29.04.2022 08:36
Simon Wolfer kandidiert fürs Stadtpräsidium
Der 42-jährige will Weinfelder Stadtpräsident werden
Am Donnerstagabend fand die Nominierung "der Mitte Weinfelden" ihres Kandidaten für den Stadtpräsi-Wahlkampf im Rathaus statt. Mit 35 zu 6 Stimmen entschied sich die Partei für Simon Wolfer. Die Enttäuschung bei seinem Mitstreiter Valentin Hasler ist gross - vor allem über das klare Ergebnis. Doch ein Gerücht lässt ihn aufhorchen.
Weinfelden "Soll ich es einfach verkünden?", fragt Nicole van Rooijen-Rollier, Präsidentin der Mitte Weinfelden nach der Auszählung der Stimmkarten. Die beiden Hauptakteure des Abends präsentierten sich zuvor mit einem Vortrag den Parteimitliedern, Sympathisanten und Gästen im Rathaussaal. Valentin Hasler in gewohnt entspannter, überlegter Manier, Simon Hasler mit viel Energie und immer schneller werdender Sprechstimme. "Für uns wird .... Simon Wolfer in den Wahlkampf gehen", verkündet die Präsidentin und Applaus ertönt. Der Familienvater hält sich mit dem Jubeln dezent zurück, bekommt einen Kuss von seiner Frau und verabschiedet sich nach ein paar wenigen Worten mit Valentin Hasler für eine Viertelstunde ins Nebenzimmer um kurz alles "sacken" zu lassen. Für die beiden Anwärter war es ein mental anstrengender Abend, der nur für einen von ihnen glücklich ausging. "Das Resultat ist sehr enttäuschen und tut weh. Wäre es knapp ausgefallen, könnte ich besser damit umgehen", so Hasler. Man merkt, dass er in all der Enttäuschung an seiner langjährigen Arbeit für die Stadt zu zweifeln beginnt. Ob er im Moment am liebsten all seine Engagements für Weinfelden hinwerfen möchte, fragen wir. Er lächelt traurig und sagt, dass die Motivation in der Tat schon grösser war. Die Stadt im Stich zu lassen, kommt für den engagierten Weinfelder aber natürlich nicht in Frage. Und doch: "Man reisst sich am Riemen, tut und macht und dann verliert man so klar." Ihm scheint anfangs nicht ganz bewusst zu sein, dass sich nicht die Einwohner für Simon Wolfer entschieden haben, sondern "nur" seine Partei. Repräsentativ ist diese Entscheidung gewiss nicht. Ohne Partei im Rücken zu kandidieren, ist aber kein Thema für Hasler. Lieber wird er seinen langjährigen Freund bei seinem Wahlkampf unterstützen. Zwar nicht für das Stadtpräsidium aber für seinen Platz im Stadtrat wird Valentin Hasler antreten. "Für mich gäbe es nichts schöneres, als Stadtpräsident zu werden und Valentin in meinem Team zu haben", sagt Wolfer und lächelt seinen "alten" Freund an. Er würde seine Tätigkeit als Anwalt als Mitinhaber einer Kanzlei für das Präsidentenamt an den Nagel hängen. Ob es nicht fast schade wäre um all die vielen Jahre an der Uni, in Praktika und Kanzleien. Jetzt wo er als Partner richtig durchstarten könnte, so abrupt die Branche zu wechseln. "Das stimmt absolut, da mir meine Arbeit eigentlich auch viel Freude bereitet. Aber ist würde tatsächlich meine Position aufgeben für Weinfelden. Doch man weiss nie, wie lange man wiedergewählt wird. Ich bin jung und hätte auch nach zwei Amtszeiten noch die Möglichkeit, zurück in den Beruf zu kehren."
Taktisches Vorgehen?
Gerüchten zufolge war es auch eine taktische Entscheidung der Partei. Wolfer bekäme von Seiten der Bürgerlichen Unterstützung, sollte sich die Mitte für ihn als Kandidaten entscheiden, wird im Saal gemunkelt. Für die Mitte Weinfelden stünden die Chancen somit besser, wenn sie Wolfer ins Rennen schicken. Für Hasler sind diese Vermutungen neu, auch Simon Wolfer zeigt sich überrascht. "Wenn es wirklich eine taktische Entscheidung war, sieht für mich alles anders aus", so Stadtrat Hasler fast etwas erleichtert über die Niederlage.
Von Desirée Müller