14.10.2022 09:25
Raub, Rotlicht und Alkoholvergiftung
Der Weinfelder Autor erzählt von seinem neusten Buch
Das neue Buch von Jyoti Guptara liest sich wie ein wilder Roman, der nur dem Kopf eines sehr kreativen Autors entsprungen sein kann. Doch es ist eine Biografie zweier junger Gründer einer Schuhmarke. Ein Treffen mit dem einstigen hoch gefeierten Weinfelder Autor, der mit einem Bestseller zurück ist.
Weinfelden Das letzte Mal sahen wir uns vor 15 Jahren. Es war einer meiner ersten Zeitungsartikel, den ich schrieb und ich weiss noch, wie beeindruckt ich von den vier Jahre jüngeren Zwillingsbrüder war, als sie ihre Buchreihe vorstellten. Und nun treffen wir uns wieder, dieses Mal im Kafi Madörin in Weinfelden. Pünktlich auf den Glockenschlag trifft der geschäftige Jyoti ein. Seit fünf Jahren ist er verheiratet, lebte zwischenzeitlich mit seiner Frau in Winterthur, doch dann zog es das Paar wieder zurück ins Herz des Thurgaus. «Ich bin froh, dass sie mich kennenlernte, als ich beruflich gerade eine Berg und Talfahrt durchlebte», sagt er und nippt an seinem Cappuccino. «So weiss ich, dass sie mich um meinetwillen liebt», sagt er verschmitzt und rückt sich seine Brille zurecht. Die beiden sind ein Dream-Team sondergleichen. Sie ist diejenige, welche seine Zeilen als Erste lesen darf und ihn bei der Koordination der Vorträge unterstützt. «Wollte kein Schmarotzer sein» Er erinnert sich einige Jahre zurück: «Der Buchverkauf war ausgetrocknet und ohne Berufsbildung bekam ich keinen Job. Doch ich wollte irgendwann heiraten, aber nicht als Schmarotzer dastehen», erzählt der Autor ganz offen. Jyoti spricht perfekt Thurgauer Deutsch, doch immer wieder funkt ein englischer Satz dazwischen, was ihn umso charmanter macht. Er öffnet seine Tasche, holt ein Buch hervor und legt es achtsam auf den Bistrotisch. «Gerade angekommen», sagt er und fährt über das Softcover. Sein Name steht unter dem Titel «The Joya Way». «Gemeinsam mit den Protagonisten Karl Müller und Claudio Minder haben wir das Buch in neun Tagen erschaffen - zumindest den Leitfaden», erzählt er. Die drei Männer hätten sich jeweils für einige Tage in ein Hotelzimmer verzogen, um konzentriert arbeiten zu können. Ich blättere das Buch durch und erkenne, dass es sich um Kurzgeschichten handelt. Später am Abend bin ich schon bis zur Hälfte durch. «Na komm, nur noch eine Seite», sagte ich mir und dann war es plötzlich Mitternacht.
Die Zeilen sind sehr ehrlich, amüsant, verblüffend und lehrreich geschrieben. In den Geschichten wird übel mit Missetätern abgerechnet und bei einigen Storys hätte ich zweimal überlegt, ob ich diese publik machen möchte. Vom Fotoshooting mit Damen aus dem Rotlichtmilleu, zum Raub von Schuhen im Wert von vier Millionen Euro bis zum Deal mit einem ungarischen Unternehmer, für diesen sich die Gründer fast eine Alkoholvergiftung holten. Testleser und Moderator Reto Scherrer stimmt mir zu: «Ich bin überrascht, wie vieles die Joya-Gründer preisgeben.» Für einmal halten Guptara-Fans also keinen Fantasy-Roman in den Händen. Doch das Management- Konzept der Schuherfinder ist keineswegs weniger spannend - ganz im Gegenteil.
Sohn des MBT-Gründers
Wie wohl die meisten Leserinnen und Leser auch, kannte Jyoti Guptara die MBT Gesundheitsschuhe - hilfreich, aber wenig sexy. Joya-Mitbegründer Karl Müller ist der Sohn des gleichnamigen Erfinders. Müller Senior hatte anfangs wenig Freude daran, als der Junior sein grösster Konkurrent wurde. Eine ähnlich innovative Abrollsohle bekannt durch MBT kommt auch bei den Joya Schuhen zum Einsatz. Doch der Look ist ein anderer. «Mittlerweile haben sich Vater und Sohn versöhnt und arbeiten zusammen», erzählt Jyoti. Traum ging in Erfüllung Die Geschichte für das Buch war somit gesetzt als der Autor engagiert wurde. Nun galt es, sie so zu erzählen, dass sie zum Bestseller wird. Eine Herausforderung für den Schreiberling, der bisher seiner Fantasie freien Lauf geben konnte. Doch die Entwicklung von «The Joya Way» berauschte den Weinfelder und zeigte ihm eine neue Seite des Buchschreibens auf. Für andere Geschichten zu erzählen ist nicht neu für Guptara. Alles begann, als er sich für einen Versicherungsjob bewarb und sich nicht einmal vorstellen konnte. «Kurze Zeit später bekam ich von der gleichen Firma eine Anfrage für einen Workshop», erzählt Jyoti und schüttelt den Kopf. Da wurde ihm klar: «Das ist das, was ich gut kann und das ich gerne mach. Nicht Versicherungen verkaufen, aber die Werte eines Unternehmens in Form einer Geschichte zu erzählen.» Heute wird Guptara von Grosskonzernen wie «Roche» für Schulungen und Speeches gebucht und berät Führungskräfte zu ihrer «Storytelling- Strategie». Doch mit dem Schreiben von Romanen ist noch lange nicht Schluss: Es ist noch unter Verschluss, doch wird Guptara mit einem weltweit bekannten Autor, der Millionen von Büchern verkaufte einen Thriller auf den Markt bringen. Doch mehr davon Ende Jahr..
Lesung am 25. Oktober, Kirchgemeindehaus, Kirchgasse 8, Weinfelden kostenlos 19 Uhr.
Von Desirée Müller