Sie diskutierten über den Seeburgpark (vl.): Michael Schmitt, Elina Müller, Guido Leutenegger und Walo Abegglen. Kurt Peter
31.03.2022 07:00
Richtplan lässt fast alles zu
Der Kreuzlinger Seeburgpark soll möglichst bleiben wie er ist - Im Vordergrund stehen Ruhe, Naturschutz und Freizeit
An einem Podium wurde in der Diskussion schnell deutlich, dass der Seeburgpark in den heutigen Nutzungen belassen, publikumsintensivere Anlagen im Gebiet Klein Venedig umgesetzt werden sollen. Der geltende Richtplan bedarf aber kleinerer Anpassungen.
Kreuzlingen Die SP lud zum Stadtgespräch ins Seemuseum zum Thema «Seeburgpark - wie nutzen und schützen?». Unter der Leitung von Walo Abegglen diskutierten Bauverwalter Michael Schmidt, Gemeinderätin Elina Müller und Gemeinderat Guido Leutenegger. «Der geltende Richtplan Seeburgpark aus dem Jahr 2003 regelt Nutzung, Schutz und Verkehr», erklärte zunächst Michael Schmidt. Es sei genau definiert, wo die verschiedenen Zonen und Nutzungen lägen, offene Landschaft, Baumbestand, Erholungs- und Freizeitanlagen, Gebiete für Landwirtschaft und Wohnen sowie Naturschutzgebiete seien festgehalten.
Nutzungen festlegen
Der Richtplan Seeburgpark geht auf eine Motion des damaligen Gemeinde- und späteren Stadtrates Guido Leutenegger zurück. «Als die Realisierung eines Beach-Volleyballplatzes zur Diskussion stand, musste der Standort definiert werden. Zudem galt es festzulegen, welche Nutzungen im Park überhaupt erwünscht sind und auch darum, nicht alle damals trendigen Wünsche erfüllen zu wollen», blickte er zurück. In die Erarbeitung des Richtplanes seien alle damals im Gemeinderat vertretenen Parteien sowie Fachplaner beigezogen worden. Einer dieser Planer habe in Bezug auf den Park von einer «unschweizerischen Grosszügigkeit» gesprochen. «Es ist jedenfalls kein Richtplan, der weiterentwickelt werden muss».
«Seit Inkrafttreten des Richtplans sind 20 Jahre vergangen, die Stadt und die Gesellschaft haben sich verändert», meinte Gemeinderätin Elina Müller. Für sie seien sanfte Anpassungen und eine Weiterentwicklung deshalb schon ein Thema. Die SP habe eine Online-Umfrage zum Seeburgpark lanciert und es zeichne sich ab, dass Ruhe und Naturschutz einen hohen Wert hätten. Die Nutzung der Wiesen und Anlagen werde positiv beurteilt. Allerdings werde ein guter Badezugang vermisst.
Klein Venedig intensivieren
«Der Seeburgpark hat eine überregionale Strahlkraft, ist ein Ausgleichsort für die Stadt», meinte Michael Schmidt. Der Auftrag der Bauverwaltung und der Politik liege im Bewahren der Anlage. «Der Richtplan ist kein Zufalls- sondern ein gutes Regelwerk». Interne Diskussionen jedenfalls hätten ergeben, dass das Gebiet eine Oase bleiben solle. «Eine Badegelegenheit schaffen heisst auch, Infrastruktur zu realisieren und aufsichtspflichtig zu sein» entgegnete Guido Leutenegger. Ausserdem werde niemand gebüsst, wenn er im Seeburgpark bade. «Der Richtplan lässt das zu, die Mischung zwischen Naturschutz und Nutzung habe sich bewährt, «der Park hat nationale Bedeutung, die Pflege der Naturschutzgebiete wird von Bund und Kanton bezahlt».
«Wenn wir eine publikumsintensivere Nutzung mit einem Seezugang wollen, dann ist dieser für das Gebiet Klein Venedig angedacht», erklärte Bauverwalter Schmidt die Gedanken des Stadtrates. Die Nutzungsintensivierung sei vom Schifffahrtshafen bis Konstanz wünschenswert. Der bessere Seezugang könne auch grenzüberschreitend realisiert werden. «Eine spannende Planung, die wir uns gemeinsam mit Konstanz überlegen». Im Seeburgpark selbst lägen die Erweiterung des Tierparks, die Auflösung des Tennisplatzes sowie ein Permakultur-Park auf dem Tisch. Der Baurechtsvertrag für die Minigolfanlage laufe 2026 aus. Längerfristig sei auch hier eine neue Nutzung denkbar. «Nach Genehmigung der Ortsplanrevision wird die Stadt Anpassungen im Richtplan prüfen».
Hafenplatz mehr beleben
Den Tennisplatz bezeichnete Guido Leutenegger ohnehin als «Fremdkörper», einen Permakultur-Park hingegen lasse der Richtplan zu. «Wenn ich mir auch eine kleinere Fläche als die zur Diskussion stehenden drei Hektaren wünschen würde». Er wehre sich nicht gegen Anpassungen des Richtplans, habe aber heute nichts gehört, was eine Anpassung nötig mache». Man dürfe den Seeburgpark nicht mit einem Naturschutzgebiet verwechseln, auch wenn das Gebiet von nationaler Bedeutung sei. «Im Seeburgpark hat vieles Platz, das macht ihn ja auch so einzigartig».
Einen grossen Handlungsbedarf sah Michael Schmidt in Bezug auf das Partygeschehen der letzten beiden Sommer. «Kulturelle Veranstaltungen werden geschätzt und sollen weiterhin möglich sein». Er erwähnte dabei das SeeBurg-Theater, das Seemuseum oder städtische Events. «Als der Richtplan erarbeitet wurde, war es der Wunsch, dass die meisten Veranstaltungen auf dem Hafenplatz stattfinden sollten und so der Druck auf den Park gering bleibt», blickte Leutenegger zurück. «Das wird leider nicht gelebt, der Hafenplatz damit nicht zusätzlich belebt und das sollte der Stadtrat bei Bewilligungen mehr berücksichtigen.
Von Kurt Peter