit erst einmal begraben.»
Wie verarbeiten, ohne das Holz zu zerstören?
Nachdem die alten Balken einige Zeit in seiner Werkstatt verstaubten, weckte Gysi die Neugier, was man daraus machen könnte. Die Idee, die wurmzerfressenen Gänge zu nutzen und auszuleuchten war geboren. Es entwickelte sich ein langer Prozess, dabei stellte sich Gysi diverse Fragen. «Ich musste überlegen, wie ich beim Verarbeiten des Holzes den intakten Teil erhalten kann, um die Gänge freizulegen. Denn die Würmer fressen nicht das Holz selbst, sondern verschiedene Substanzen, die im Holz enthalten sind. Dafür verwendet er selbstgebasteltes Werkzeug oder Druckluft. «Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass es damit ganz gut funktioniert.» Santo Gysi musste in dieser Zeit viel tüfteln und lernen, um möglichst effizient an die Sache heranzugehen. «Da ich das nur in meiner Freizeit als Hobby ausübe, schaffe ich etwa zehn Leuchten pro Jahr.»
Projekt als Ablenkung
Als Gysi mit der Arbeit an den Leuchten begonnen hatte, machte seine Familie eine gesundheitlich schwere Zeit durch. «Mich hat die Arbeit an den Leuchten erfüllt, ich konnte meinen Kopf von komischen Gedanken befreien.» Er sei schon immer leidenschaftlich gern am Handwerken gewesen, die Werkstatt sei für ihn eine Art Geschenk gewesen. «Als wir hierhergezogen sind, wusste ich noch nicht genau, was ich hier drin machen werde. Dass ich nun aber ein solch schönes Projekt gefunden habe, macht mich sehr glücklich.»
Passend zur Vorweihnachtszeit
Am 1. Dezember lud Santo Simon Gysi zu einer Vernissage in seine Werkstatt ein und war überwältigt von der grossen Resonanz und dem Interesse an seinen Arbeiten. «Ursprünglich hatte ich nur diese eine Vernissage geplant. Doch da ich die Werkstatt extra aufgeräumt habe nach der ganzen Arbeit, war mir der Aufwand für einen einzigen Abend doch zu gross.» Also öffnete Gysi seine Werkstatt jeden Freitagabend ab 20 Uhr für die Öffentlichkeit. So auch zum letzten Mal am morgigen Freitag. Dabei können Interessenten die Leuchten auch kaufen. «Preislich bewegen wir uns zwischen 250 für die Kleinsten bis 1200 Franken für die Grossen.»
«Man könnte meinen, dass die Preise etwas hoch sind, doch die verwendeten Premium-LED, die ansprechende Optik der Leuchten und die langwierige Verarbeitung des Holzes rechtfertigen die Preise», erklärte Santo Simon Gysi. «Ich habe mich für eine etwas teurere Technik entschieden, damit ich eine lange Lebensdauer garantieren kann.» Und er verspricht: «Sollte es doch mal Probleme geben, dann kann man mich jeder Zeit kontaktieren.»
Von Nico Wrzeszcz