Fabienne Nigro ist mit Herz und Seele Tierschützerin. zVg
13.09.2024 00:00
Sie fordert einen Theoriekurs für Erstkatzenhalter
«Es ist wichtig Katzen zu verstehen, statt einfach auszusetzen», sagt Fabienne Nigro
Fabienne Nigro kann nicht mehr nur zuschauen: Die Katzen- und Hundepsychologin bat in einem Schreiben an den Grossen Rat, die Tierschutzverordnung anzupassen und einen obligatorischen Katzentheoriekurs für Ersthalter einzuführen.
Bottighofen Dank den erworbenen Kenntnissen über die Grundbedürfnisse und das Verhalten der Tiere könne die hohe Anzahl an abgegebenen oder sogar ausgesetzten Katzen reduziert, die Tierheime entlastet und ein harmonisches Zusammenleben erzielt werden. Ein Besuch der Initiantin in ihrer Wohnung in Bottighofen.
Missverstandene Katzen
«Zwei», sagt Fabienne Nigro und ihr Kater tippt mir seiner Pfote wie geheissen auf die Karte mit der Zahl darauf. «Eins». Ohne lange zu überlegen, legt er die Pfote sanft auf die von Fabienne gewünschte Karte. «Katzen können mehr als nur High five zu geben», sagt sie und lächelt. Kater und Kätzin den ganzen Tag lang zu Hause sich selbst zu überlassen, sei für viele Tierbesitzer absolut normal. «Es sind ja Einzelgänger und als Hauskatze kennt sie nichts anderes.» Sätze, welche Fabienne immer wieder von ihren Kundinnen und Kunden hört. Gefolgt von: «Ich versteh nicht, warum sie immer in eine Ecke pinkelt oder sich auch nach Jahren nicht streicheln lässt.» Die Bottighoferin ist ausgebildete Katzen- und Hundepsychologin. Sie analysiert das biologische Verhalten der Tiere, fragt die Umstände ab und begleitet die Tierbesitzer bis sich Katze, Hund und Halter wohl fühlen. Fabienne beobachtet die geschilderten Situationen «heimlich» per Videochat, um sie im für das Tier gewohnten Umfeld ohne fremde Blicke zu erleben.
Tier Hilf Netz
Fabienne, ihr Mann und die vier Katzen leben – überspitzt gesagt - in einer WG. So haben die Samtpfötchen ein eigenes Zimmer und überall in der Wohnung verteilt ihre Plätzchen. So wie Hündin Luna. Fabienne ist Tierschützerin durch und durch, engagiert sich vielerorts. Mitunter ist sie die Gründerin der Organisation «Tier Hilf Netz, gemeinsam für ausgesetzte Tiere». Entscheidet sich eine Person, sein Haustier – es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund dafür - auszusetzen, leitet sie die Hotline über die der Tierbesitzer den geplanten Standort angeben kann, so dass ein Freiwilligen-Team die ausgesetzten Tiere abholen kann. Ob Meerschweinchen am Waldrand oder eine Katze in einer fremden Stadt – die Taten häufen sich von Jahr zu Jahr. Nager haben keinerlei Überlebenschancen und für Katzen ist das Aussetzen natürlich Stress pur. Gefolgt von der Meldung, dass ein Kater oder eine Katze scheinbar heimatlos ist, in ein Tierheim gebracht und versucht wird, diese zu vermitteln. Dieser langwierige Prozess soll zu Gunsten der Vierbeiner künftig umgangen werden. Fabienne Nigro stösst dabei nicht nur auf Wohlwollen. Dieser Dienst fördere nur noch die Aussetzungs-Rate, sagen Kritiker. Sie würden es sowieso tun, ist Nigro der Überzeugung.
Theoriekurs soll das Schlimmste verhindern
Und dort möchte sie mit einem anderen Projekt ansetzen: «Es wäre sinnvoll, wenn es künftig einen obligatorischen Erstkatzenbesitzer-Kurs geben würde, mit Registrationspflicht. Analog dem für Hundebesitzerinnen und -besitzer, welche laut Hundegesetz geregelt und von den Gemeinden gehandhabt werden.» Denn was es bedeutet, sich eine Katze ins Haus zu holen, dessen sind sich viele nicht bewusst. Das Verhalten der Tiere zu verstehen und zu reagieren, sei dann noch eine ganz andere Hausnummer. Die anspruchsvollen Tiere haben Grundbedürfnisse, und zwar nicht nur Futter und Wasser. «Wie kann man handeln, wenn plötzlich ein Baby da ist und die Katze durch Eifersucht aggressiv reagiert? Warum wetzt sie ihre Krallen am Sofa und nicht am Kratzbaum oder versteht sich plötzlich nicht mehr mit ihrem Gspähnli?». Oftmals sind solche Muster über längere Zeit hinweg ein Grund, die Tiere abzugeben – oder schlimmstenfalls auszusetzen. «Wenn potenzielle Katzenbesitzer vorab einen theoretischen Kurs absolvieren, in dem sie das Verhalten der Katzen verstehen lernen und wissen, welche Methoden sie zur Besserung einsetzen können, erleichtert dies das Zusammenleben von Mensch und Tier erheblich.» Denn alle scheinbar grundlosen Marotten haben ihren Ursprung. Dazu sei jede Katze ein Individuum und habe eigene, spezifische Haltungsansprüche. Das eigene Tier «lesen» zu lernen sei höchst relevant für ein harmonisches Zusammenleben. Ganz abgesehen davon, Erkrankungen frühzeitig deuten zu können. Fabienne Nigro hat ein schlüssiges Konzept für einen solchen theoretischen Kurs ausgearbeitet und folgende Themenschwerpunkte gesetzt: Körpersprache, Spielverhalten, Kastration und Kennzeichnung, Erkrankungen, psychische wie physische Auslastung, Katzenklo-Management und Fütterung. «Ich möchte den Menschen die Augen öffnen, in der Hoffnung, dass sie mit dem erlernten Wissen, die Katze aus einer anderen Perspektive betrachten und somit ihre Wünsche und Bedürfnisse besser erkennen können.» In einem ersten Schritt hat sie allen 130 Parlamentarierinnen und Parlamentariern eine E-Mail mit ihrer Idee zukommen lassen. Erste positive Rückmeldungen kamen bereits zurück, was die Initiantin sehr freut.
Desirée Müller