Raffaella Strähl, seit Anfang Januar Gemeindepräsidentin von Kemmental.
Bild: zVg
10.01.2024 16:00
«Steuerfuss möglichst lassen»
Raffaella Strähl über Finanzen, Ortsplanung, Wachstum, Zusammenarbeit und Verkehr im Kemmental
Seit dem 1. Januar ist Raffaella Strähl im Amt als Kemmentaler Gemeindepräsidentin. Sie hat die Ressorts ihrer Vorgängerin plus Tourismus und will sich dem Problem der hohen Verschuldung annehmen. Zu den Herausforderungen gehören aber auch Verkehr und Ortsplanung. Ein Interview.
Wurde an der ersten Gemeinderatssitzung auch über allfällige Wechsel in den Departementen diskutiert. Das Ressort «Finanzen» ist laut Homepage nicht explizit einem Gemeinderatsmitglied zugeteilt. Liegt das Ressort bei Ihnen?
Ja, in unserer ersten Gemeinderatssitzung am 8. Januar haben wir auch über die Ressort-Verteilung gesprochen. Ich übernehme alle Ressorts meiner Vorgängerin plus Tourismus, das neu mir zugeteilt ist, da ich für die Vernetzung in der Region zuständig bin. Und ja, ich bin auch für die Finanzen verantwortlich.
An der Wahlveranstaltung in der Mehrzweckhalle Alterswilen haben Sie sich vor allem besorgt über die hohen Pro-Kopf-Schulden ausgesprochen. Können Sie schon sagen, in welche Richtung die Lösung des Problems gehen soll?
Die hohe Verschuldung unserer Gemeinde ist und bleibt ein sehr wichtiges Thema, das angegangen werden muss. Es kann aber nicht von heute auf morgen gelöst werden. Erst muss ich mir einen Überblick verschaffen, mich einarbeiten und dann müssen Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Es ist eine Gratwanderung zwischen investieren und sparen. Es können nicht einfach alle Ausgaben gestoppt oder gestrichen werden. Aber wir müssen den Gurt enger schnallen. Was wir natürlich vermeiden wollen ist eine Erhöhung des Steuerfusses. Mit einem Gemeindesteuerfuss von 58 Prozent gehören wir in diesem Bereich ohnehin nicht zu den attraktivsten Standorten im Kanton. Andererseits denke ich, dass die Tendenz, Steuern weiter zu senken, in den kommenden Jahren in vielen Gemeinden gestoppt wird.
Wie beurteilen Sie das Wachstum in der Gemeinde?
Das Wachstum, auch mässiges, hat immer zwei Seiten. Einerseits kommen Steuerzahler, andererseits braucht es auch Investitionen in die Infrastruktur. In der Gemeinde Kemmental haben wir nicht mehr viel Bauland. Es gibt noch grössere Bauvorhaben wie etwa in Bätershausen. Die Ortsplanungsrevision ist auf gutem Weg. Anregungen und Wünsche werden geprüft und fliessen wenn möglich ein. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr noch eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung zum Thema durchführen können. Im Bereich Verkehr setzen wir auf Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Dabei gilt es natürlich, die verschiedenen Vorstellungen zusammenzubringen. Eine Gemeinde allein kann die Probleme nicht lösen. Gerade die Bevölkerung in einer Landgemeinde ist auf das Auto angewiesen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird. Sehr wichtig für unsere Gemeinde ist die Beteiligung an der fünften Generation des Agglomerationsprogramms Kreuzlingen-Konstanz. Hier werden viele Weichen für die Zukunft gestellt und hier können wir uns auch einbringen. Was die bisherigen und die künftige Zusammenarbeit in der Region mit den anderen verschiedenen Gemeinden, Verbänden und Organisationen betrifft, muss ich mir zunächst einen Überblick verschaffen.
Der ehemalige Werkhof in Siegershausen soll ja neu der Gemeinde Kemmental und dem Zivilschutz der Region Kreuzlingen dienen. Wie weit sind hier die Planungen?
Der Umbau der Liegenschaft ist in den letzten Zügen, bald sind auch die letzten Arbeiten erledigt. Am 1. Januar hat die Zivilschutzorganisation einen Teil der Räumlichkeiten bezogen.
Kurt Peter