02.02.2023 08:29
Schlemmen ohne «Metzg»
Metzg im Schlemmerzenter geschlossen
Die Stadt sucht nach der Schliessung der Metzg von Kevin und Kaj Olbrecht im Schlemmerzentrum einen Nachmieter. Die Hintergründe zum plötzlichen Abgang und der Zukunft haben Ruedi Wolfender und Roger Mohn.
Kreuzlingen Man wolle nur über die Zukunft sprechen, nicht über die vergangenen Tage, betonte Ruedi Wolfender, Leiter Gesellschaft und Liegenschaften der Stadt zu Beginn der Medieninformation. Doch ganz ohne Rückblick gehts dann eben doch nicht. Aber von Anfang an: Der Alltag in der Bäckerei Mohn läuft weiter wie gewohnt. Nur eine Sache lässt die Kundschaft beim Betreten des Schlemmerzentrums kurz innehalten. So gleicht die einstige Metzg einem abgesperrten Tatort. Eine Plane versperrt den Blick in den Verkaufsraum. Nur ein enger Spalt lässt einen Blick in die sonst reichlich gefüllte Fleischtheke zu. Und durch diesen schlängeln wir uns nun und stehen in dem leeren Raum, der seit 1996 einfach zu Kreuzlingen gehörte. Kevin und Kaj Olbrecht übernahmen im Mai 2022 die Metzgerei von Rolf Bolliger. Neun Monate, in denen laut Mohn Mitarbeiterin Monika Krauss der Laden gut lief. Zumindest an der Anzahl Kunden, die ein und aus gingen, gemessen. Die Zugänglichsten seien die Olbrechts nicht gewesen, hört man aus Roger Mohns Worten heraus. Gemeinsame Aktionen waren weniger erwünscht, doch angenehme Nachbarn waren sie durchaus. Da könne er nichts Schlechtes über sie sagen. Vielleicht waren sie durch Rolf Bolliger auch «verwöhnt». Nach so vielen Jahren waren die beiden Unternehmen wie ein altes Ehepaar bestens eingespielt.
Von heute auf morgen weg
«Und dann hing da ein Schild an der Eingangstüre», erzählt Ruedi Wolfender. So bleibe die Metzg bis auf Weiteres geschlossen. Erst ein Anruf im Konkursamt gab Klarheit: Olbrechts meldeten den vorläufigen Konkurs an. Es dauerte eine Weile, bis die Stadt den Kontakt zu den Mietern herstellen konnte. «Die Stadt war erst seit Dezember die Vermieterin. Es kamen Gerüchte auf, dass wir die Mietpreise erheblich erhöht hätten und Olbrechts daher Konkurs anmelden mussten», sagt Wolfender und schüttelt den Kopf. Für die Stadt Kreuzlingen ist es nicht nur schade, dass sie eine Metzg mit Tradition verloren haben, sondern auch, dass ihnen nun ein Mieter fehlt. Und einen neuen zu finden im Wissen, dass das Gebäude spätestens in fünf Jahren abgerissen wird, werde wohl eine Herausforderung. Geld und Zeit in ein neues Ladenkonzept, zum Beispiel ein Bistro, zu investieren, lohne sich nicht für die Mohns. Wolfender schwebt eine Art kleine Markthalle vor. Allenfalls könnten verschiedene Anbieter aus der Region ihre Produkte darin ausstellen und mit minimaler Infrastruktur würde so ein attraktives Angebot für die Stadt entstehen. «Wir brauchen jedoch einen Ansprechpartner, der als Mieter auftritt und alles managed», so Wolfender. Auch sieht er ein Cateringunternehmen in den Räumlichkeiten. Schliesslich sei der Laden bestens ausgestattet mit Kühl- und Tiefkühlraum sowie allen nötigen Gerätschaften. Optimalerweise würde der Nachfolger das Inventar mitübernehmen, doch dies sei kein Kriterium für eine Zusammenarbeit. Unabdingbar sei jedoch die Branche. «Wir möchten kein Reisebüro oder einen Coiffeur im Schlemmerzentrum.» Roger Mohn lächelt beim Gedanken daran, dass seine Brötchen künftig einen Hauch von Haarlack tragen könnten. Bürokratie bald abgeschlossen Verhältnismässig schnell war alles geklärt. Der Kontakt zu den Mietern kam zu Stande und der Konkursverwalter kam für einen Augenschein vorbei. In der Theke lagen laut Ruedi Wolfender noch frische Waren. Wohl habe dieser noch die restlichen Würstli verkauft. So fliesst alles in die Konkursmasse und gehört sofort nach der Konkursanmeldung nicht mehr dem einstigen Eigner. Trotz des schnellen Abgangs der Olbrechts sehe der Laden tip top aus. Die Geräte seien gereinigt und grundsätzlich könne der Nachmieter in kurzer Zeit einziehen. Bäckerei bleibt Für Roger Mohn ist klar, dass sie am Standort bleiben wollen. Wenn auch nicht in dem Gebäude, denn der Abbruch ist aus Sicherheitsgründen unumgänglich. Er stellt sich einen mobilen Container vor, welcher während der Bauphase des neuen Gebäudes auf dem Gelände platziert werden könnte. Denn die Bäckerfamilie ist ist vor 27 Jahren gekommen, um zu bleiben.
Von Desirée Müller