03.11.2022 08:34
Team will zusammenbleiben
Weinfelder Stadtrat im Interview
Manchmal "giggeln" sie zusammen wie auf Klassenfahrt, manchmal kämpfen sie mit harten Bandagen – die Fünf vom Stadtrat sind ein eingespieltes Team, und das teils schon seit über einem Jahrzehnt. Für sie ist klar: Wir möchten gemeinsam weiter amten.
Weinfelden Wir treffen uns vor der Stadtratssitzung am Dienstag um 16 Uhr im Rathaus. Am Parkplatz stehend beobachte ich Valentin Hasler und Martin Brenner, die sich begrüssen, lachen, sich auf die Schulter klopfen. Er sei der Benjamin der Runde, sagt Neuzugang Brenner später beim Gespräch. Seit 123 Tagen sei er gerade mal im Amt. Doch scheinbar gehört er schon voll zum «Club» dazu. Heute darf ich mal Stadtpräsident sein und am Tischende sitzen, scherzt Hans Eschenmoser, als ich kurz nach Hasler und Brenner das schöne Sitzungszimmer betrete. Obwohl es noch drei Stunden dauert, bis sie beim traditionellen Essen nach der Besprechung mit einem Glas Wein anstossen, ist die Stimmung schon sehr heiter. Man wirft sich gegenseitig die Bälle zu und auch Ursi Senn, als einzige Frau, gönnt sich scheinbar gerne einen Schlagabtausch mit ihren Kollegen. «Manchmal bilden sich unheilige Allianzen im Stadtrat», sagt Ursi Senn und zwinkert Eschenmoser zu. So seien sogar sie beide hin und wieder der gleichen Meinung.
Alle haben ihren Platz
Daniel Engeli stösst dazu, der Sonnenschein der Runde. Stets gut gelaunt, bestens gestylt und laut seinen Kollegen immer bereit, alle Projekte aufs Feinste zu hinterfragen. Der Denker des Clubs sozusagen. Valentin sei der Kreative, der es immer wieder schaffe, dass eine eigentlich schon abgenickte Idee einer zweiten Denkrunde unterzogen wird. Und Hans, der trage immer spannende Themen in die Sitzungen. «Ich habe ja Zeit und hör zu, was die Leute so reden. Was für Sachen sie beschäftigen», sagt Landwirt Eschenmoser. Martin sei der gewissenhafte Schaffer, der sich in kurzer Zeit in ungeheure Tiefen vor gegraben habe und stets perfekt vorbereitet an den Sitzungen erscheine. Und Ursi sei eine ganz herzliche Person, die sich um die Anliegen derer in der Stadt kümmert, die vielleicht nicht die lauteste Stimme haben. Eigentlich scheint das Grüppchen ganz gut zu funktionieren. In einer Sache seien sie aber nicht die Helden. «Im Kommunizieren nach Aussen», sagt Daniel Engeli. Lieber noch etwas warten, bis man mit den Neuigkeiten an die Presse geht. Vielleicht ändert sich noch was. «Wir müssen mutiger werden », bringt es Hans Eschenmoser auf den Punkt. «Und wenn sich dann wirklich was ändert, dann kommunizieren wir auch das», steigt Engeli ein, haut symbolisch mit der Hand auf den Tisch und lacht. Der bunte Haufen ist sehr selbstkritisch und reflektiert. Weiss, was er kann, wo er noch Gas geben muss. Gespannt, wer kommt. Das alle kompetent in ihrem Fachbereich sind, kann man voraussetzen. Dass sie so gut harmonieren, ist ein Geschenk. «Auch wenns beim Politisieren Meinungsverschiedenheiten gibt», sagt Hasler. So sei es bei ihm schon vorgekommen, dass er höchst unzufrieden nach einem «verlorenem Kampf» den Laptop zuklappt und grad alles «blöd» ist. «Bei den anschliessenden Essen reden wir im entspannten Rahmen darüber, wenn noch was ‘hängengeblieben’ ist von den Diskussionen», sagt Valentin Hasler, der seit 13 Jahren im Amt waltet. Dass sich nebst dem neuen Stadtpräsidenten ein weiteres neues Gesicht zu ihnen an die lange Tafel setzen wird, ist klar. «Wir sind gespannt, wer unser Gremium ergänzen wird», so Eschenmoser. «Vorausgesetzt natürlich, dass wir weiterhin amten dürfen.»
Dass die Weinfelderinnen und Weinfelder die Qual der Wahl haben, finden alle gut und erfrischend. Eine Kampfwahl sei doch ganz spannend, findet Engeli. Der Social-Media-King unter den fünfen fühlt sich wie im Film. «Eine Bestätigungswahl ist doch langweilig », pflichtet ihm Hasler bei. Ich verstehe langsam, dass der gemeinsame Flyer nicht nur dazu dient, sich Druckkosten zu teilen oder weil der Auftritt sympathisch wirkt. Nein. Das Team will wirklich zusammenbleiben. Aber auch wenn es zu einem Wechsel kommt, ist eines garantiert: im Rathaus ist jede und jeder willkommen.
Von Desirée Müller