V.l. Prof. Dr. med. Mathias Fehr, Chefarzt am Standort Frauenfeld, Dr. med. Margaret Hüsler-Charles, Co-Chefärztin am Standort Frauenfeld, Klinikdirektor Dr. med. Markus Kuther, Chefarzt am Standort Münsterlingen. zVg
03.10.2022 08:38
Neue Organisation der Frauenklinik in der Spital Thurgau AG
Die Spital Thurgau AG organisiert die Frauenkliniken der beiden Kantonsspitäler in Frauenfeld und Münsterlingen neu. Mit dem Zusammenschluss entsteht unter dem Klinikdirektor Dr. med. Markus Kuther, Chefarzt am Standort Münsterlingen, Prof. Dr. med. Mathias Fehr, Chefarzt am Standort Frauenfeld und Frau Dr. med. Margaret Hüsler-Charles, Co-Chefärztin am Standort Frauenfeld, eine der grössten Frauenkliniken der Schweiz.
Thurgau Die Geschäftsleitung der Spital Thurgau AG führt die beiden Frauenkliniken der Standorte Frauenfeld und Münsterlingen zusammen unter eine gemeinsame Leitungsstruktur. Dies stellt insbesondere zur standortunabhängigen optimalen Versorgung der Thurgauer Bevölkerung in allen Bereichen der Frauengesundheit eine Notwendigkeit dar. Die immer weiter fortschreitende Spezialisierung der Medizin - und so auch der Frauenheilkunde - zeigt sich in der Subspezialisierung, welche es in einem ländlich geprägten Kanton wie dem Thurgau zunehmend schwierig macht, eine hochspezialisierte Medizin in der Fläche anzubieten.
Ein weiterer Aspekt des Zusammenschlusses liegt in der Verbesserung der Ausbildungssituation für die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte. So ist es erfreulicherweise gelungen, den höchsten Ausbildungsstatus einer A-Klinik zu erlangen. Somit steht die gemeinsame Frauenklinik in einer exklusiven Reihe mit sämtlichen Universitätskliniken der Schweiz, sowie lediglich vier nicht universitären Ausbildungskliniken. Neben diesem erfreulichen Aspekt kann durch die Erlangung des A-Status auch die Aus- und Weiterbildung der Fachärztinnen und Fachärzte zur Erlangung von Schwerpunkttiteln im Sinne der Subspezialisierung erreicht werden.
Über beide Standorte verfügt die Spital Thurgau AG nunmehr über alle Subspezialisten (Schwerpunkttitelträger) und kann und darf diese auch ausbilden.
Folgende Zentren wurden in der Vergangenheit bereits gebildet und werden jetzt grösstenteils standortunabhängig zusammengefasst und weiterentwickelt:
1. Auf dem Gebiet der Brusterkrankung konnte neben dem seit Jahren bestehenden gemeinsamen Brustzentrum (ISO- und Krebsliga-zertifiziert) seit Ende 2021 der Standort Münsterlingen nach international anerkannten Qualitätsstandards der DKG-zertifiziert (Deutsche Krebsgesellschaft) werden. Der Standort Frauenfeld wird dieses Zertifikat in den nächsten Wochen erreichen. Mit über 200 primären Mammakarzinomen deckt das gemeinsame Brustzentrum nahezu alle neu aufgetretenen Brustkrebsfälle des Kantons unter höchsten Qualitätsansprüchen ab.
2. Daher war es nur konsequent, dass bereits im Jahre 2021 umfangreiche Anstrengungen unternommen wurden, um sowohl den Anforderungen der Initiative HSM (hochspezialisierte Medizin, Initiative des Bundes) zur Behandlung von Genitalkarzinomen gerecht zu werden, als auch den durchaus hohen Anforderungen von DKG an Qualität und Fallzahlen zu genügen. Dies führte zur Zusammenlegung aller derartigen Operationen an einem Standort in Münsterlingen unter Beibehaltung der Diagnostik und systemischen Therapie und somit der wohnortnahen Betreuung der Patientinnen an beiden Standorten. Im April 2022 wurde das gynäkologische Krebszentrum erfolgreich erstzertifiziert.
Für die Bevölkerung des Thurgaus mit derzeit ca. 285‘000 Einwohnerinnen und Einwohnern kann auf diese Weise eine nachgewiesen hochqualifizierte Medizin heimatnah im Kanton unter höchsten Qualitätsansprüchen aufrechterhalten werden. Die Spital Thurgau AG geht davon aus, dass sie somit auch für den national gültigen Leistungsauftrag erhält.
