Raus aus dem Klassenzimmer durchs Fenster und runter in «Sicherheit». Desirée Müller
10.09.2021 08:51
Schwitzende Feuerwehrmänner und strahlende Kinderaugen
Feuerwehrübung im Primarschulhaus Bussnang
Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz: Ein Grossaufgebot an Rettungskräften evakutierten die Kinder im Schulhaus Bussnang – zu deren Freude. Eine Fahrt im Korb der Drehleiter erlebt man nicht alle Tage. Obwohl die Feuerwehrmänner etwas eingerostet waren nach der übungsfreien Pandemiezeit, machten sie einen tollen Job mit viel Herzblut.
Bussnang Auf Armin Niederers Stirn glänzen kleine Schweissperlen. Der Kommandant der Feuerwehr Bussang öffnet an dem warmen Vormittag den Reissverschluss seiner Uniform ein paar Zentimeter und atmet nach einer Stunde körperlichem und mentalem Höchsteinsatz einmal tief durch. Um ihn herum wuseln Schulkinder, lachen, tauschen das Erlebte mit ihren Klassenkameraden aus. Viele von ihnen wurden ein paar Minuten zuvor im Korb der Feuerwehrdrehleiter vom zweiten Stock nach unten transportiert. Einige genossen ganz entspannt die für einmal etwas andere Aussicht auf den Pausenhof andere hielten sich staunend am Geländer fest und beobachteten fasziniert den Feuerwehrmann in voller Montur.
Parat für den Ernstfall
Armin Niederer ist zufrieden mit seinen Leuten, auch wenn es die eine oder andere Sache nach dem Einsatz zu besprechen gibt. Wir durften die Übung hautnah miterleben, hörten zu, wie das Einsatzkommando Aufgaben verteilte, rannten mit den Feuerwehrmännern durch den verrauchten Gang, waren dabei, als die Kinder im Klassenzimmer über das Geschehende informiert wurden und reihten uns bei der Evakuierung draussen auf dem Rasen in die Schlange ein. Nach langem fand wiedermal eine Übung statt. Die Mission: Im Schulhaus brannte es und die Kinder mussten schnellst möglichst evakuiert werden. Innerhalb einer halben Stunde war das Schulhaus leer. «Die Zimmer hätten schneller abgesucht werden müssen», sieht Niederer einen der Verbesserungspunkte. Doch alles in allem verlief die Übung gut. Vor allem, weil es für die Freiwillige Feuerwehr pandemiebedingt seit langem die erste Übung war. Das Spezielle daran: Sie fand in Koorperation mit dem Zivilschutz statt. Die meisten der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr wussten zudem nichts von der lange geplanten Übung. Somit gingen viele von ihnen ganz normal ihrer Arbeit nach, als die SMS eintraf. Innerhalb von 15 Minuten traf der Trupp ein, eine sehr gute Zeit. Die Kinder und ihre Eltern wurden informiert, dass an diesem Tag eine Übung stattfinden wird. Wann und wie diese von statten geht, wussten sie jedoch nicht. Dass es sich auch nicht unter den Feuerwehrmännern herumsprach, war diese Info top secret. «Wir wollten vermeiden, dass sich die Eltern Sorgen machen, wenn sie das Grossaufgebot der Feuerwehr beobachten», so Roger Tabord, Einsatzleiter des Zivilschutzes und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Ein Bub erzählt, dass er um 10.15 Uhr einen Feuerwehrmann mit dem Velo vor dem Klassenzimmer vorbei radeln sah. «Da war mir klar, dass es bald los geht.» Und das tat es auch. Rauchschwaden schlichen langsam über die Gänge und machten es einem schwer, die Hand vor den Augen zu erkennen. Drei Atemzüge vom Rauch bei einem Erstfall könnte bereits zum Tod führen. Daher wären bei einem echten Brand Mitglieder vom Atemschutz dabei gewesen.
Übungen sind wichtig
«Ich finde es gut, dass wir den Erstfall durchgespielt haben. Ich denke, es wäre zwar ganz anders, wenn es richtig brennen würde. Aber es war sehr spannend und machte auch Spass», so eine Viertklässlerin. Die Kindergartenkinder, Zweit- und Drittklässler durften das Spektakel von Draussen hinter Absperrbändern beobachten. Für die Kleinen wäre solch eine Rettungsaktion wohl etwas zu verwirrend. Die «Grossen» waren jedoch voll mit dabei, waren diszipliniert auch wenn sich einige ein freudiges Juchzen auf der Drehleiter nicht verkneifen konnten.
Von Desirée Müller