Probleme vorprogrammiert
Neun Parkplätze für ein ganzes Ärztezentrum - Die Stadt ging nicht auf den Vorschlag der Bauherren ein
Patienten müssen vor einer Arztpraxis parkieren können - ein Fakt, den wohl keiner abstreiten
Patienten mit einer Gehbehinderung sind die Leidtragenden.
Patienten müssen vor einer Arztpraxis parkieren können - ein Fakt, den wohl keiner abstreiten
Weinfelden An der Feststrasse 6, hinter dem Bahnhof ist das neue Dienstleistungsgebäude im Juni einzugsbereit. So auch für die Hauptmieterin «Ärzte im Zentrum». Die Lage ist für Patientinnen und Patienten,
die mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, perfekt. Die Räumlichkeiten grosszügig angelegt und auf dem neusten Stand. Doch für alle, die mit dem Auto unterwegs und nicht gut zu Fuss sind, stellt der Standort ein Problem dar. Denn: Es fehlen bekanntlich Parkplätze. Die öffentlichen rund um das neue Gebäude sind während den Schulzeiten mehrheitlich von den Schülerinnen und Schülern des Berufsbildungszentrum besetzt. Die
Parkplätze des Neubaus sind in der Tiefgarage auf der gegenüberliegenden Seite der Parzelle, vor dem Haus
waren keine für Patienten reservierte vorgesehen. Denn: «Ein zentral gelegenes Ärztezentrum müsste meiner
Meinung nach grundsätzlich im Interesse einer Gemeinde sein. Wir haben der Stadt Weinfelden frühzeitig einen konstruktiven Vorschlag unterbreitet, der aber nicht akzeptiert wurde», sagt Bauherr Urban Ruckstuhl von der Thurgauer Tagblatt AG.
Zehn Parkplätze waren dabei teilweise auf dem Grund der Thurgauer Tagblatt AG und teilweise auf öffentlichem
Grund geplant gewesen, im Gegenzug war die Thurgauer Tagblatt AG bereit, das Trottoir aus Sicherheitsgründen
auf den Grund der Thurgauer Tagblatt AG verlegen zu lassen. Dieser Vorschlag wurde vom Stadtrat mit einem Mehrheitsentscheid abgelehnt. Man könne keine Ausnahmen machen, habe es seitens der Stadt geheissen. Doch Ruckstuhl möchte das Thema nicht weiter vertiefen, sie hätten eine alternative Lösung gefunden. Heute können der Ärztegemeinschaft fünf Parkplätze für Patienten ausschliesslich auf dem Land der Thurgauer
Tagblatt AG zur Verfügung gestellt werden. Fünf Parkplätze für Patienten von 13 Ärztinnen und Ärzte in zehn Praxen sind natürlich zu wenig. So werden Beschwerden seitens der Bevölkerung laut, welche den Umzug von der Rathausstrasse zwar verstehen, die Parkplatzproblematik aber überhaupt nicht. Und wer ist daran schuld? «Die Stadt», so die Meinung der Aussenstehenden. Doch: «Grundsätzlich ist es Aufgabe des Eigentümers und nicht der Stadt, sich um geeignete Parkplätze für die Mieterschaft zu kümmern», sagt der zuständige Stadtrat Hans Eschenmoser. «Die Eigentümerin des Grundstücks hat vor dem Eingang des Ärztezentrums bewusst keine
Parkplätze geschaffen.» Das Baubewilligungsgesuch wurde ohne Parkplätze vor dem Gebäude eingereicht.
Der Stadt waren die Hände gebunden, sie musste das Gesuch bewilligen. Denn die baurechtlichen Bedingungen waren erfüllt: Das Projekt sah genügend Parkplätze vor, einfach nicht auf dem eigenen Grund vor dem Gebäude, sondern in der Tiefgarage. Probleme waren demnach «vorprogrammiert». Ein Trend, der bei Neubauprojekten gerne umgesetzt wird: Die Nutzfläche, welche Mieteinnahmen bringt, bis zum Limit ausnutzen. «Allfällige Probleme daraus sollen dann andere lösen», so Eschenmoser. Ende letzten Jahres hat die Praxis Infra Thurgau
AG als Mieterin die Stadt Weinfelden über die befürchtete Parkplatz-Problematik vor dem künftigen Ärztezentrum
informiert. Für den Stadtrat sei es nach wie vor nachvollziehbar, dass es für die Patientinnen und Patienten der Arztpraxis eine praktikable Lösung braucht. «Wer beispielsweise nicht gut zu Fuss ist, soll keinen weiten Weg vom Parkplatz bis zur Arztpraxis haben müssen», so Eschenmoser weiter. Auf Lösungssuche Die Stadt hat deshalb im direkten Austausch mit der Mieterschaft nach einer Lösung gesucht. Nach diesem Dialog sieht die Stadt vor, vier öffentliche Parkplätze, die sich vor dem neuen Gebäude entlang der Feststrasse befinden, mittels Konzession zur Nutzung der Praxis Infra Thurgau AG zu überlassen. So können Patientinnen und Patienten diese
Parkplätze während den Öffnungszeiten nutzen. Damit sollen besonders vulnerable Personengruppen geschützt werden. Die Konzessionsgesuch ist aktuell öffentlich aufgelegt. So stehen den Patientinnen und Patienten künftig neun reservierte Plätze zur Verfügung.
Von Desirée Müller
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