Der «Stützli-Bus» ist auch in Tägerwilen beliebt. Kurt Peter
01.02.2024 05:00
Tägerwilen im Zonenglück
Linie 907 Kreuzlingen - Tägerwilen findet grossen Anklang, erst Recht seit der Tarifsenkung
Die Passagierzahlen im Stadtbus haben seit der Einführung der «Ein-Franken»-Fahrt spürbar zugenommen. Von der Aktion aus Kreuzlingen profitiert auch Tägerwilen. Die Massnahme fördert nach Meinung der Gemeinde die Akzeptanz des Busses.
Kreuzlingen/Tägerwilen Seit dem Fahrplanwechsel vom 10. Dezember 2023 fahren alle öffentlichen Verkehrsmittel der Zone 256 für einen Franken pro Fahrt. Der «Stützli-Bus» geht auf eine Motion von Gemeinderat Thomas Dufner zurück, welche die Gratisbenützung des Stadtbusses forderte. «Aus verschiedenen Gründen konnten wir das so nicht umsetzen, die Lösung war schliesslich die massive Preissenkung», erklärt der zuständige Stadtrat Ernst Zülle.
In Tägerwilen anklopfen
Der Auftrag aus dem Gemeinderat sei klar gewesen und der Stadtrat habe diesen auch schnell umgesetzt. Finanziert werde die Subvention aus den Parkierungsgebühren und den Bussen. Da die Aktion in der gesamten Zone 256 gilt, profitiert auch Tägerwilen: «Das fördert sicher die Akzeptanz der Stadtbuslinie von Tägerwilen nach Kreuzlingen», so Gemeindepräsident Markus Ellenbroek. Es habe gute Rückmeldungen gegeben. Die Gemeinde unterstütze die Linie 907 mit jährlich 175'000 Franken. «An weitere Subventionen aufgrund der Preissenkung denken wir nicht, denn weder wurden wir von Kreuzlingen gefragt, noch konnten wir darüber entscheiden».
Ernst Zülle begründet dies mit der schnellen Umsetzung: «Hätten wir in Tägerwilen im Vorfeld um finanzielle Unterstützung nachgefragt, hätte dies den Gang durch die politischen Instanzen bedeutet und hätte viel Zeit gekostet». Der Kreuzlinger Stadtrat will aber in Tägerwilen anklopfen. «Wenn die neuesten Zahlen im Frühling vorliegen, werden wir mit der Nachbargemeinde reden. Vor allem wissen wir dann, wie sich die Passagierzahlen aus Tägerwilen entwickelt haben». Die Line 907 wird zum grössten Teil von Kreuzlingen und Tägerwilen finanziert, seit 2019 anerkennt der Kanton die Linie 907 nicht mehr als Regionallinie, so dass die Subventionen am Betriebsdefizit geringer ausfallen.
Eine Option mit Hürden
Dass die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden etwas neidisch auf die Zone 256 blicken, weiss Ernst Zülle. Vor allem aus Münsterlingen höre er, dass eine ähnliche Subventionierung in der Zone 255 wünschenswert wäre. In dieser Zone liegen die Gemeinden zwischen Landschlacht und Ermatingen, Lengwil und Teile des Kemmentals. Die Beteiligung dieser Nachbargemeinden am Stadtbus «wäre eine Option mit Hürden», wie es Zülle ausdrückt. Wohl wäre auch hier der «Ein-Franken-Bus» möglich, allerdings nur, wenn alle Gemeinden der Zone der Massnahme zustimmen.
Die finanzielle Beteiligung der Gemeinden wäre Pflicht, hält der Stadtrat weiter fest. Dabei gehe es nicht nur um Subventionen der Tickets, die Infrastruktur wie Haltestellen und mehr Fahrzeuge sei teuer: «Wir verschliessen uns nicht, es darf uns aber nicht mehr kosten». Tägerwilen weiss, wie teuer die Infrastruktur ist. «Gemäss Investitionsbudget 2024 kommen 260’000 Franken Kostenanteil der Gemeinde für Querungshilfe (Mittelinsel) und neue Bushaltestelle Konstanzerstrasse im Gewerbegebiet Zälgli auf die Gemeinde zu», sagt Markus Ellenbroek. Der Lead liege hier beim kantonalen Tiefbauamt, genauso wie beim Umbau der Bushaltestellen Glaser. Der Kostenanteil der Gemeinde liege hier bei 150'000 Franken. «Und schliesslich investieren wir 220’000 Franken für den barrierefreien Umbau der Bushaltestellen Zentrum, Guggenbühl und Ernst-Kreidolfstrasse, dabei handelt es sich um Gemeindestrassen».
Von Kurt Peter