3. Das Perinatalzentrum Thurgau (PNZ) stellt mit über 2‘500 Geburten, mit der Betreuung von Risikoschwangeren, pränatalen Ultraschalluntersuchungen und Zweitmeinungen, einer kinderärztlichen Versorgung an beiden Standorten sowie einer neonatologischen Abteilung am Standort KSM, eine der sechs grössten geburtshilflichen Einrichtungen der Schweiz dar. Bis auf wenige Ausnahmen (extreme Frühgeburtlichkeit) trifft dies auch auf alle Aspekte der Geburtshilfe zu.
So konnte unter Einbeziehung der Kinderklinik am Standort Kantonsspital Frauenfeld eine umfassende pädiatrische Versorgung gewährleistet werden und in Zusammenarbeit mit der neonatologischen Intensivstation ein Grossteil aller Probleme, welche sich um Schwangerschaft und Geburt bei Mutter und Kind ergeben, im Kanton ausreichend versorgt werden.
4. Das über Jahre hinweg anerkannte und weit über die Grenzen des Thurgaus hinaus bekannte Blasenzentrum in Frauenfeld wird seine Expertise durch Sprechstundentätigkeit und gemeinsame Operationen auch am Standort Münsterlingen anbieten.
5. Um die umfassende Versorgung auf dem gesamten Gebiet der Frauenheilkunde abzurunden, besteht eine Kooperation mit dem Kinderwunsch- und IVF-Zentrum Milagro in Kreuzlingen. Ein enger personeller und inhaltlicher Austausch besteht bereits seit geraumer Zeit. Ein zukünftiges gemeinsames Ausbildungskonzept und die Bündelung der reproduktionsmedizinischen Operationen am Standort Münsterlingen ist erarbeitet und wird fortlaufend weiter umgesetzt.
Damit das Zusammenwachsen der beiden Kliniken nicht nur fachlich voranschreitet, wird eine Assistenz-Rotation ab Oktober 2022 über beide Standorte etabliert werden. Schon jetzt arbeiten die „Spezialistinnen und Spezialisten“ standortübergreifend an beiden Häusern. Ziel ist es, ein Maximum an Qualität in der Breite über das gesamte Fachgebiet an beiden Standorten und somit patienten-/wohnortnah anbieten zu können. Die Thurgauer Bevölkerung kann sich so gewiss sein, dass durch Einhaltung und Überprüfung der höchsten Qualitätskriterien eine Versorgung gleichwertig zu den grossen städtischen/ universitären Zentren garantiert sein wird.
Untengenannte Zentren sind bereits etabliert und die verantwortlichen Personen sind benannt:
Gemeinsames Brustzentrum Thurgau:
Leitung: Prof. Dr. med. Mathias Fehr
Stv. Leitung: Dr. med. Markus Kuther
Gynäkologisches Krebszentrum:
Leitung: Dr. med. Markus Kuther
Stv. Leitung: Prof. Dr. med. Mathias Fehr
Perinatalzentrum:
Leitung: Dr. med. Margaret Hüsler-Charles
Stv. Leitung: Dr. med. Norbert Wagner
Leitung Neonatologie STGAG: Prof. Dr. med. Peter Gessler
Blasenzentrum:
Leitung: Prof. Dr. med. Volker Viereck
Stv. Leitung: Dr. med. Irena Zivanovic
Fertilitäts- und Reproduktionsmedizin (am Standort Kreuzlingen):
Leitung: Dr. med. Remo Lachat, Milagro
Noch zu etablieren bleibt als grosse Herausforderung die Anerkennung als interdisziplinäre Beckenboden- und Endometriosezentrum. Die Voraussetzung mit Etablierung eines hausübergreifenden interdisziplinären und multiprofessionellen Beckenbodenboards ist bereits erfolgt. Dem Gedanken folgend sollen zukünftig hochkomplexe chirurgische Eingriffe fachgebietsübergreifend (Chirurgie, Gynäkologie, Urologie) sowohl robotisch als auch minimal-invasiv in unserem Zentrum etabliert und weiterentwickelt werden.
Der ungemeine Wissensfortschritt in der Medizin hat zur Folge, dass die Spezialisierung unaufhaltsam voranschreitet und nur unter Einbeziehung aller Expertisen kann eine umfassende Patientenversorgung in einem ganzheitlichen Ansatz gelingen. Den Herausforderungen für einen ländlichen Kanton wie dem Thurgau mit den entsprechend niedrigeren Fallzahlen kann nur die gemeinsame Frauenklinik Sorge tragen. In diesem Sinne hat die Zukunft gerade erst begonnen.
red