Ursula Layritz, Renata Egli-Gerber und Angela Hochstrasser (vl.) referieren im Café-Treff Philosophie. Kurt Peter
08.09.2022 07:00
Über ein Tabuthema sprechen
An drei Abenden wird im Open Place über «Sterben und Tod» informiert und diskutiert
«Sterben und Tod» heisst die kommende Reihe des Cafè-Treffs Philosophie. Das grosse Anliegen ist das Gespräch über ein Thema, dessen Tabuisierung Teil der Gesellschaft ist. Dabei werden Sterben und Tod aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.
Kreuzlingen Renata Egli-Gerber spricht von einer philosophischen und religiösen Auseinandersetzung mit dem Thema. Als Leiterin des Cafè-Treffs Philosophie wolle sie Sterben und Tod aber nicht nur philosophisch und religiös, sondern auch aus medizinischer Sicht betrachten. Zusammen mit dem Arzt Walter Lang, Pfarrerin Angela Hochstrasser und Ursula Layritz, Leiterin des Bestattungsamtes Kreuzlingen, hat sie drei Abende zusammengestellt, die verschiedenste Aspekte beleuchten. Die Veranstaltungen finden im Open Place der evangelischen Kirchgemeinde an der Bleichestrasse statt.
Immer privatere Rahmen
«Sterben müssen – sterben wollen – sterben dürfen»: Walter Lang wird in seinem Referat am 9. September, 20 Uhr, auf Wissen und Nichtwissen über Werden und Vergehen eingehen. Berichten wird er von prägenden Momenten in seinem langjährigen Erleben von Sterben und Tod. Weitere Fragen ergeben sich für ihn aus den Zahlen zu den Gesundheitskosten, die den «Wirtschaftswert» medizinischer Dienstleistungen aufzeigen. Er plädiert für eine umweltbewusste Gesundheitsversorgung und möchte dem finanzmächtigen industriell-pharmakologischen Medizinkomplex Grenzen setzen.
Ursula Layritz und Angela Hochstrasse werden den zweiten Abend am 30. September, 20 Uhr, gestalten. Es geht dabei um «Abschied gestalten im Wandel der Zeit». «Abschied ist persönlicher geworden», so die Leiterin des Bestattungsamtes. Immer häufiger würden Trauerfeiern in der Familie gestaltet und abgehalten, in «einem deutlich privateren Rahmen». Dieses Bedürfnis sei seit der Pandemie nochmals deutlich gestiegen: «Die Leute sind immer noch verunsichert, was erlaubt ist und was nicht. Auch ein Grund, das Abschiednehmen in einem kleineren Rahmen zu gestalten».
Gibt es das ewige Leben?
Aus Sicht der evangelischen Kirchgemeinde wird Angela Hochstrasser über ihre Erfahrungen berichten. Während es früher viele starke Traditionen gegeben habe, sei das Abschiednehmen heute deutlich individueller. «Dennoch sind Rituale wichtig, die Betroffenen sind oft unsicher in ihrer Situation». Es gebe eine «Entkirchlichung», es finde eine Anonymisierung statt. Im Gespräch und mit ihrer Erfahrung aber könne die Kirche den Trauernden helfen. «Eine Trauerfeier ist auch immer ein gemeinsames Abschiednehmen mit Menschen, welche in solchen Momenten dieselben Gefühle haben, Erfahrungen mit dem Verstorbenen teilten».
«Ewiges Leben aus Sicht der griechischen Antike und der Bibel», heisst das Thema des letzten Abends der Reihe, am 18. November, 20 Uhr. Renata Egli-Gerber und Angela Hochstrasser widmen sich den Fragen, was nach dem Tod kommt, ob es ein ewiges Leben gibt und ob die Seele unsterblich ist. «Ich werde dabei auf die griechische Mythologie, aber auch auf die deutlich rationalere griechische Philosophie eingehen», sagt Renata Egli-Gerber. Und Angela Hochstrasser wird erklären, wie die christliche Vorstellung über ewiges Leben, die unsterbliche Seele entstanden ist. «Da spielt die Hoffnung auf Gerechtigkeit nach dem Tod sicher eine Rolle, gerade in Ländern, in denen grosse Ungerechtigkeit herrscht».
Von Kurt Peter