Sparen statt abschalten
Krise
Die Energiewende ist eine Generationenaufgabe und angesichts der aktuellen Lage dringend. Am Gewerbetreff Kreuzlingen-Tägerwilen-Ermatingen wurde dies ebenso deutlich wie der Aufruf zum Sparen und zur Effizienz.
Guido Gross und Martin Simioni referierten am Gewerbetreff. Kurt Peter
Die Energiewende ist eine Generationenaufgabe und angesichts der aktuellen Lage dringend. Am Gewerbetreff Kreuzlingen-Tägerwilen-Ermatingen wurde dies ebenso deutlich wie der Aufruf zum Sparen und zur Effizienz.
Kreuzlingen Das Thema konnte aktueller nicht sein: «Droht uns eine Energiekrise?» brachte rund 100 Interessierte an den Gewerbetreff, der in der Lagerhalle von Energie Kreuzlingen stattfand. Martin Simioni, CEO der EKT sprach zu Beginn seines Referates von einem «Energiekrieg» dessen Ziel es sei, durch den Winter zu kommen. «Kohle, Gas und Öl werden am meisten für die Energiegewinnung verbraucht», erklärte er. Die Energiewende bezeichnete er als politisch gewollt, technisch möglich und sinnvoll, aber: «Es ist eine Generationenaufgabe».
Die Preisentwicklung des Stroms in der Schweiz nehme dramatische Formen an, so Simioni. «Zu Beginn des Jahres wurde für eine Megawattstunde 50 Euro verlangt, im September waren es 1100 Euro». Die Ursachen sieht der EKT-CEO in der Abhängigkeit von Exporten, was darauf zurückzuführen sei, dass «wir es in der Schweiz verschlafen haben, Energiekraftwerke auszubauen». Seit der Inbetriebnahme der AKWs sei nichts passiert, obwohl Wirtschaft und Bevölkerung gewachsen seien. Natürlich sei auch der Ukraine-Krieg Ursache sowie die extreme Trockenheit.
Die Versorgungssicherheit bei Strom sei Verbundangelegenheit. «Ohne europäische Integration gibt es keine Versorgungssicherheit», kritisierte er den bundesrätlichen Ausstieg aus dem Rahmenabkommen mit der EU. Photovoltaik alleine «bringt uns nicht durch den Winter, bei den erneuerbaren Energien werden wir um den Ausbau von Windkraft nicht herumkommen». Den Bau von zwei bis drei Gas-Ölkraftwerken nannte Simioni ebenfalls als Massnahme. Und wichtig sei auch die Steigerung der Energieeffizienz.
Martin Simioni ging auch kurz auf OSTRAL ein. Dies sei die Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen. In vier Stufen seien Massnahmen vorgesehen. Diese reichten von der Überwachung der Versorgungslage bis zum Verbot und Verbrauchseinschränkung. «Zyklische Abschaltungen müssen wir unter allen Umständen verhindern», mahnte er. Den anwesenden gab er mit: «Der Beitrag von allen zählt in dieser Lage».
Guido Gross, Direktor von Energie Kreuzlingen, ging anschliessend auf die Gasversorgung ein. «Kreuzlingen ist ein Sonderfall, es bezieht Gas direkt aus Deutschland, von den Stadtwerken Konstanz». Der Import von russischem Gas sei von Jahresbeginn bis heute stark zurückgegangen. Ersetzt werde diese Menge durch Gas aus Holland und Norwegen. «Diese beiden Länder können nicht noch mehr liefern», so Guido Gross. Eine Gasmangellage sei zu befürchten, «wir malen den Teufel nicht an die Wand, aber wir müssen die Situation ernst nehmen». KIO Gas, die KriseninterventionsOrganisation sei mit OSTRAL zu vergleichen und reagiere ebenfalls stufenweise: «Vom Sparaufruf bis Kontingentierung reichen die Massnahmen». Während Stromnetze grossflächig ein- und ausgeschaltet werden könnten, sei dies beim Gas nicht der Fall.
Das Gasnetz dürfe unter keinen Umständen leergefahren werden, denn eine Wieder-Inbetriebnahme bedinge Serviceleistungen bei jedem einzelnen Kunden. «Energie Kreuzlingen aber verfügt nicht über das Personal, bei Arbeiten in einem solchen Fall wäre das Gewerbe gefordert», sagte Guido Gross. Energie Kreuzlingen konzentriere sich auf die Sicherheit der Gasversorgung und stehe natürlich in engem Austausch mit den Stadtwerken Konstanz. «Bei einem drohendem Kollaps des Gasnetzes müssen wir schnell grosse Kunden vom Netz nehmen». Aber Energie Kreuzlingen werde ruhig und sachlich handeln. Auch Guido Gross warb bei den Anwesenden fürs Sparen: «Jede Kilowattstunde zählt».
Von Kurt Peter
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