Ich habe schon hin und wieder meine Meinung öffentlich kundgetan. Ob sie dabei jedem in den Kram gepasst hat, bleibe einmal dahin dahingestellt. Nun aber ist es offiziell. Nachdem ich erfahren habe, wonach das im kommenden Sommer geplante dreitägige Stadtfest unter dem Motto «Chlöpfe und tätsche soll es…» etwa 750‘000 Franken(!), ich wiederhole 750‘000 Franken(!), das ist eine Dreiviertelmillion Franken (!), kosten soll, macht mich nicht nur nachdenklich, sondern erzürnt mich! Obwohl man mit etwa 250‘000 Franken Sponsorengeldern rechnet (ja, rechnet, man hat sie ja noch nicht!) ist ein solches Fest in Kreuzlingen auch noch für eine halbe Million meines Erachtens nicht angebracht.
Die Veranstalter (die Stadt Kreuzlingen) gehen davon aus (nein, sagen wir lieber träumen davon), dass an drei Tagen im Juli etwa 20‘000 Besucher an diesem Fest erscheinen werden. Das Fest wird im Freien durchgeführt. Was ist zum Beispiel, wenn Petrus während diesen drei Tagen überhaupt kein Erbarmen für das Organisationskomitee aufbringt? Es regnet, es windet, es ist unangenehm im Freien, geschweige denn an einer Festbank oder auf einer Wasserrutsche? Dann sei auch noch zu berücksichtigen, dass längst nicht alle Bürger und Bürgerinnen der Stadt das Fest besuchen können. Einwohner, die vielleicht jahrzehntelang ihr Steuern in dieser Stadt bezahlt haben, sind vielleicht krank, schwach, nicht gut zu Fuss oder sogar bettlägerig. Leute, deren Ersparnisse durch die notwendige Pflege möglicherweise aufgebraucht sind. Oder Leute, die am oder sogar unter dem Existenzminium leben. Und es gibt tatsächlich immer noch Rentner, die ihren letzten Fünfliber zweimal umkehren, bevor sie ihn ausgeben. Und nun will die Stadt für einen hohen (!) sechsstelligen Betrag festen.
Die Geschäftsleute in Kreuzlingen und Umgebung haben aufgrund der Corona-Krise schwere Zeiten durchlebt. Der Stadtrat ruft dazu nach wie vor auf (was ja lobenswert ist), insbesondere die Gastrobetriebe zu unterstützen. Sie haben in gewissen Bereichen sogar die Bewilligung erteilt, temporäre Aussenwirtschaften ohne ordentliche Baubewilligung zu gewähren. Ach wie ist das grosszügig! Aber wieso denn nicht immer so? Gleichzeitig aber billigt sie fragwürdige (unter den üblichen Margen angebotene) Verkaufspreise (zum Beispiel KultX, Getränke, usw.). Nebst anderer Unterstützung dieser Einrichtung durch die Stadt und somit durch den Steuerzahler. Was halten die ordentlichen Gastrobetriebe in Kreuzlingen wohl davon? Erfreut darüber sind sie sicher nicht. Und offenbar war gar nicht vorgesehen, dass die heimischen Gewerbebetriebe am kommenden Stadtfest teilnehmen sollen?
Man kann schon einmal etwas Besonderes feiern. Aber man sollte dabei immer noch auf dem Teppich bleiben. Die Stadt Kreuzlingen lädt zu einer «halben Million teuren Party» ein, die man praktischerweise in der Badehose besuchen sollte (Wasserrutsche!). Und wie kommen gehbehinderte Leute auf einen Turm? Aber wer unter «Einladung zur Party» versteht, wonach ihm als Besucher etwas geschenkt wird, ist im Irrtum. Jedenfalls kommt die Rechnung zum Schluss und die Steuerzahler in Kreuzlingen wird’s einmal mehr freuen!
Hermann Merz, Kreuzlingen




Vampirgerüchte mit glanzvoller Premiere
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