Das Team, welches Damian Brot (rechts)im Open Place vertreten wird (vl): Adrian Furrer, Flavia Hüberli, Silvia Nappo, Benjamin Arntzen. Kurt Peter
23.06.2022 05:30
Nicht werten, die Not lindern
Pfarrer Damian Brot geht in Studienurlaub und die Leitung des Open Place wird von einem Team übernommen
Das Open Place wird während des Studienurlaubs von Pfarrer Damian Brot durch ein erweitertes Team betreut. Damit können alle Angebote aufrecht erhalten und die Gäste gut betreut werden.
Kreuzlingen «Nach zehn Dienstjahren habe ich als Gemeindepfarrer einen Anspruch auf einen bezahlten Studienurlaub von sechs Monaten» erklärte Damian Brot gestern anlässlich einer Medienkonferenz, an der seine Vertretung im Open Place erläutert wurde. Als Leiter des inzwischen hoch anerkannten Angebotes nutze er den Studienurlaub, um «meine bereits begonnene Langzeitweiterbildung in den Bereichen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht und einer Masterarbeit im Bereich Sozialhilfe weiterzuführen». Diese Weiterbildung stehe im Kontext des weiteren Ausbaus von Open Place als einer sozialen Anlaufstelle in Kreuzlingen, «in der auch eine fachlich kompetente Sozialberatung angeboten werden kann». Da sich das Open Place zurzeit noch nicht die Anstellung eines Sozialarbeiters oder einer Sozialarbeiterin leisten könne, mache es Sinn, dass er sich in diesem Bereich ein vertieftes Wissen aneigne, erklärte Damian Brot.
Leitung neu geregelt
Von Ende Juli bis 15. Februar 2023 wird Damian Brot abwesend sein und der Betrieb im Open Place musste für diese Zeit neu geregelt werden. «Wir haben das im Team besprochen und haben die Zusatzaufgaben an bereits im Open Place Mitarbeitende verteilt», so Damian Brot. So wird Flavia Hüberli, die in der evangelischen Landeskirche für die Jugendarbeit zuständig ist die Administration und das Coaching des Teams und der Freiwilligen sowie die Andacht am Freitagmorgen übernehmen. «Das Open Place ist für mich ein neues, ein spannendes Feld», meinte sie.
Noch-Vikar Adrian Furrer wird im Open Place präsent sein. «Ich werde natürlich für Gespräche bereitstehen, werde vor allem das Café betreuen. Ausserdem werde ich meinen Arbeitsplatz in Kurzrickenbach haben», sagte der vor der Ordination stehende Mitarbeiter. Zusätzliche Aufgaben im Team wird auch Benjamin Arntzen übernehmen. Seit Beginn des Jahres hat er ein Mandat zur Projektleitung der Küche «und ich bin daran, neue Angebote aufzubauen, Kooperationen anzustossen und die Arbeit auf mehr freiwillige Schultern zu verteilen». Immerhin zählt der Mittagstisch etwa 20 regelmässige Besucherinnen und Besucher. Auf was er sich besonders freut, ist ein Kunstprojekt mit dem offenen Atelier: «Wir bringen dann Kunst in die Küche».
Mehr als 100 Freiwillige
Benjamin Arntzen erweitert seinen Zuständigkeitsbereich ausserdem in die Betreuung der Sozialen Medien des Open Place: «Wir gestalten im Sommer eine Reihe, in der wir die Mitarbeitenden vorstellen, es gibt hinter diesen Menschen viele spannende Geschichten, die es wert sind, erzählt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden». Die Reihe werde auf den Open-Place-Kanälen zu sehen sein.
Silvia Napo ist seit Beginn an dabei. «Bei der Gründung 2014 hat sich sehr viel getan», blickte sie zurück. Der Beginn sei bescheiden gewesen, das erste Angebot, das Café habe sich aber rasch entwickelt. «Mir ist es wichtig, dass der Karren am Laufen bleibt». Die später entstandene Kleiderbörse ist ein, auch aufgrund des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Flüchtlingen, Angebot, das «im Moment einem sehr grossen Bedürfnis entspricht». Silvia Napo betonte, dass es wichtig sei, Konflikte zu vermeiden. «Das ist am einfachsten, wenn man die Ruhe behält». Das Open Place integriere viele Menschen, schaffe Strukturen für Menschen mit Handicap. Diese Mitarbeitenden seien ihr sehr wichtig, weil sie oft mit viel Feingefühl auf andere Menschen zugehen könnten.
«Es ist nicht an uns, zu werten, es ist an uns, die Not zu lindern», bringt es Silvia Napo auf den Punkt. Das Open Place sei dabei auf die Freiwilligen angewiesen. Damian Brot muss lange nachdenken und die Angebote im Kopf durchgehen. Dann heisst das Resultat: «Es sind mehr 100 Menschen, die uns im Open Place zur Seite stehen und unterstützen».
Von Kurt Peter