Der Stadtrat will die Preise weiter senken, um den öffentlichen Verkehr zu fördern.
28.06.2023 08:15
Stadtbus: Nicht ganz gratis
Weitere 355'000 Franken für Reduktion der Fahrkartenpreise Zone 256
2022 wurde im Gemeinderat ein Postulat angenommen, welches freie Fahrt mit dem Stadtbus forderte. Dem Ansinnen will der Stadtrat nicht ganz folgen, er schlägt dem Rat aber weitere Subventionierung der Fahrkartenpreise vor.
Kreuzlingen «Freie Fahrt mit dem Stadtbus» verlangte Gemeinderat Thomas Dufner mit seinem Postulat. Der Stadtrat beantragte in seiner Stellungnahme vom 19. April 2022, das Postulat abzulehnen. Diesen Wunsch erfüllte der Gemeinderat nicht und nahm es am 16. Juni 2022 an. Nun legt der Stadtrat ein Kreditbegehren von jährlich zusätzlich 355'000 Franken, vorerst auf drei Jahre begrenzt vor. Damit sollen die Fahrkartenpreise noch stärker subventioniert werden.
Keine Tarifhoheit mehr
«Wir wollen die Ticketpreise in der Zone 256 weiter vergünstigen und reizen den Spielraum aus», sagte der zuständige Stadtrat Ernst Zülle an der Medienkonferenz vom Montagmorgen. Die Teilnahme am Tarifverbund Ostwind lasse eine maximale Subventionierung von 60 Prozent zu. «Mit dem Beitritt zum Tarifverbund im Jahr 2009 haben wir die Tarifhoheit abgegeben», erklärte Zülle. Um die Kundschaft zur regelmässigen Benutzung des öffentlichen Verkehrs zu animieren würden die Ostwindabonnemente seit Jahren um einen Drittel des Preises subventioniert. «Diese Vergünstigung kostet die Stadt rund 240'000 Franken pro Jahr, die Einzelbillette und Mehrfahrtenkarten werden mit weiteren 65'000 Franken jährlich subventioniert». Hinzu kämen 56'000 Euro für die Anerkennung der Fahrausweise der Zone 256 auf dem Gebiet der Stadt Konstanz.
Nach der detaillierten Prüfung des Anliegens und der Erarbeitung des Berichts zum Postulat sei der Stadtrat «der Auffassung, dass aufgrund der Rahmenbedingungen des Tarifverbunds Ostwind und der Abteilung Öffentlicher Verkehr des Kantons Thurgau, die Hürden für einen Gratis-ÖV innerhalb der Zone 256 zu hoch sind».
Geld aus Sozialfinanzierung
Weil die Veränderung des Kundenverhaltens erfahrungsgemäss Zeit brauche, solle während der nächsten drei Jahre überprüft werden, welche Auswirkungen die zusätzliche Subvention der Fahrkartenpreise auf das Kaufverhalten habe und ob dadurch die Fahrgastzahlen stiegen. «Mithilfe dieser Auswertungen wird dann entschieden, ob an der Preisreduktion festgehalten werden soll oder noch Anpassungen nötig sind», hält Ernst Zülle fest. Aufgrund der mehrmaligen Preisreduktion sei der Stadtrat der Auffassung, dass nach der dreijährigen Versuchsphase und je nach Resultat der Auswertung eine Volksabstimmung zum Thema Fahrkartensubvention erforderlich sei.
Es sei der Stadt ein Anliegen, dass die Preise auf einfachen und runden Zahlen basierten. Insbesondere solange die Fahrkarte mit Bargeld an den Automaten im Bus gekauft werden könnten. «Die Inhaberinnen und Inhaber von Halbtax-Abos sollen ebenfalls weiter belohnt werden», so Ernst Zülle. Nach der in der Botschaft vorgeschlagenen Varianten sollen alle Preise mit Halbtax-Abo halbiert werden. Ohne Halbtaxabo ist die Reduktion nicht ganz so hoch, aber immer noch bedeutend. So würde das Jahresabo für Erwachsene beispielsweise nur noch 320 Franken statt wie bisher 451 Franken kosten.
Da die Berechnung der verschiedenen Varianten auf den Zahlen von 2019 beruhten, sei der Rückgang der Passagierzahlen infolge der Covid-19-Pandemie nicht berücksichtigt. «Aufgrund der zusätzlichen Fahrpreisreduktion erhofft sich der Stadtrat eine Zunahme der Passagierzahlen von 10 bis 20 Prozent. «Des Weiteren kann davon ausgegangen werden, dass eine gewisse Umlagerung des Kaufverhaltens stattfinden wird». Wenn der Gemeinderat am 6. Juli der Botschaft zustimmt, können die neuen Tarife zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres angepasst werden. Das Geld dafür kommt aus der prallvollen Spezialfinanzierung «Parkierung».
Von Kurt Peter