07.03.2024 12:39
Schwinger in Unterhosen
Robert Vögeli lanciert einen Podcast zu Schwinger-Themen
Mit kecken Fragen befragte der Schwinger-Fan Robert Vögeli am Küchentisch seiner Eltern zwei Schwingexperten. Ziel ist es, Nachwuchs für den Schwingsport zu begeistern. Das Bedürfnis nach einem Podcast zum Thema Schwingen ist sichtlich gross.
Kreuzlingen Ein duftendes Bouquet aus Zirkusmanege, Pferdestall und Jungsumkleidekabine empfängt einem im Schwingerkeller im Schulhaus Bernegg. Robert Vögeli hebt entschuldigend die Schultern. «Bei uns trainieren 21 Buben», sagt er und lacht während er in die Schwingerhosen steigt und seinen Pulli gegen das traditionelle blaue Edelweisshemdli tauscht. Obwohl er die Grösse hat, um unter den «Bösen» nicht aufzufallen, macht er es sich seit seiner Kindheit lieber auf der Tribüne gemütlich und teilt sich mit den Sitznachbarn ein «Plättli» anstatt sich in den Sägemehlkreis zu stellen.
«Chli en schräge Vogel»
Beruflich ist der Banker ein Zahlenmensch, umso mehr freute sich Robert Vögeli über die Anfrage des Schwingerverband Bodensee und Rhein, ob er sie als Vorstandsmitglied in Sachen Marketing unterstützen würde. Neues auszuprobieren liegt ihm. Vögeli macht seinem Namen alle Ehre und sieht sich selbst als «echli schräge Vogel». Oder besser gesagt als Tausendsassa und für so manches begeisterungsfähig. So auch für den Schwingsport. «Ich bin früh durch meinen Vater zum passives Mitglied des Klubs motiviert worden und dank ihm zum Schwingfan mutiert», so der 37-jährige aus Illighausen. «Seinen Verein» gegen aussen sichtbar zu machen und die zukünftigen kleinen Bösen für den Sport zu begeistern - der Gedanke gefällt Robert Vögeli. Fan von Podcasts jeglicher Art suchte er vor einiger Zeit vergeblich einen zum Thema Schwingen. Die Schwinger Community ist gross, so allenfalls auch das Interesse an einem themenbezogenen Podcast, dachte er sich. Einschub: Bei dem Begriff Podcast handelt es sich übrigens um ein Kofferwort, welches sich aus Pod für «play on demand», und cast, von Broadcast (Rundfunk), zusammensetzt. Quasi eine Serie von abonnierbaren Audiodateien.
Studio im Elternhaus
Von Politik, Comedy bis hin zur Geburtsvorbereitung - Scheinbar zu jedem Thema gibt es einen Podcast - nur eben nicht übers Schwingen. Robert Vögeli ist keiner, der freiwillig im Rampenlicht steht. Doch im urchigen Wohnzimmer der Eltern setzt er sich gerne mit seinen Gästen an den Holztisch, moderiert eloquent mit viel Charme und Witz die Diskussion, stellt Fragen wie: «Warum heissen die Schwinger Böse obwohl sie ganz lieb sind?» und klärt die Hörerinnen und Hörer auf, dass es sich um einen Schwinger- keinen Swinger Podcast handle. Dass sein Puls dabei höher ist, als beim Joggen, lässt er sich nicht anmerken.
Die erste Folge ist raus. Sie heisst «Schwinger in Unterhosen» und brachte mich als absoluter Laie in Sachen Schwingen im Redaktionsbüro laut zum Lachen. Aktuelles aus der Schwingerszene wird diskutiert aber da: «ich nicht der Fachmann bin, haben wir jeweils Experten am Tisch.» In der ersten Folge sind dies Tobias Fäh, Technischer Leiter des Schwingerverbands Bodensee Rhein und Präsident des Thurgauer Kantonalen Schwingerverbands Josef Notz. Die Mischung aus Seriosität, Schalk und Vögelis witzige Fragen macht den Podcast in der Tat zu einem richtig gelungenen Unterhaltungsmedium.
Auf Spotify und Youtube wird die Premiere fleissig angehört - und angeschaut. Denn eine Standkamera nimmt das Gespräch auf. Innert Kürze hörten/streamten über 1000 Personen den unterhaltsamen und informativen Gespräch von Vögeli mit seinen «Studiogästen». Auf dem Streaminganbieter Spotify wird ebenfalls rege mitgehört. Schon mehrere hundert Aufrufe hat die erste Folge zu verzeichnen.
Klares Ziel, der Nachwuchs
Vögeli ist selbst überrascht über das grosse Interesse an seinen Sendungen. Eigentlich wolle er doch bloss in der Region den Sport bekannter und auf die Nachwuchsförderung aufmerksam machen. Doch die Aufmerksamkeit, welche der Podcast nach so kurzer Zeit bereits erreicht hat, öffnet ihm Türen. Am meisten aber würde er sich darüber freuen, wenn es den einen oder anderen dazu motivieren würde Mitglied im Klub zu werden oder bestenfalls es sich in den Zahlen des Nachwuchs widerspiegelt.
Von Desirée Müller