13.06.2024 07:00
So kommt Tägerwilen in die "Frankfurter"
Anspruchsvolles, zeitintensives und auch cooles Projekt an der Kantonsschule Kreuzlingen
Jedes Jahr ermöglicht die Frankfurter Allgemeine Zeitung Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 13 am Projekt «Jugend schreibt» teilzunehmen. Weltweit bewerben sich Klassen deutschsprachiger Schulen, von denen 100 ausgewählt werden. Ziel ist es, jungen Menschen einen Zugang zum Medium Zeitung zu verschaffen und einen theoretischen wie praktischen Einblick in das journalistische Arbeiten zu bieten.
Kreuzlingen Wie Journalismus und Zeitung in Zeiten von Fake News und algorithmisch berechneten Nachrichtenempfehlungen funktionieren, erfahren Drittklässler im Deutschunterricht der Kantonsschule Kreuzlingen in einem von der FAZ begleiteten Projekt. Die Kantonsschule Kreuzlingen nahm bereits zum zweiten Mal teil und darf bereits über zehn Publikationen zählen. Vom Gehörlosen-Curling, über eine Mittelalterstadtführung in Konstanz bis hin zu einer Reportage über die Covid-19-Station im Spital Münsterlingen reichten die Themen im Projektjahr 2022/23.
Die Idee, «das Lesen einer Tageszeitung bei Heranwachsenden zu fördern», wie es in einer Projektbroschüre heisst, erfordert Interesse, Neugier und vor allem Ausdauer und Durchhaltevermögen, denn der Weg zur Autorenschaft ist mitunter lang und nicht immer frustfrei. «Wir vergeben keine Themen. Denn wer über etwas schreibt, das ihn interessiert und berührt, der schaut und hört genau hin», meint Ursula Kals als projektverantwortliche Redakteurin. Und so kann das, was als Vorarbeit für den späteren Artikel gedacht war, zu einem Text führen, der am vergangenen Montag in der FAZ erschienen ist.
«Es war ein ziemlich anspruchsvolles und zeitintensives Projekt, aber es war auch echt cool», sagt die Viertklässlerin Linda Holy. «An einem kalten Januarnachmittag - dem letzten Schultag vor den Sportferien - besuchten wir gemeinsam eine ehemalige Schreinerei, ein Abbruchhaus in Tägerwilen, das Salômé Reisch mit viel Engagement und Liebe zum Detail in eine G’sundheitswerkstatt, ein Pilates- und Barrestudio verwandelt hat». Nach ausführlicher Recherche und einem Interview vor Ort mit der mutigen jungen Frau, die ihren Traum verwirklicht hat, übten sich die Schülerinnen und Schüler an ihrem ersten journalistischen Beitrag. Bei einer Million potenzieller Leser, wie Titus Maria Horstschäfer als Projektleiter des Instituts zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) betont, zeigt sich die Aufmerksamkeit, die diese Artikel erzielen können, auch in den Leserbriefen: «Es hat mich sehr gefreut, heute etwas über den fast vergessenen Psychoanalytiker C. G. Jung zu lesen.» (Leserbrief vom 10. Mai 2024).
Das Verfassen von Schreibprodukten für Leser ausserhalb des Klassenzimmers bedeutet nicht nur die Schulung von Medienkompetenz, sondern auch die aktive Beteiligung an gesellschaftlich relevanten Themen und die leuchtenden Augen der Autoren, wenn es zur Veröffentlichung kommt, entschädigen für den Aufwand. Mehr unter: blog.ksk.ch.
⋌Antje Brackemann, Lehrerin ⋌an der Kantonsschule Kreuzlingen