Seraina Perini (links) und Susanne Burgmer stellten die beiden Schulbudgets vor. Kurt Peter
26.10.2023 00:00
«Schulraum ist ausgereizt»
Ungebremster Anstieg der Schülerzahlen macht in den kommenden Jahren hohe Investitionen notwendig
Sowohl die Kreuzlinger Primar- wie auch die Sekundarschulgemeinde rechnen im Budget 2024 mit einem Verlust. Die Steuern werden trotzdem nicht erhöht, die Eigenkapitalquote soll so wie gewünscht gesenkt werden.
Kreuzlingen «Budgetieren ist spannend und eine Herausforderung», sagte Schulpräsidentin Seraina Perini anlässlich der Vorstellung beider Schulbudgets. Vor allem aber spielten viele unbekannte Faktoren eine Rolle. Faktoren wie Inflation, Kriege, Zinsentwicklung, Energieunsicherheit oder die Konjunktur. «Was wir aber wissen ist, dass die Schülerzahlen steigen und daher Investitionen in Infrastruktur und Ausbau von Schulräumen auf uns zukommen». Gegenüber dem Jahr 2019 sei die Zahl der Schüler um 300 gestiegen, was 15 Klassen entspreche. «Die Möglichkeit, durch Umnutzung und Ergänzung Schulraum zu schaffen, ist ausgereizt», machte die Schulpräsidentin deutlich.
Personalkosten steigen deutlich
Susanne Burgmer, Leiterin Finanzen, erläuterte zunächst das Budget 2024 der Primarschule. Dieses schliesst mit einem Verlust von 1,766 Millionen Franken ab. «Der Personalaufwand steigt gegenüber 2023 um 900'000 Franken, geschuldet unter anderem auch der Anpassung der Löhne der Kindergärtnerinnen». Auch der Beitrag an den kantonalen Finanzausgleich steigt, das Budget rechnet mit 4,17 Millionen, eine Steigerung um 613'000 Franken gegenüber 2023. Der Ertrag aus den Steuern wird mit 568'000 Franken höher eingeschätzt. «Trotz des Verlustes wollen wir keine Steuererhöhung, das Resultat trägt dazu bei, die überhöhte Eigenkapitalquote zu senken». Die Stimmberechtigten werden daher am 26. November über ein Budget mit gleichbleibendem Steuerfuss von 46 Prozent befinden.
Auch die Sekundarschulgemeinde rechnet mit einem Verlust. Gemäss Budget soll dieser bei 1,267 Millionen Franken liegen. Hier steigt der Personalaufwand um 352'000 Franken auf 12,761 Millionen. «Mehr Schülerinnen und Schüler heisst auch mehr Lehrerinnen und Lehrer sowie höheren Materialverbrauch», so Susanne Burgmer. Um 684'000 Franken auf 3,214 Millionen steige der Beitrag an den Finanzausgleich. Dieser Verlust führt nicht zur Steuererhöhung, der Steuerfuss bleibt bei 22 Prozent, auch um die hohe Eigenkapitalquote zu senken.
Egelsee im Investitionsfokus
2024 sind in der Primarschule Investitionen und baulicher Unterhalt von 3,64 Millionen Franken budgetiert. 1,4 Millionen davon sind für die Sanierung der Heizung der Schulanlage Bernegg geplant, für die Sanierung des Turnhallen-Flachdachs, erste Etappe, 450'000 Franken. In die erste Etappe der Sanierung Kindergarten Paulisgut sind 468'000 Franken im Budget vorgesehen. Für den Planungskredit Erweiterung Schulzentrum Seetal stehen 150'000 Franken zur Verfügung. Die Abstimmung über den nötigen Baukredit wird voraussichtlich im kommenden Jahr stattfinden.
Nettoinvestitionen von 5,579 Millionen Franken plant die Sekundarschulgemeinde im kommenden Jahr. Grosse Beträge fliessen ins Schulzentrum Egelsee: 1,3 Millionen in Heizung/Wärmepumpe, 1,1 Millionen in Sanierung Fassade und Dach der Turnhalle. Die Schlusszahlung des Investitionsbeitrages an das Bad Egelsee beträgt 1,2 Millionen Franken. Im Schulhaus Pestalozzi sind Investitionen von knapp einer Million Franken vorgesehen.
Hohe Investitionen ab 2025
Beim Blick über das Jahr 2023 hinaus steht die Primarschule im Vordergrund. Im Finanzplan 2025 bis 2029 sind Investitionen von brutto 46 Millionen Franken enthalten. Das Projekt Schoderbach sieht den Ausbau des Schulzentrums Wehrli vor. «Wir brauchen im Zentrum dringend Schulraum», so Seraina Perini. Auch der Mehrbedarf an Turnfläche sei ausgewiesen. Vorgesehen ist daher eine unterirdische Doppelturnhalle. Seraina Perini sprach im Zusammenhang mit dem Projekt von einem «Befreiungsschlag», der auch die Schulzentren an der Peripherie entlaste. Über das Projekt soll auch im kommenden Jahr abgestimmt werden. «Dass wir die Investitionen in der Primarschule nicht ohne Steuererhöhungen realisieren können, ist eine Tatsache», sagte Susanne Burgmer. Ab 2025 soll der Steuerfuss von 46 auf 50 Prozent steigen. Die Sekundarschule geht von einem gleichbleibenden Steuerfuss bis 2029 von 22 Prozent aus.
Von Kurt Peter