Isabelle Krieg gibt dem Werk "Life Jacket (Earth)" den letzten Schliff vor der Ausstellungseröffnung am Freitag. Kurt Peter
09.02.2023 00:00
Sammeln und bewahren
Die Kunstkommission feiert Jubiläum - Die Sonderausstellung zeigt einen Ausschnitt aus der Tätigkeit
Die Kreuzlinger Kunstkommission feiert Jubiläum und die Bevölkerung soll etwas davon haben. Im Museum Rosenegg sind bis 1. Juni Werke zu sehen, die seit 55 Jahren für die Stadt angeschafft wurden. Vernissage ist morgen Freitag.
Kreuzlingen «Anlässlich der Vorbereitungen zum grossen Stadtfest im vergangenen Jahr sind wir in den Protokollen auch auf die Gründung der Kunstkommission gestossen», erklärt Stadträtin und Präsidentin der Kunstkommission, Dorena Raggenbass an der Medienkonferenz im Vorfeld der Ausstellung «Kunst der Stadt». 55 Jahre gibt es die Kunstkommission, die auf eine Motion im Gemeinderat zurückgeht. «Ernst Mühlemann war es, der 1966 die Initiative ergriff und 20 Gemeinderäte unterschrieben die Motion», blickt Dorena Raggenbass zurück. 1967 fand dann die Gründung statt.
«Kreuzlingen verschönern»
Der Auftrag an die Kunstkommission: «Kreuzlingen verschönern, Kunst für die Stadt kaufen. Gefördert werden regionale Künstler». Dazu standen der Kommission damals jährlich 3000 Franken zur Verfügung, «allerdings war bald klar, dass mit dieser Summe kaum qualitativ gute Kunst angekauft werden kann», so die Stadträtin. Heute hat die Kunstkommission 35'000 Franken jährlich zur Verfügung und kauft zwei bis drei Werke an, unterstützt aber auch spezielle Projekte wie etwa die Videotage oder das Fotoforum. Die Eckpunkte der Kommission: «Bewahren», «Fördern» und Entdecken».
Kuratiert wird die Ausstellung von Dolores Claros-Salinas, Mitglied der Kunstkommission. «Die angeschafften Kunstwerke fanden ihren Platz in den Büros der Verwaltung oder im öffentlichen Raum. Der Auftrag, Kunst für eine Kleinstadt zu beschaffen und dabei die regionalen Künstler zu fördern, war zu Beginn nicht einfach zu erfüllen.» Die Kuratorin bezeichnet die Arbeit der Kunstkommission als «städtisch-gesellschaftliche Aufgabe». Von den Anfängen bis heute sind 800 Werke zusammengekommen. Dabei habe sich die Kommission immer die Fragen stellen müssen, was bewahrt werden und was gesammelt werde solle.
Raus aus dem Keller
«Die Ankäufe wurden mit dem Gedanken getätigt, in welches Büro der Verwaltung das Werk passen könnte», führte Dolores Claros-Salinas weiter aus. Denn ein eigenes Museum für die Kunst gebe es ja nicht. Viele Bilder seien auch im Kulturgüter-Schutzraum untergebracht. Deshalb könne die Ausstellung auch unter dem Motto «raus aus dem Keller, raus aus den Büros, rein ins Rosenegg» gesehen werden. Und als «Museum der Stadt» sei das Rosenegg auch der richtige Ort, sagte Museums-Leiter David Bruder.
Unter dem Eckpunkt «Entdecken» sei es wichtig, die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern, erklärte die Kuratorin weiter. Da sei in den letzten Jahren viel passiert. Dorena Raggenbass verwies in diesem Zusammenhang auf die Kunst am Bau: «Stadt, Schule und Kanton realisieren ein solches Werk auch am Familien- und Freizeitbad Egelsee». Ausserdem werde unter dem Titel «Entdeckung des Stadtraumes» ein Wettbewerb im Bodan-Quartier ausgeschrieben. «Entdecken» heisse für die Kunstkommission auch, zukunftsorientiert zu handeln. «In diesem Sinne ist es interessant, Kunst von heute im historischem Rahmen zu präsentieren»
Die ganze Stadt miteinbezogen
Damit die Werke «raus aus dem Keller, raus aus den Büros» kommen, sei eine Leihgabe möglich. «Wir stellen derzeit eine entsprechende Homepage zusammen, auf der Interessierte Werke für eine Leihgabe aussuchen können», so Dorena Raggenbass. Natürlich unter den entsprechen Vorgaben. Denn «unsere Kunst ist wohl keine Wertanlage, aber wertvoll als Zeitzeugin und muss deshalb erhalten werden». In die Ausstellung sei die ganze Stadt einbezogen, so David Bruder, der damit auf das umfangreiche Rahmenprogramm aufmerksam machte.
Im Museum selbst gebe es anlässlich der Kunstnacht am 25. März eine Kuratorenführung durch die Ausstellung, das Museum sei von 16 bis 23 Uhr geöffnet. Peter Forster führe am 12. April, 19 Uhr, durch den «Fotoforum-Raum» der Sonderausstellung. «Spannend wird sicher die Gesprächsrunde am 10. Mai zum Thema Sammeln, eine Leidenschaft». Unter der Moderation von Ueli Vogt und Reto Müller diskutierten Markus Landert, Barbara Stark und Karin Dammann. Einblick in den Kulturgüter-Schutzraum im Schulhaus Seetal gibt es am 1. März unter der Führung von Dorena Raggenbass. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die «Entdeckung des Stadtraumes» ist mit Nadja Miani an den von ihr gestalteten «Mittagsgesprächen» möglich. So am 16. Februar an der Weinstrasse, am 2. März an der Hauptstrasse 14, am 20. April beim Findling auf dem Schrofen und am 11. Mai beim Signerbrunnen an der Markststrasse. Die Kreuzlinger Kunstvermittlerinnen Susanne Bollier und Iris Hoess bieten Führungen für Kinder und Jugendliche ab dem 3. Schuljahr an.
Von Kurt Peter